Schäfer stolpert über: Neue Männer

Zum Jahreswechsel blickt unser Kolumnist Marian Schäfer zurück. Er findet, dass 2016 das Jahr der Väter war

von Marian Schäfer, aktualisiert am 03.01.2017

Alles im Griff? Für moderne Väter sind multiple Anforderungen kein Problem

W&B/Bone Buddrus

Kürzlich stieß ich auf ein neues Online-Magazin­ für Väter und Männer, die es werden wollen. Als Erstes fiel mir der Fruchtbarkeitsrechner und der Punkt "Schwangerschaftstest" auf. Beides war so prominent platziert, dass ich es auf mich bezog. Es dauerte etwas, bis mir wieder einfiel, dass ich zwar immer Kinder zeugen, aber nie schwanger werden kann.

Zur Perfektion fehlt einzig: Stillen zu können

Ich würde nicht sagen, dass mich das großartig­ bedrückt. Problematischer ist es, finde ich, nicht stillen zu können­. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit unserer heute Einjährigen, diesem kleinen Nimmersatt, in den ersten Monaten um die Häuser­ streunte, stets in der Nähe der mütterlichen Brust. Als ich es einmal wagte, den Radius­ auszuweiten, war das Ergebnis traumatisch, wohl für beide Seiten: Das Kind schrie und schrie, und ich joggte, ihm hilflos meinen kleinen, kalten Finger­ anbietend, nach Hause. Nachts träumte­ ich von einem randvoll gefüllten Busen.


Stillen zu können würde uns Männer, zumal die modernen unter uns, komplett machen. Idealerweise­ sind wir heute ja Väter, zudem gute­ Hausmänner, erfolgreich im Job und natürlich gutaussehend, gleichermaßen routiniert im Umgang mit Bohrmaschine­ und Pfannen­heber. Das stand so ähnlich in der Zeit, verbunden mit der Frage, wie wir Männer das eigentlich aushalten. Ganz gut, würde ich dem Autor­ gerne­ antworten. Noch besser, wenn ich stillen könnte.

Männer und Memmen: Ein Erfolgsrezept

Die Frage freute mich aber. Sie klang so schön weinerlich und stand damit den Erzählungen über moderne Frauen, die heutzutage­ ja auch alles können und sein müssen, in nichts nach. Ich fühlte mich an meinen Onkel erinnert, einen erfahrenen Mann und Vater dreier­ Kinder.­ Der sagte einmal zu mir, dass in einer guten Partnerschaft beide gleich viel quengeln müssten. Sonst funktioniere es nicht.

Was im Kleinen, zumindest bei uns, schon ganz gut funktioniert, erreicht jetzt eine gesellschaftliche Dimension­. 2016, so sehe­ ich es, gelang uns Vätern der Durchbruch. Während immer mehr Mütter­ anfingen zu bereuen (Stichwort: "Regretting ­motherhood"), gingen wir in die Offensive­. Forscher befassten sich mit unseren ­Rollenkonflikten, Autoren sprangen auf ihre­ Studien auf, Verleger widmeten uns ganze Zeitschriftentitel. Es war unser Jahr. Das Jahr der Väter.

Auch Superpapas bereuen mal – manchmal

Was übrigens nicht heißt, dass ich nie ­bereue. Neulich war ich zu einem Geburtstag eingeladen­. Wie immer startete ich gegen ein Uhr nachts meine­ Abschiedsrunde­. Wie immer dauerte sie bis etwa vier Uhr. Und wie immer lehnte unsere Dreijährige gut zwei Stunden später an meinem Bett und sagte, wenn ich mich recht entsinne: "Ich bin jetzt wach, Papa."



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