Mama, du hast aber einen dicken Bauch!“ Irgendwann lässt sich der Familiennachwuchs nicht mehr verstecken. „Das sollen Sie auch nicht. Nach ein paar Monaten können Sie Ihrem Kind von Ihrer Schwangerschaft erzählen“, sagt die Verhaltenstherapeutin für Kinder und Jugendliche Janine Borowski aus Oschersleben in Sachsen-Anhalt. Für Eltern sind Schwangerschaft und Geburt nichts Neues.
Für ihr Erstgeborenes schon. Es ist neugierig auf das Baby. Vielleicht grübelt es aber auch, ob Mama und Papa es dann weniger lieb haben. Sprechen Sie viel mit Ihrem Kind über die neue Situation. Dabei können Bilderbücher helfen, in denen erklärt wird, wie ein Geschwisterchen in die Familie kommt.
„Besuchen Sie auch mal ein richtiges Baby, das Ihr Kind berühren darf“, rät die Expertin. Sie können außerdem versuchen, den Stolz Ihres Großen zu wecken. Erklären Sie ihm, was es gegenüber dem hilflosen Baby schon alles kann. Lassen Sie sich von ihm beraten, wenn Sie das Zimmer und das Bett für das Kleine herrichten.
Ist das Baby auf der Welt, wollen die Geschwister das Neugeborene oft bemuttern. Und ein wenig können sie auch schon mithelfen. Eine Windel bringen und Babys Bäuchlein eincremen, macht dem älteren Kind Spaß, und es merkt, dass es gebraucht wird.
Schläft das Baby anfangs mit im Elternzimmer, richten Sie dort auch für das große Kind eine Bettstelle ein – oder bieten Sie morgendliches Kuscheln im Bett an. So erkennt das ältere Kind, dass es genauso geliebt wird. Und es fällt ihm leichter, zu verkraften, nicht mehr die „Nummer 1“ zu sein.
Damit sich das Erstgeborene nicht vernachlässigt fühlt, sollte der Vater jetzt viel für es da sein. „Oft wird er sogar zur Hauptbezugsperson, weil die Mutter sich nun rund um die Uhr um das Baby kümmern muss“, erklärt die Diplom-Psychologin Katharina Grünewald aus Köln.
Natürlich wollen alle das Neugeborene bestaunen. Passen Sie jetzt auf, dass Ihr großes Kind nicht übersehen wird. Katharina Grünewald empfiehlt: „Bitten Sie Freunde, Verwandte und Bekannte, erst dem großen Bruder oder der großen Schwester zu gratulieren, bevor sie sich das Baby anschauen.“ Und nehmen Sie das ältere Kind nach dem Baby-Besuch einmal öfter in die Arme. Riesig freuen wird sich das große Kind auch, wenn Oma, Opa, Onkel oder Tante es mal in den Tierpark ausführen.
Mütter kennen das: Gerade hat der Vierjährige einen tollen Turm gebaut, da kommt das Baby angekrabbelt und schubst ihn um. Erst weint der Große, dann heult der Kleine. „Organisieren Sie einen Rückzugsort, wo der Große nicht den Zerstörungsdrang des Kleinen fürchten muss. Stellen Sie für jedes Kind eine persönliche Spielkiste zusammen, über die jeder selbst bestimmt. So lernen beide, Eigentum zu akzeptieren“, rät Borowski.
Der Schlüssel zum Familienglück heißt: Loben. Heben Sie die Selbstständigkeit und Hilfsbereitschaft Ihres älteren Kindes hervor. Lassen Sie es zur Belohnung bewusst Dinge tun, die eben nur Große dürfen, wie länger aufbleiben. Unter diesen Umständen ist es ein tolles Gefühl, großer Bruder oder große Schwester zu sein.
Unsere Expertinnen:
Janine Borowski ist Verhaltenstherapeutin für Kinder und Jugendliche in Oschersleben (Sachsen-Anhalt).
Katharina Grünewald ist Diplom-Psychologin in Köln. Sie forscht zu Geschwistern und Patchworkfamilien.
Ariane Funke, Baby und Familie;
13.01.2011
Bildnachweis: W&B/Ariane Funke, W&B/Privat, Corbis GmbH/Cultura
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