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So gewöhnen Sie Ihrem Kind den Schnuller ab

Der Schnuller kann Trost spenden und die Eltern entlasten. Spätestens, wenn sie im Kindergarten sind, sollten die Kleinen den Nuckel aber loswerden. Experten verraten, wie der Abschied gelingt


Viele Kleinkinder lieben ihren Schnuller. Wann ist es Zeit für den Abschied?

Anfangs ist er einfach praktisch: Mit Schnuller im Mund beruhigt sich das Kleine schnell, hört auf zu weinen, schläft selig nuckelnd ein. Wundervoll! Doch irgendwann nach Babys erstem Geburtstag meldet sich bei Eltern die innere Stimme: Wäre es nicht besser, ihm den Stöpsel wieder abzugewöhnen? Droht dem Kind nicht am Ende ein hässliches Gebiss oder die Zahnspange? Das Problem nur: In den seltensten Fällen gibt das Kleine den Schnuller freiwillig ab. Wie es klappen kann, erklären unsere beiden Experten, der Hofer Diplom-Psychologe Andreas Engel und die stellvertretende Vorsitzende der Initiative Kiefergesundheit, Dr. med. dent. Gundi Mindermann aus Bremervörde.



Andreas Engel ist Diplom-Psychologe, Psychotherapeut und stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung

Schnuller entwöhnen: Die ersten Schritte

Eltern, die ihrem Kind den Schnuller abgewöhnen möchten, sollten zuallererst darauf achten, in welchen Situationen ihr Kleines nuckelt, rät Andreas Engel. Denn so erfahren sie, wobei der Sauger dem Kind hilft. Vielleicht ist es müde und wäre besser im Bett aufgehoben. Oder es ist verängstigt und wünscht beruhigenden Zuspruch und Körperkontakt. Vielleicht aber lutscht es auch nur gedankenverloren, während es die Tauben auf der Straße beobachtet, oder es langweilt sich schlicht und einfach. „Oft lassen sich solche Bedürfnisse auch anders befriedigen“, so der Experte. „Ihm dies zu geben ist ein wichtiger Schritt zur Schnuller-Entwöhnung – egal ob das Kind eineinhalb oder drei Jahre alt ist.“

Für den Verlust entschädigen

Nur wegnehmen und nichts ­dafür geben, das geht gar nicht. „Die Großen müssen anerkennen, dass der Verzicht auf den Schnuller für das Kind ein Verlust ist, so wie ihn auch ein Raucher bei der Zigarettenentwöhnung empfindet“, sagt Engel. Die Kleinen sollten deshalb im Gegenzug Unterstützung, Anerkennung und ruhig auch eine Belohnung bekommen. Je nachdem, wie alt ein Kind ist, kann diese „Gegenleistung“ sehr verschieden aussehen. Manch ein Zweijähriger lässt sich gern durch Kuscheln auf Mamas oder Papas Schoß, durch ein Schmusetier oder eine vertraute Melodie entschädigen. Dreijährige lassen sich schon eher auf einen Handel mit den Eltern oder auch mit der Schnullerfee ein: Das Kind gibt seinen Sauger her und bekommt dafür etwas, das es sich sehnlichst wünscht – zum Beispiel ein Spiel oder auch einen Ausflug.

Wann ist es Zeit für den Abschied vom Schnuller?

Wann und wie der geliebte Schnuller verschwindet, muss auf jeden Fall mit dem Kind abgestimmt sein. „Es darf auf keinen Fall gegen seinen Willen erfolgen“, betont Engel. „Der Vertrauensverlust wäre zu groß“, warnt er. Es muss auch nicht immer die Schnullerfee kommen. Mancherorts gibt es zum Beispiel Schnullerbäume, an die ein Kind seine Nuckel hängen kann.



Dr. Gundi Mindermann ist Kieferorthopädin und Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Kieferorthopäden

Zwar rät der Bundesverband der Kieferorthopäden, den ­Schnuller möglichst schon nach dem ers­ten Geburtstag des Kindes zu verabschieden. Stress sollten Eltern sich und ihren Kleinen aber nicht machen, sagt Kiefer­­orthopädin Gundi Mindermann. „Bis zum Alter von drei Jahren kann sich ein verformter Kiefer noch relativ leicht zurückbilden.“ Wichtig ist, dass ein Kind den Mund richtig schließen kann. Es spricht also nichts dagegen, behutsam und in Ruhe, den Schnuller im Alltag rarer zu machen.

Nach und nach schnullerfrei werden

Zum Beispiel, indem nach und nach immer mehr Lebenssituationen „schnullerfrei“ werden, etwa der Spaziergang, der Einkauf, das abendliche Lesen oder die Zeit in der Krabbelgruppe. „Sobald das Fläschchen dem Becher weicht und der Brei der Familien­küche, fördert der neue Kaureflex ohnehin ganz natürlich die Schnuller­entwöhnung“, meint Zahnexpertin Mindermann. Erziehungsberater Engel ergänzt: „Wenn sich Ein- oder Zwei­jährige ohne ihren Schnuller wohl und sicher fühlen, ist das wunderbar.“ Wenn nicht, bietet auch der Übergang zum Kindergarten noch einen guten Zeitpunkt zum Abgewöhnen. Dann ist das Kind alt genug, um zu verstehen, dass ein Schnuller unter „großen“ Kindergartenkindern keinen Platz mehr hat.


Besser ohne Schnuller: Drei Gründe

Auch, wenn der Abschied vom Schnuller schwerfällt, gibt es gute Gründe für Eltern, hartnäckig dranzubleiben.

  • Auch ein gut geformter Schnuller stört die Gebissentwicklung, erklärt Kieferorthopädin Gundi Mindermann. „Er drückt die Zähne, die durchbrechen wollen, in eine unnatürliche Lage, sodass ein Überbiss entstehen kann, weil die Zähne sich über den Schnuller legen.“
  • Kindern, die viel und lange am Schnuller genuckelt haben, bereitet es später oft Schwierigkeiten, den Mund richtig zu schließen, weil die Zunge gewohnheitsmäßig tief im Unterkiefer liegt. Das beeinträchtigt auch ihre Aussprache.
  • Ein Schnuller stört nicht zuletzt beim Sprechen­lernen, denn: Wer nuckelt, macht den Mund nicht auf.



Bildnachweis: Getty Images/Image Source, W&B/Privat

Barbara Erbe / Baby und Familie; aktualisiert am 09.04.2013, erstellt am 10.02.2011
Bildnachweis: Getty Images/Image Source, W&B/Privat

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