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Ständig Streit mit den Kindern – was tun?

Ermahnen, schimpfen, diskutieren: Schluss mit den ständigen Konflikten zwischen Eltern und Kindern! Diese Strategien helfen raus aus dem Dauerzoff


Zwischen Eltern und kleinen Kindern gibt es oft andauernde Alltagskonflikte

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie erinnern Ihre Tochter jeden Tag daran, dass sie ihre Schuhe an der Wohnungstür ausziehen soll. Doch sie läuft zuverlässig mit ihren matschverschmierten Gummistiefeln an Ihnen vorbei in den Flur. Und Ihr Sohn lässt seine Jacke beim Nachhausekommen generell da auf den Boden fallen, wo er gerade steht. Natürlich haben Sie ihm schon mehrmals erklärt, dass die Jacke auf den Garderobenhaken gehört, natürlich verspricht er, morgen daran zu denken. Doch auch dann: Fehlanzeige. Müssen wir Eltern uns einfach damit abfinden, dass Kinder nun mal ein schlechtes Gedächtnis haben, was ihre Pflichten angeht?



Birgit Kollmeyer ist Dipl.-Psychologin und arbeitet im Bereich Prävention und Beratung am Familieninstitut der Universität Freiburg

Mit den Gedanken woanders

„Das kann man so nicht sagen. Kinder leben im Moment, und Schuhe ausziehen oder Jacke aufhängen sind da einfach lästig“, sagt Diplom-Psychologin Birgit Kollmeyer, die am Familieninstitut der Universität Freiburg (Schweiz) Eltern berät. Oft sind sie in Gedanken auch schlicht woanders. Das kleine Mädchen mit ihren schmutzigen Gummistiefeln hat sich vielleicht den ganzen Heimweg über darauf gefreut, endlich mit ihrem neuen Auto spielen zu können. Und der Junge will einfach nur schnell an seinen Schreibtisch, um ein Geschenk für die Oma fertig zu basteln, die später noch zu Besuch kommt.

Konflikte schaukeln sich hoch

Es gibt wahre Klassiker, die in Familien tagtäglich zu schlechter Stimmung führen. Streitthema Nummer eins bei den Kleinen: ihre Unlust, Kleidung oder das Zimmer aufzuräumen. „Sobald Kinder in die Schule gehen, wird das Thema Hausaufgaben virulent“, erklärt Birgit Kollmeyer. Bei pubertierenden Jugendlichen sorgen die Themen Pünktlichkeit und Ausgehen für Dauerdiskussionen. Das Fatale an ständig wiederkehrenden Konflikten: Sie verselbstständigen sich im Familienalltag. „Eltern reagieren immer gereizter auf ­ihre Kinder, auch in Situationen, die mit dem Konflikt nichts zu tun haben“, erklärt die Psychologin. Und das tut weder dem Familien­klima noch der Partnerschaft gut.

Erster Schritt: Regeln aufstellen

Dabei ist es gar nicht so schwierig, Dauerstreit endgültig zu lösen. Der erste Schritt: Regeln aufstellen. „In vielen Familien entzünden sich an den gleichen Dingen immer wieder Konflikte, weil Eltern ihren Kleinen nicht grundsätzlich erklärt haben, was sie von ihnen erwarten“, sagt die Psychologin. Schon mit Dreijährigen lassen sich Abmachungen treffen. Ab dem Vorschulalter sollten Eltern ihre Kinder in die Regelbesprechung mit einbeziehen. Denn wer mitbestimmen darf, ist motivierter, die Abmachungen später auch einzuhalten. Doch was tun bei Krabbelkindern, die gerade entdeckt haben, dass sich die Knöpfe an der Stereoanlage so schön drehen lassen? „Auch sie verstehen es, wenn Mama oder Papa konsequent mit einem ‚Nein‘ reagieren“, erklärt Kollmeyer.

Zweiter Schritt: Konsequent sein

Doch allein die Tatsache, dass ­eine Familie Regeln aufstellt, heißt ja leider nicht, dass die Kleinen sich auch daran halten. Das lernen sie aber, so die Expertin, wenn auf eine Regelmissachtung auch eine Konsequenz folgt. „Eine Konsequenz, die sofort in der Situation passiert und die vor allem logisch ist, also mit der Sache ­direkt etwas zu tun hat.“ Das Mädchen, das seine Jacke auf den Boden hat fallen lassen, darf nicht gleich basteln. Es muss zum Beispiel erst Mama oder Papa begleiten, die gerade den Müll nach draußen bringen. Dem Kind für später ein Fernsehverbot anzudrohen wäre­ dagegen überzogen. „Bis zum Abend hat es zudem vergessen, warum es nicht fernsehen darf“, so Kollmeyer.

Vor der Konsequenz ­brauchen Kinder die Chance, die Regel noch erfüllen zu können. Deshalb sollten Eltern ihre Kleinen an die Regel erinnern. Hebt das Kind ­seine Jacke auf, sollten die Eltern das registrieren. Und zwar mit echtem Lob, das ihre Freude ausdrückt. „Verkneifen Sie sich, Kritik in das Lob einfließen zu lassen wie etwa ‚Jetzt ­hast du deine Jacke ja endlich aufgehängt‘“, rät Expertin Birgit Kollmeyer. Reagiert das Kind dagegen nicht, sollte eine Konsequenz folgen. Sonst geraten alle schnell in die Endlosschleife an Ermahnungen und Ausflüchten, die zu nichts außer schlechter Stimmung führt. „Kinder registrieren sofort: Vor der fünften Ermahnung passiert sowieso nichts. Das kann ich abwarten“, erklärt die Psychologin. Diskussionen kann man sich also ersparen.

Letzte Maßnahme: Auszeit

Und was tun, wenn selbst Konsequenzen nicht zum Erfolg führen? Dann hilft vielleicht, dem Kind ­eine Auszeit zu geben. Ein Beispiel: Malt ein Dreijähriger statt auf Papier an die Wand, sollte ihn seine Mutter zunächst daran erinnern, dass er nur auf Papier malen darf. Tut er das nicht, wäre die logische Konsequenz, ihm die Stifte wegzunehmen und sie ihm nach etwa drei Minuten zurückzugeben. Nun hat er die Chance, sich richtig zu verhalten. „Malt er trotzdem weiter an die Wand, nehmen Sie das Kind aus der Situation heraus und setzen es für ein paar Minuten neben sich auf ein Kissen“, erklärt die Psychologin. Wichtig: Besprechen Sie mit Ihrem Nachwuchs vorher, was die Auszeit bedeutet, sonst läuft sie ins Leere.

Sein Verhalten zu ändern ist schwer. Birgit Kollmeyer emp­fiehlt deshalb, Kinder mit Belohnungen zu motivieren. Etwa mit der Aussicht, gemeinsam einen Kuchen zu backen oder nach dem Einkaufen einen Schlenker zum Spielplatz zu machen. Punktekarten, auf denen Smileys für vorbildliches Verhalten gesammelt werden, haben sich bei Dauerkonflikten bewährt. „Legen Sie gemeinsam fest, wie viele Punkte es braucht, bis es die Belohnung gibt“, sagt Kollmeyer.  Das Ziel darf gerade bei Kleinkindern nicht zu hoch sein, sonst verlieren sie den Spaß dabei.

Hilfe für gestresste Eltern

Sie haben eine Frage zu einem Erziehungsproblem? Hier finden Sie kostenlos und anonym Hilfe:

www.bke-elternberatung.de*: Das Online-Beratungsangebot der Bundes­­konferenz für Erziehungsberatung, dem Fachverband für Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung, reagiert auf Ihre Anfrage per E-Mail. Außerdem können Sie sich in Foren mit Experten und anderen Eltern austauschen. Auch wenn Sie eine Beratungsstelle in der Nähe Ihres Wohnortes suchen, sind Sie hier richtig: einfach die Postleitzahl in die Suchmaske eingeben, schon bekommen Sie Einrichtungen verschiedener Träger genannt.

0800/1110550: Die „Nummer gegen Kummer“. Das ­bundesweite ­­Elterntelefon, das unter anderem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, erreichen Sie ­montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr. Anruf auch vom Handy aus kostenlos.

 

* www.baby-und-familie.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten




Bildnachweis: Thinkstock/Monkey Business, W&B/Privat

Barbara Weichs / Baby und Familie; aktualisiert am 19.05.2014, erstellt am 01.06.2012
Bildnachweis: Thinkstock/Monkey Business, W&B/Privat

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