Fünf Tipps für mehr Elterngeld

Das Elterngeld soll Mütter und Väter unterstützen, die sich um ihre Kinder kümmern. Doch der Antrag ist für viele kompliziert. So holen Eltern mehr für sich heraus
von dpa, 27.07.2017
CCVision

Frisch gebackene Eltern kennen das: Wer sich Zeit für den Nachwuchs nimmt, kann nicht mehr so viel arbeiten. Die Folge sind finanzielle Einbußen. Damit die Entscheidung zwischen Beruf und Familie nicht allein vom Geldbeutel abhängt, gibt es seit 2007 das Elterngeld. Die Sozialleistung soll dafür sorgen, dass sich Mütter und Väter die Kinderpause auch leisten können.

Die Anträge sind allerdings kompliziert: Basis-Elterngeld, Elterngeld Plus und Bonusmonate – davon, wie Eltern ihre Erziehungszeiten kombinieren, hängt ab, was die Familie letztlich bekommt. "Manchmal sind Tausende Euro mehr drin, wenn eine andere Kombination gewählt wird", sagt Michael Sittig von der Stiftung Warentest in Berlin. Natürlich hängt die Entscheidung, welcher Elternteil sich um das Kind kümmert, nicht nur von finanziellen Erwägungen ab. Doch eine Rolle spielen diese auch.

1. Mehr Förderung oder mehr Einkommen?

Geht es darum, möglichst viel finanzielle Unterstützung vom Staat zu bekommen, sollte der Besserverdiener beim Kind bleiben. Denn je höher der Verdienst, desto höher fällt auch das monatliche Elterngeld aus – bis zu einer Obergrenze von 1800 Euro. "Wenn bei einem Paar der Besserverdiener länger in Elternzeit geht, bekommt er natürlich mehr Elterngeld", sagt Christine Multhauf, Leiterin der Beratung bei Elterngeld.net in Erfurt.

Beim Basis-Elterngeld sind es in etwa zwei Drittel des bisherigen Nettoverdienstes – für bis zu zwölf Monate. "Andererseits fällt für die Familie auch das Einkommen in diesem Zeitraum aus." Möchte die Familie daher ihr monatliches Budget optimieren, sollte der Elternteil mit dem niedrigeren Verdienst daheim bleiben. Denn so bleiben dem Besserverdiener 100 Prozent.

2. Berechnungsgrundlage erhöhen

Egal wer letztlich beim Kind bleibt, in jedem Fall sollte der Antragsteller ein möglichst hohes Monatseinkommen einbringen. Denn das sorgt für eine höhere staatliche Unterstützung. "Weihnachts- oder Urlaubsgeld werden bei der Berechnung des Elterngelds nicht berücksichtigt", sagt Multhauf. Eine Strategie kann es daher sein, mit dem Arbeitgeber zu sprechen, ob dieser die Einmalzahlungen in monatliche Zahlungen umwandelt.

Entscheidend ist der sogenannte Bemessungszeitraum: Beim Vater sind das die zwölf Monate vor der Geburt, bei der Mutter die zwölf Monate vor Beginn des Mutterschutzes. "Man sollte sich Überstunden in dieser Zeit immer ausbezahlen lassen, statt sie abzubummeln", rät Sittig.

3. Rechtzeitig Lohnsteuerklasse wechseln

Verheiratete Paare haben noch eine Möglichkeit das Elterngeld zu optimieren – mit Hilfe eines Steuertricks: "Man sollte darüber nachdenken, gleich zu Beginn der Schwangerschaft die Steuerklasse zu wechseln", rät Multhauf. Bei ungleichen Einkommensverhältnissen hat der Besserverdiener üblicherweise die Steuerklasse drei, da er dann weniger Lohnsteuer abführen muss.

Das können sich Eltern zunutze machen: Wenn zum Beispiel die Frau plant, den Großteil der Elternzeit zu nehmen, kann sie durch einen Wechsel in Steuerklasse drei ihre Steuerabzüge reduzieren. Das wirkt sich positiv auf Nettoverdienst und Elterngeld aus.

"Wichtig ist, dass der Steuerklassenwechsel schnell erfolgt", erläutert Sittig. Denn bei der Berechnung des Elterngelds zählt die Steuerklasse, die im Bemessungszeitraum überwiegt. "Eigentlich sollte ein Paar direkt vom Frauenarzt zum Finanzamt." Spätestens sechs Monate vor dem Mutterschutz muss die neue Steuerklasse dann gelten. "Denn der Mutterschutz wird normalerweise bei der Berechnung des Elterngelds ausgeklammert, da es sich um eine Sozialleistung handelt." Wird diese Frist nur knapp verfehlt, kann die Frau auch auf die Ausklammerung des Mutterschutzes verzichten. Das ändert den Bemessungszeitraum – und möglicherweise auch die Steuerklasse, die in diesem Zeitraum überwiegt.

4. Teilzeit arbeiten mit Elterngeld plus

Noch mehr Wahlmöglichkeiten haben Eltern mit dem neuen Elterngeld Plus. Das ist zwar nur höchstens halb so hoch wie das Basis-Elterngeld, dafür wird es aber doppelt so lang gezahlt. "Das Elterngeld Plus richtet sich vor allem an Eltern, die früher in den Beruf zurückkehren möchten", erklärt Horst Marburger, Fachautor für Sozialrecht.

Bei diesem Modell können Mütter und Väter auch nebenbei etwas dazuverdienen – ohne dass dies komplett auf das Elterngeld angerechnet wird. Hinzu kommt, dass Elterngeld Plus anders berechnet wird, wenn die Eltern in Teilzeit arbeiten. Deshalb erhalten sie, wenn sie Teilzeit arbeiten wollen, mehr staatliche Unterstützung als mit dem Basis-Elterngeld. Ein hoher Zuverdienst wirkt sich allerdings trotzdem auf die Höhe des Elterngeld Plus aus. Ob es sich also unter dem Strich lohnt, müssen Eltern genau prüfen oder sich von der Elterngeldstelle berechnen lassen.

5. Zusätzliche Partnermonate ausnutzen

Einen finanziellen Vorteil haben auch Eltern, die sich gemeinsam um den Nachwuchs kümmern. "Es gibt zusätzliche Partnermonate, die man ausnutzen sollte", sagt Marburger. Beim Basis-Elterngeld kommen zu den zwölf regulären Monaten zwei weitere dazu, wenn beide Partner Elternzeit nehmen. Beim Elterngeld Plus gibt es einen Partnerschaftsbonus: Arbeiten beide Elternteile gleichzeitig zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche, erhält jeder vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus. "Vor allem Selbstständige nutzen das gern", sagt Multhauf. Für Angestellte sei die Regelung meist zu sperrig: "Wenn in den vier Monaten nur ein Partner etwas mehr oder weniger arbeitet als vorgesehen, müssen beide den gesamten Bonus zurückzahlen."

Was genau welche Variante bringt, sollten werdende Eltern rechtzeitig durchrechnen: "Auf der Website des Familienministeriums können Eltern mit dem Elterngeldrechner die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten ausprobieren", empfiehlt Marburger. Außerdem rät er den künftigen Eltern, sich direkt an die Elterngeldstelle zu wenden: "Man kann ruhig fragen, ob die Mitarbeiter einmal alle Varianten durchrechnen können." Das kostet zwar etwas Zeit, doch die Mühe kann sich lohnen: Schließlich bekommen Eltern am Ende nicht nur mehr Geld, sondern vor allem wertvolle Zeit mit ihrem Kind.


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