Während meiner Schulzeit war ich nur einmal das It-Girl auf dem Pausenhof. Ich hatte zu meinem Klassenlehrer gesagt „Ich mache das nicht, Sie Arschloch.“ Nichts, worauf man stolz sein könnte, es kam aus tiefstem Herzen, war absolut ungeplant – und es gab mächtig Ärger.
Zu meiner Verteidigung muss ich zwei Dinge sagen. Erstens: Ich hatte recht! Zweitens: Wenigstens habe ich mich formal korrekt verhalten und den Lehrer als Respektsperson gesiezt. Das brauchen Sie heute angesichts fortschreitender kindlicher Sprachverwahrlosung nicht mehr zu erwarten.
Ich weiß, wovon ich spreche. Meine Tochter ist vier. Alles, was menschliche Ausscheidungen betrifft, findet sie sprachlich gesehen äußerst reizvoll. Dabei halte ich mich in Sachen Fäkalsprache wirklich zurück – und nicht erst seit der Mutterschaft.
Nicht, dass es etwas nützen würde, wie Livia immer mal wieder unter Beweis stellt. Vorzugsweise dann, wenn es besonders peinlich ist, etwa im Hotel. Abendessen, Kerzenschein, eigentlich kinderfreie Zone. Livia hat sich fein gemacht. Engelslocken, Blumenkleidchen, Kulleraugen.
Vorher gehen wir die Benimm-Regeln durch: Was einmal im Mund war, darf nicht zurück auf den Tisch. Wir grapschen nicht mit den Fingern auf anderer Leute Teller, wir drücken den Saftspender nur, wenn ein Glas daruntersteht. So weit, so gut.
„Na, meine Kleine, jetzt gibt’s was Feines.“ „Du bist ja eine Süße.“ Livia genießt die Aufmerksamkeit als Quotenkind im Restaurant, dreht sich in ihrem Kleidchen und unterhält ihr Publikum mit einem kleinen Liedchen.
Als mein Mann und ich am Buffet Lachshäppchen ergattern, schlendert sie von Tisch zu Tisch, um die Gäste lauthals zu begrüßen mit „Hallo – du Arschi!“ Da ist die Freude groß! Herausgeputzte Damen lächeln peinlich berührt. Ich laufe hochrot an, ziehe Livia zu ihrem Platz, bedenke sie mit strafenden Blicken.
Während des Essens sezieren uns die Oberstudienrat-Blicke des bürgerlichen Lagers am Nebentisch, dazu wohlwollende Mienen, aufmunterndes Kopfnicken. Ich kann nicht verstehen, worüber geredet wird, ich bin mir sicher, es geht um emotionale Verwahrlosung und überforderte Eltern. Unser nächster Urlaub geht auf jeden Fall in die Wüste Gobi.
Das mit den Schimpfwörtern hat erst angefangen, als Livia in die Kita kam. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte nicht sämtliche elterliche Verantwortung auf die frechen Bälger und tatenlosen Erzieher im Kindergarten abwälzen. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass „Pups-Worte“ im Kindergarten schneller herumgereicht werden als die Windpocken. Livia hat bis heute Probleme, das Wort Spaghetti korrekt auszusprechen, aber Arschgeige verlässt ihre Lippen absolut fehlerfrei.
Dabei ist Fluchen bei uns zu Hause tabu. Es gibt nur eine einzige Ausnahme: beim Autofahren. Selbst von fast heiligen und immer vor bildlichen Eltern kann man nicht verlangen, dass sie ruhig bleiben, wenn die Kröten-Nase von Sonntagsfahrer mit 60 über die Landstraße schleicht. Da muss man auch mal Klartext reden dürfen.
Finde ich – und habe in Sachen Schimpftiraden die Flucht nach vorne angetreten. Schimpfwörter sind nicht ganz verboten. Die neue Regel lautet: Nur alles, was mit Popo zu tun hat, darf unseren Mund nicht mehr verlassen. Wir schimpfen jetzt kreativ. Du Erbsen-Ente, du Mause-Knilch, du altes Käsebrot.
Hey, was ist jetzt mit meinem Computer los? Ich hatte doch auf „Speichern“ gedrückt. Ganz sicher! Weg? Kann nicht sein. So eine verflixte Schei..!
Anna Bayer / Baby und Familie;
27.09.2010
Bildnachweis: Westend61 GmbH
Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z>, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Arzt- Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit