Papa-Kolumne: Meine Erziehungstricks

Unser Kolumnist Marian Schäfer regiert zu Hause mit List und Tücke – und fragt sich manchmal, wie lange das noch gut geht
von Marian Schäfer, aktualisiert am 08.03.2017

Der Kampf ums Nägelschneiden ist mit demokratischen Mitteln nicht zu gewinnen

W&B/Bernd Bone Buddrus

Neulich bezeichnete mich ein guter Freund als Diktator. Er sprach von Schein-Wah­len, Korruption und Sanktionen in meiner Familie­. Zuvor hatte er den üblichen Kampf ums Nägelschneiden zwischen mir und unserer Dreijährigen mitbekommen. Ohn­e eine­ "Dann gibt’s halt keinen Sandmann"-Drohung ist der nicht zu gewinnen. Nie.

Mein Eindruck ist ja der: Kommt ein Baby auf die Welt, fügt sich das Kind entweder in das Leben der Eltern – oder die Eltern fügen sich in das Leben des Kindes, was erfahrungsgemäß häufiger vorkommt als andersherum. Womöglich sind wir nur in der Phase der Pubertät so machtlos wie in den ­­ersten ein, eineinhalb Lebensjahren der Kleinen.


Diktatur? Nein, das ist gelenkte Demokratie!

Dazwischen gilt es, die Lufthoheit wiederzuerlangen. Eine Tatsache, die auch hartgesottene Demo­kraten wie mich manchmal wie kleine, wenn auch liebevolle und leicht verzweifelte Diktatoren aussehen lässt. Zumindest für kinderlose Freunde, die nichts Besseres zu tun haben, als zu sticheln.

Was wir zu Hause praktizieren, ist eine Form von gelenkter Demokratie, ein gut ausbalanciertes System aus gezielter Manipulation und väterlich-mütter­­licher Autorität­. Die Drohung steht dabei aber ganz am Schluss. Zu schnell nutzt sie sich ab.

Gezielte Manipulation mithilfe der Schein-Wahl

Die Schein-Wahl ist ein probates Mittel. ­Haben Kinder zwei Optionen, fühlen sie sich ernst genommen, auch wenn es keine davon zufällig in die Auswahl geschafft hat. Dass Merle wählen konnte­, ob sie vor oder nach dem Abendbrot die Nägel geschnitten bekommt, hat etwa genauso lange funktioniert, wie sie uns abnahm, der Honigtopf ließe sich nur am Wochenende öffnen.

Erst kürzlich fand sie auch heraus, dass sich hinter­ ihren geliebten "Lila Nudeln" bloß langweilige Rote Bete verbergen. Souverän lenkten wir ihr Interesse schließlich auf die färbende Wirkung der Rüben. Seitdem isst sie wieder große Mengen davon, um tags darauf auf der Toilette zu sitzen und nach roten Würsten Ausschau zu halten.

Jede Methode hat ihre Grenzen

Die Kunst liegt gerade­ bei Kleinkindern darin, dass sie machen, was die Eltern wollen, und denken, es sei ihr eigener Wille. Schließlich wissen wir am besten, was gut für sie ist. Und für uns.

Natürlich ist die Frage, wie lange das funktioniert. Schon gibt es Tage, an denen ich mich durchschaut fühle. Kürzlich hatte ich Lust auf Biergarten. Ohne davon etwas zu sagen, schlug ich meiner Gro­ßen vor, in den Zoo zu gehen. Die Bier­bänke dort reichen bis an den Spielplatz, auf dem Weg dorthin gibt es Mäuse und Bären. Merle schaute nur verschmitzt – und wollte in den Biergarten um die Ecke.



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