Papa-Kolumne: Kinder in Watte polstern?!

Unser Kolumnist Marian Schäfer ist eigentlich ein Freund der Prävention. Aber man kann es auch übertreiben, findet er

von Marian Schäfer, aktualisiert am 08.03.2017

Gut gepolstert: Versicherungstechnisch würden Eltern so am besten fahren

W&B/Bone Buddrus

Kürzlich war unser Lieblingsspielplatz gesperrt. Er grenzt direkt an die Kita, was praktisch ist, weil die Kinder, wenn wir sie abholen, kaum aus dem Spiel gerissen werden. Manche bekommen nicht einmal mit, dass das Aufsichtspersonal wechselt. Die Kleinen spielen einfach weiter, ganz ruhig, ohne uns zu stören.

Eines Tages zäunten Männer den Spielplatz ein wie einen Tatort. "Aus Sicherheitsgründen geschlossen", stand auf einem Schild. Mit dem Spielplatz schien aber alles in Ordnung zu sein, außer dass man ihn nicht mehr betreten konnte. Die Stadt erklärte, dass der Sandkasten, in dem ein Spielgerät stünde, zu wenig Sand habe. Die Kinder könnten zu tief fallen. Es gehe um ein paar Zentimeter.


Sicher aus versicherungstechnischer Sicht

Ich bin ja ein Freund der Prävention. Zu Hause haben wir Steckdosen- und Schubladensicherungen und einen Schutz am Herd. Aber man kann es auch übertreiben. Ich kenne eine Krippe, die ihre Kriechtunnel entfernen musste, weil in die Guck­löcher die Köpfchen sechs Wochen alter­ Babys gepasst hätten. Dass es dort noch nie sechs Wochen alte Babys gab, ist das eine. Wie so ein Winzling in den Tunnel geraten soll, das andere.

Die Sache ist doch die: Es gibt Regeln, viele Regeln. Und die sind dazu da, eingehalten zu werden. Zum Schutz der Kinder, natürlich. Und aus versicherungstechnischer Sicht. Vor allem aus versicherungstechnischer Sicht. Könnte ja einer sagen, man handle fahrlässig. Das hört niemand gerne.

Nichts Dämpfendes außer einer Handvoll Krümel

Seit der Sache mit dem Spielplatz denke ich manch­mal, was wäre, wenn ein Präventionsbeauftragter zu uns nach Hause käme. Wenn er sähe, in welchem Umfeld sich unsere Einjährige bewegt. Sie war schon unfallgefährdet, als sie noch krabbelte, aber jetzt hat sie auch noch das Laufen entdeckt. Und überall sind Ecken, an denen sie sich stoßen kann und stößt. Und Kanten, über die sie stolpern kann und stolpert. Zudem klettert sie ausgesprochen ­gerne und findet bei uns Regale, Stühle und Tische vor, unter denen nichts Dämpfendes liegt außer einer Handvoll Krümel.

Gepolstert bis zum 18. Geburtstag?

Dann gibt es noch unsere Dreijährige, die trotz unserer Unvorsichtigkeit bislang gut überlebt hat. Sie hat selbst den Schock verdaut, als sie neulich mit dem Kindersitz von der Toi­lette gesegelt ist. Auch an diese Möglichkeit hatten wir nie gedacht.

Vielleicht war das fahrlässig. Vielleicht sollten wir jetzt auf Nummer ­sicher gehen. Wir könnten die Kleinen in Schutzanzüge ­stecken und sie rundum abpolstern, bis sie 18 ­Jahre alt sind. Dann sind wir nicht mehr verantwortlich, zumindest aus versicherungstechnischer Sicht.



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