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Warum-Fragen: So reagieren Eltern entspannt

Kleine Kinder verlieren sich oft in Frage-Dauerschleifen. Wie können Eltern darauf antworten? Unsere Expertin erklärt es im Interview


Geduldig immer wieder dasselbe erklären – das gibt Kindern Sicherheit

Es ist die unendliche Geschichte vom „Warum“. Auf jede Antwort, die Kinder bekommen, fällt ihnen eine weitere Frage ein. Sie finden kein Ende im ewigen Frage-Antwort-Spiel: „Warum muss man Zähne putzen? Warum bekommt man Löcher in den Zähnen? Warum tut Karies weh? Da braucht man als Eltern ganz schön Nerven. Doch es zeigt auch: Das Kind gehört bereits zu den Fortgeschrittenen in ­Sachen Welt­erkundung.


Ständige Fragen: Dinge benennen und begründen

In den ersten zwei, drei Jahren nimmt ein Kind nämlich erst einmal nur wahr. Mit allen Sinnen erfährt es, wie Möhrenbrei schmeckt, wie sich Wasser anfühlt und dass Mama und Papa ganz unterschiedlich klingen, wenn sie ein Gutenachtlied singen. Bevor Kinder sprechen können, müssen sie sich anderweitig helfen, um Dinge herauszufinden. Wenn also die Schüssel mit dem Brei zum wiederholten Mal auf dem Boden landet, ist das nicht nur ein großer Spaß für das Kind, sondern zeigt ihm auch eindrucksvoll die Gesetze der Schwerkraft: wieder was gelernt! Und je mehr der Nachwuchs sprechen kann, desto interessanter werden auch andere Dinge um ihn herum. Nach dem zweiten Geburtstag startet die Phase der „Was-, Wer- und Wo-Fragen“. „Jetzt sind Namen für die Kinder wichtig, sie wollen alles benennen können“, sagt Prof. Dr. Margarete Götz vom Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschul­didaktik der Universität Würzburg.



Prof. Dr. Margarete Götz forscht an der Universität Würzburg unter anderem zum Thema „Kinderfragen“

Interesse an Ursachen und Sinn

Wenn schließlich Toaster, Busfahrer und alle Vögel im Garten einen Namen haben, kommt das „Warum“ dran. „Um das dritte Lebensjahr herum beginnt das Interesse an den Ursachen, dem Zweck und Sinn von Erscheinungen, Geschehnissen und Abläufen“, erklärt Götz, die unter anderem über Kinderfragen forscht. Jetzt reicht es nicht mehr, zu erklären, was man gerade tut oder wo der große Bruder am Nachmittag ist. Jetzt müssen Fakten her: „Warum musst du abwaschen?“ und „Warum spielt der Benni Fußball?“ Dabei geht es Kindern nicht nur um die richtige Antwort, sondern auch um Aufmerksamkeit. Dann ufern Fragen manchmal aus. Es ist einfach so schön, dass Mama oder Papa immer wieder etwas sagt. Deshalb ist es wichtig, auf die ununterbrochenen Fragen nicht genervt zu reagieren, auch wenn es manchmal schwerfällt.

Selbst wenn die Frage nach der Himmelsfarbe zum gefühlten 100. Mal kommt: Beantworten Sie sie noch mal. Genauso, wie der Dreijährige jeden Abend ­seine Gutenachtgeschichte verlangt, braucht er eine Zeit lang immer wieder die gleiche Antwort auf bestimmte Fragen. „Das hat für Kinder etwas mit Ritualen zu tun. Sie geben ihnen Sicherheit“, erklärt Götz.

Eltern sind keine wandelnden Lexika

Wie komplex die Welt ist, kann wohl auch ein Erwachsener kaum zufriedenstellend erklären. Muss er auch nicht, denn Kinder erschließen sich das, was sie wissen wollen, in vielen kleinen Schritten. „Jede Frage zielt darauf ab, die Welt für sie ein bisschen klarer zu machen. Alles hat seine Ordnung. Diese Gewissheit brauchen Kinder“, sagt Götz. Dabei müssen Eltern nicht wie wandelnde Lexika auf alles eine korrekte Antwort finden, betont die Pädagogin. Im Gegenteil: Wer die Eltern von Gott sind und warum man stirbt, lässt sich nicht mit einem Satz erklären. „Sehen Sie es als Gesprächsgrundlage“, rät Götz. Gemeinsam können Eltern und Kinder nach Antworten suchen. So lassen sich übrigens auch unendliche Warum-Strecken unterbrechen: einfach eine Gegenfrage stellen. „Was meinst du, warum es schade wäre, die Blumen im Beet abzupflücken?“ Und schon ist die schönste Diskussion über traurige Nachbarn, die richtigen Muttertagsgeschenke und die unschuldige Schönheit der Tulpen im Gang.

Kindgerechte Antworten finden

Erscheinen Fragen unlogisch, ist das allerdings ein Problem der Erwachsenen, nicht der Kinder. „Warum ist der Mond kaputt?“ ist in Kinderaugen völlig schlüssig: Was vor Kurzem noch rund und hell am Himmel stand und nun plötzlich wie ein halber Käse aussieht, kann doch nur kaputt sein. Natürlich können Eltern dann anfangen, die Erdumlaufbahn zu erklären und dass der Mond eigentlich gar nicht selbst leuchtet. Sie können sich aber auch jeden Abend mit dem Kind den Himmel anschauen, gemeinsam über die vielen Sterne staunen und nebenbei erzählen, wie das so ist, mit der riesigen ­Sonne, der gro­ßen Erde und dem kleinen Mond, der die Erde umkreist.

Peinliches in der Öffentlichkeit muss nicht sein. Kinder sehen das anders: Dass der Mann im Bus so einen dicken Bauch hat, bedarf der Klärung, und zwar sofort. „Gelassen bleiben ist dann die beste Taktik“, sagt Götz. Denn das Kind meint nichts böse. Im Bus reicht der Hinweis, dass alle Menschen verschieden sind. Zu Hause hilft später ein Gespräch darüber, dass man nicht über das Aussehen anderer spricht, weil diese vielleicht darüber traurig sein könnten, wenn sie es hören. Und die elterliche Frage, wie der Nachwuchs es finden würde, wenn die Leute auf der Straße darüber reden, dass er so klein ist, unterbindet eventuell alle weiteren ­Warum-Fragen.




Bildnachweis: Thinkstock/Digital Vision, W&B/Privat

Julia Jung / Baby und Familie; 10.04.2012, aktualisiert am 07.04.2014
Bildnachweis: Thinkstock/Digital Vision, W&B/Privat

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