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Trotzkopf-Knigge

Wenn Kinder ihren eigenen Willen entdecken, kann das für Eltern ganz schön anstrengend sein. Wie Sie die schwierige Phase meistern


"Ich will aber!!!" – ein Satz, den Eltern in dieser Phase häufig zu hören bekommen

Unser süßes, braves Baby, was ist nur aus ihm geworden? Und wo kommt plötzlich dieser Satansbraten her, der schreiend durch unsere Wohnung tobt? Wenn die Trotzphase beginnt, erkennen Eltern ihren Nachwuchs oft nicht wieder, sind irritiert, enttäuscht, manchmal überfordert. „Der größte Fehler ist es jetzt, das Verhalten des Kindes persönlich zu nehmen. Zu glauben, das Kind wolle einen mit Absicht ärgern“, erklärt Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Doris Heueck-Mauß aus München. Denn Experten wissen: Kleine Trotzköpfe können gar nicht anders.

Zwischen eineinhalb und zwei Jahren machen Kinder eine wichtige Entdeckung – sich selbst. Sie erleben sich plötzlich als eigenständige Person mit eigenem Willen. „Sie möchten sich bei vielen Dingen nicht mehr helfen lassen, wollen möglichst viel alleine meistern“, sagt Janina Kettner, Pädagogin und Sozialpsychologin aus Hamburg. Das Problem: Die Kleinen stoßen dabei an viele Grenzen. Zum Beispiel wenn sie auf das Klettergerüst wollen, aber noch nicht die Kraft dafür haben. Oder wenn sie im Supermarkt nicht zehn Tafeln Schokolade in den Einkaufskorb legen dürfen, weil Mama Nein sagt.



Janina Kettner hat als Pädagogin und Sozialpsychologin ihre eigene Praxis "Blickpunkt Familie" in Hamburg

In Situationen wie diesen kann es dann zum berühmt-berüchtigten Trotzanfall kommen. Die Kinder schreien, weinen, werfen sich auf den Boden, reagieren mitunter aggressiv. „Das Kind ist enttäuscht, frus triert und verrennt sich in Emotionen, mit denen es nicht umgehen kann“, erklärt Heueck-Mauß. Die Autorin (Das Trotzkopfalter, Humboldt Verlag) vergleicht solch einen Anfall mit einer Kurzschlussreaktion, die das Kind nicht steuern kann. „Diese Ausbrüche sind ein Zeichen von Hilflosigkeit und keineswegs von Ungehorsam“, betont auch Janina Kettner. Deshalb seien Bestrafen oder Schimpfen die falschen Reaktionen.

Vielmehr sollten Eltern ruhig bleiben und abwarten, bis der Ausbruch vorüber ist. „Danach das Kind am besten ablenken“, rät Doris Heueck-Mauß. „Über das Geschehene zu sprechen macht wenig Sinn. Denn der Trotzkopf kann sein Verhalten von eben ohnehin nicht mehr nachvollziehen.“ Viele Kinder brauchen jetzt auch Trost, stürzen sich – nachdem sie gerade noch nach ihrer Mutter getreten haben – auf einmal in deren Arme und wollen gehalten werden. Was Eltern vielleicht im ersten Moment verwirrt, ist ganz normal, sagt Janina Kettner: „In diesem Alter sind die Kleinen hin- und hergerissen zwischen dem Loslösen auf der einen und Trennungsängsten auf der anderen Seite.“ Unsere beiden Expertinnen raten daher davon ab, kleine Trotzköpfe jetzt für längere Zeit alleine zu lassen. „So erfahren Kinder, dass sie auf Mutter und Vater auch in schwierigsten Situationen zählen können“, sagt Doris Heueck-Mauß.



Doris Heueck-Mauß arbeitet als Diplom-Psychologin mit eigener Praxis in München

Das Trotzalter – das etwa mit drei Jahren endet – ist eine wichtige Phase für die Kinder, auch weil sie in dieser Zeit eine Menge lernen. Dazu zählt etwa Gefühle auszudrücken, geduldig zu sein und Konflikte mit sich selbst und anderen zu bewältigen. „Eigentlich ist die Phase also sehr positiv und sehr, sehr wichtig für die soziale Entwicklung“, betont Heueck-Mauß.

Unterstützen können Eltern ihre Kleinen dabei durch ein ausgewogenes Verhältnis von Grenzen und Freiheiten. „Kinder brauchen Orientierung und Schutz davor, ihre Fähigkeiten zu überschätzen“, findet Kettner. „Aber was sie im Trotzkopfalter alleine können, sollten sie auch alleine tun dürfen.“ Ihr Kind will die Spaghetti unbedingt ohne Hilfe essen? Erlauben Sie es, und sehen Sie über die Spuren auf Tisch und Fußboden hinweg. Es will die Farbe seiner Strumpfhose zum Kleid selbst aussuchen? Erklären auch Sie Rosa-Gelb zu ihrer Lieblings-Kombination! „Keine Diskussion, wo sie nicht nötig ist“, rät Kettner. Unsere Expertinnen sind sich einig: Bei allen Eltern liegen während der Trotzphase mal die Nerven blank. Vor allem wenn das Kind seinen Willen ausgerechnet im Supermarkt oder im voll besetzten Zug durchsetzen will. Ganz wichtig: Lassen Sie sich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen.




Bildnachweis: W&B/Privat, Thinkstock/iStockphoto
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Julia Wölkart / Baby und Familie; 28.09.2010
Bildnachweis: W&B/Privat, Thinkstock/iStockphoto

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