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So wecken Sie die Leselust bei Kindern

Auch im Computer-Zeitalter sollten Eltern darauf achten, kindergerechte Bücher nicht zu kurz kommen zu lassen


Vorlesen und selbst lesen ist wichtig für die Entwicklung eines Kindes

Egal ob Pippi Langstrumpf, der kleine Maulwurf oder die Raupe Nimmersatt – an die ersten Kinderbuchhelden erinnert man sich ein Leben lang. Viele Tage haben wir mit ihnen gefiebert, ihre Geschichten unendliche Male erlebt. Und so träumen wir als Erwachsene noch manchmal davon, wie Pippi jedes Abenteuer zu meistern, und spüren ein Magenzwicken, wenn die gefräßige Raupe alles in sich hineinstopft.

Dass Vorlesen und Lesen für Kinder wichtig sind, darüber sind sich Experten und Eltern einig. „Bücher fördern die kognitive und sprachliche Entwicklung“, sagt Sabine Bonewitz von der Stiftung Lesen in Mainz. „Kinder lernen durch sie die Welt kennen.“ Studien bestätigen, dass Kleine mit reichhaltigen Leseerfahrungen in der frühen Kindheit Vorteile beim Sprechen und später beim Lesen und Schreiben haben.


Die Vorlesesituation ist eine besondere, in der sich Mutter oder Vater und der Nachwuchs sehr nahe sind. „Das fördert Konzentration und Kommunikation“, erklärt Dr. Marie Luise Rau, Spracherwerbsforscherin und Autorin („Literacy. Vom ersten Bilderbuch zum Erzählen, Lesen und Schreiben“, Haupt Verlag) aus Rüsselsheim. Diese kuschelige Atmosphäre ist zugleich sprachintensiv: Eltern und Kind wechseln sich ab mit Sprechen und Zuhören, der Vorleser kann immer auf das Kleine eingehen.

Auch in Zeiten von Fernsehen, Computer und Hörbüchern möchte der Nachwuchs Bücher nicht missen. In der Umfrage von BABY und Familie gaben nur 19 Prozent der Eltern mit Kindern unter sechs Jahren an, dass ihr Nachwuchs Hörbücher dem Vorlesen vorzieht. Bereits Einjährige blättern begeistert in Fühlbüchern, die auch noch rasseln und quietschen. Mit drei, vier Jahren stehen die Geschichten stärker im Mittelpunkt. Expertin Rau erklärt: „Das Lesen ermöglicht Identifikation mit der Person und macht dadurch Freude.“ Das richtige Buch dient aber auch häufig als Anlass, um über Probleme zu sprechen.

Bloß: Eltern unterstützen dieses Interesse an Büchern nur bedingt. Für mehr als die Hälfte der Mütter und Väter ist Lesefreude kein Erziehungsziel, ergab eine aktuelle Studie der Stiftung Lesen. Je älter die Kinder werden, desto weniger Engagement zeigen die Eltern. Nur jedem zweiten Grundschulkind wird vorgelesen. „Die Kinder bekommen Lesen als reinen Lerninhalt vermittelt. Es fehlt der Eindruck, dass Lesen Vergnügen bereitet“, sagt Sabine Bonewitz. Bücher werden oft mit Wissen und Bildung verbunden, aber zu wenig mit sozialen und emotionalen Kompetenzen.

Die Umfrage ergab, dass vor allem junge Eltern nur selten selbst ein Buch zur Hand nehmen oder ihre Kinder dazu anregen. „Die Vorbildfunktion der Eltern spielt eine große Rolle“, sagt Bonewitz. So erklären sich Experten unter anderem, warum bei Jungen mit zunehmendem Alter die Lust aufs Lesen sinkt. Denn nur acht Prozent der Väter lesen regelmäßig vor, die restlichen geben an, keine Zeit oder Lust zu haben oder finden, dass die Mütter fürs Vorlesen zuständig sind. „Ab vier Jahren brauchen Jungen eigene Bücherhelden“, so die Expertin. „Und sie brauchen Vorlese-Väter.“

Die Studie zeigt auch: Eltern, die nach der Vorlesephase mit ihren Kindern gemeinsam lesen, geben dem Nachwuchs die beste Voraussetzung mit, sich in der Welt der Bücher zu Hause zu fühlen. Das Schönste: Man braucht nicht viel. Es genügen etwas Zeit und spannende Bücher oder Zeitschriften. Für alle bis 18 Jahre gibt es diese in öffentlichen Bibliotheken sogar kostenlos.


Empfehlenswerte Kinderbücher (ausgesucht mithilfe der Stiftung Lesen):

  • „Das ist der Daumen. Fingerspiele. Meine erste Lernraupe“ von Denitza Gruber (ab 1 Jahr), arsEdition Verlag
  • „Nori geht schlafen!“ von Brigitte Weninger und Yusuke Yonezu (ab 1 1⁄2 Jahren), Minedition Verlag
  • „Wütend, traurig, froh. Wieso? Weshalb? Warum? junior“ von Christoph Nettersheim und Anne Wöstheinrich (ab 2 Jahren), Ravensburger
  • „Der Grüffelo“ von Axel Scheffler und Julia Donald- son (ab 3 Jahren), Beltz und Gelberg Verlag
  • „Der Ritter Linskrum und andere Vorlesegeschichten“ von Ulrike Sauerhöfer (ab 5 Jahren), Esslinger Verlag
  • „Medizini“ (ab 4 Jahren), Zeitschrift, Wort & Bild Verlag

Diese Bücher eignen sich prima zum Vorlesen:

  • "Meine ersten Geschichten" von Anne Steinwart und Dagmar Geisler (ab 2 Jahren), Oetinger Verlag
  • "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch (ab 2 bis 3 Jahren), Peter Hammer Verlag
  • "Am liebsten bin ich Gustav" von Angelika Glitz und Carola Holland (ab 3 Jahren), Ravensburger Buchverlag
  • "Erzähl uns eine Geschichte über Freundschaft", Sammelband, illustriert von Sabine Dittmer (ab 3 Jahren), Velber Verlag
  • "Karlchen-Geschichten" von Rotraut Susanne Berner (ab 3 Jahren), Hanser Verlag
  • "Mausemärchen / Riesengeschichte" von Annegert Fuchshuber (ab 4 Jahren), Thienemann Verlag
  • "Meine liebsten 1-2-3-Minutengeschichten" von Manfred Mai (ab 4 Jahren), Ravensburger Buchverlag
  • "Steinsuppe" von Anais Vaugelade (ab 4 Jahren), Moritz Verlag
  • "44 4-Minuten-Geschichten zum Vorlesen" von Dagmar Chidolue (ab 4 bis 5 Jahren), Fischer Schatzinsel Verlag
  • "Ich bin der Stärkste im ganzen Land!" von Mario Ramos (ab 4 bis 5 Jahren), Moritz Verlag
  • "Der kleine Wassermann" von Otfried Preußler (ab 5 Jahren), Thienemann Verlag
  • "Der Grüffelo" von Axel Scheffler und Julia Donaldson (ab 5 Jahren), Verlag Beltz & Gelberg
  • "Wie die Kichererbsenprinzessin ihr Lachen zurückbekam" von Hilke Rosenboom (ab 5 Jahren), Boje Verlag
  • "Die schönsten Tiergeschichten zum Vorlesen" von Dagmar Henze (Hrsg.), ab 5 Jahren, Ellermann Verlag
  • "Ich kenn ein Land, das du nicht kennst ..." von Martina Badstuber (ab 5 Jahren), Tulipan Verlag
  • "Der Ritter Linksrum und andere Vorlesegeschichten" von Ulrike Sauerhöfer (ab 5 Jahren), Esslinger Verlag
  • "Entdecker, Forscher, Abenteurer" von Ulrike Sauerhöfer (Hrsg.) und Sven Leberer (Ill.), ab 5 bis 6 Jahren, Esslinger Verlag
  • "Oma! Schreit der Frieder" von Gudrun Mebs und Rotraut Susanne Berner (ab 5 bis 6 Jahren), Sauerländer Verlag
  • "Ein Hund für Emma und andere Bilderbuchgeschichten" von Ursel Scheffler und Jutta Timm (ab 5 bis 6 Jahren), cbj Verlag
  • "Latte Igel und der Wasserstein" von Sebastian Lybeck (ab 6 Jahren), Thienemann Verlag
  • "Dirk und ich" von Andreas Steinhöfel (ab 6 bis 7 Jahren), Carlsen Verlag
  • "Schuld war nur das Brauseschwein" von Robert Griesbeck (ab 7 Jahren), Boje Verlag
  • "Jeremy James oder Elefanten sitzen nicht auf Autos" von David Henry Wilson (ab 7 bis 8 Jahren), Carlsen Verlag


www.baby-und-familie.de; 18.06.2010, aktualisiert am 25.05.2011
Bildnachweis: Corbis GmbH/Bill Miles

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