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Warum Kinder ihren Papa lieben

Für Kinder ist ihr Vater oft "der Beste". Das ist gut für das Selbstvertrauen, erklärt ein Familiensoziologe


Mit Vätern lässt es sich raufen und balgen. Das ist genauso wichtig für die Kleinen wie Mamas Fürsorge

Ganz schön ungerecht: Mama putzt, wäscht, kocht, spielt und tröstet den ganzen Tag. Und dann kommt Papa heim. Spätestens jetzt fangen quengelnde Kinder an zu strahlen. Und selbst die bockigsten Trotzköpfe laufen zur charmanten Höchstform auf. Zugegeben: Ärgerlich für die Mütter, die sich den ganzen Tag abschuften, aber wichtig für die Kleinen. Warum es manchmal ganz gut ist, wenn Väter Feierabendhelden sind, erklärt der Familiensoziologe Hans-Walter Gumbinger aus Offenbach am Main.

Warum ist Mama plötzlich abgeschrieben, wenn Papa in der Tür steht?

Na ja, Mama ist zum Glück nicht abgeschrieben. Das Kind empfindet dann eher: Die Mama ist ja sowieso da, Papa ist jetzt aufregender. In der Regel weiß das Kleine, dass die Mutter nicht verschwindet und auch nicht traurig ist, wenn es sich nun nur auf den Vater konzentriert.


Und was ist so faszinierend an dem Mann, den das Kind ja schließlich den ganzen Tag nicht gesehen hat?

Genau das ist es. Der Papa hat, im Gegensatz zur viel öfter anwesenden Mutter, etwas Außergewöhnliches und Unerforschtes an sich. Im Alter von zwei bis drei Jahren machen die Mädchen und Jungen andere Erfahrungen mit dem Vater als mit der Mutter, und das ist natürlich spannend.

Was sind das für Erfahrungen?

Mit dem Papa ist alles ein bisschen wilder und rauer. Spiele wie In-die-Luft-schmeißen oder endlose Balgereien gibt es mit der Mutter meist nicht. So etwas ist aber genauso wichtig wie die ständige Geborgenheit und Nähe, die eher die Mutter gibt.

Wie viel Zeit sollten Väter denn mit dem Nachwuchs verbringen?

So viel wie möglich. Aber Hauptsache ist, sie sind in der Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, auch für ihre Kinder da und beschäftigen sich intensiv mit ihnen. Der Fernseher sollte jetzt besser aus bleiben.

Wie festigen Väter in diesen Stunden die Bindung zum Kind?

Es tut der Entwicklung der Kleinen gut, gemeinsame Rituale mit dem Vater zu haben. Das kann das abendliche Vorlesen sein, aber auch feste Spielstunden am Wochenende. Auch schon die ganz Kleinen wollen manchmal wochenlang nur auf Papas Schoß sitzen.

Warum?

Sie testen das partnerschaftliche Gefüge der Eltern. Natürlich unbewusst. Aber für Kinder ist es wichtig zu wissen, dass sie sich auch mal nur einem zuwenden können. Die Mutter soll sich dann aber nicht gleich abwenden, sondern dem Kind zeigen, dass es mit jedem Einzelnen, aber auch mit beiden gemeinsam Zeit verbringen kann.

Wenn der Papa aber sowieso der Größte für den Nachwuchs ist,warum stellen sich Kinder vor, ihr Vater sei ein König oder Superheld?

Damit idealisieren sie ihn. Und auch sich selbst, schließlich sind sie Prinz oder Prinzessin. Der Vater ist dann jemand, der stark ist oder über besondere Fähigkeiten verfügt. Im Grunde weiß ein Kind aber, dass Papa nicht wirklich ein Land regiert oder fliegen kann.

Warum stellen Kinder es sich dann trotzdem vor?  

Für sie ist der Papa ein bedeutender Mensch. Das gibt Kindern Sicherheit und Selbstvertrauen. Sie gehen unerschrockener an Neues heran und wagen mehr. Zur Not ist ja Papa da, der einen rettet.



Anne-Bärbel Köhle und Julia Lüneburg / Baby und Familie; 10.01.2011

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