Papa-Kolumne: Ein Klo ist nicht genug!

Bei der Familienplanung beschäftigte unseren Kolumnisten bislang vor allem die Frage nach genügend Wohnraum. Das viel größere Problem übersah er dabei
von Marian Schäfer, 31.07.2017

Etwas unentspannt: Ein Vier-Personen-Haushalt mit nur einer Toilette

W&B/Bernd Bone Buddrus

Kürzlich überlegten meine Kolleginnen und ich, mit wie vielen Toiletten wir aufgewachsen sind. Keine Ahnung, wie genau wir auf dieses Thema kamen, aber im Ergebnis hatte keine von ihnen so viele Klos zu Hause wie ich: vier Stück für fünf Personen.

Ich wünschte, dieses Gespräch hätte nie stattgefunden. Bislang habe ich mir nur Gedanken darüber gemacht, wie man möglichst viele Kinder möglichst lange auf möglichst wenig Platz unterbringt. In einer so teuren Stadt wie München kommt man sich manchmal vor, als betreibe man intensive Landwirtschaft. Und jetzt muss ich feststellen, dass nicht die Fläche das Problem ist, sondern die Gülle.

Genug Raum für einen Stall voll Kinder?

Vielleicht war ich zu naiv. Ich dachte: Hey, wir haben eine Vierzimmerwohnung, die reicht locker für drei, vier Kinder. Die ersten Jahre pferchen wir sie zusammen in einen Raum, bevor wir – irgendwann –­ erst das Büro und schließlich unser Schlafzimmer freigeben. Wenn alles gut läuft und das erste Kind mit 16 auszieht, verbringen wir vermutlich weniger als fünf läppische Jahre­ auf der Wohnzimmercouch.

Jetzt aber schaut mich immer diese Toilette an, die einzige, die wir haben. Sie erinnert mich daran, das Offensichtliche nicht gesehen zu haben: das Klo als Nadelöhr. Es ist ein Ort der Stille, ein Rückzugs- und Sehnsuchtsort, dessen Wichtigkeit mit abnehmender Wohnungsgröße auch noch zunimmt. Gerade für Eltern, besonders für Väter. Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

Die Toilette ist das entscheidende Nadelöhr

Das Problem: Kinder sehen das ziemlich schnell genauso – oder lehnen sich dagegen auf. Während es sich unsere Vierjährige also bereits mit Bilder­­büchern auf der Schüssel­ bequem macht, agiert die Eineinhalbjährige völlig respektlos: Kaum hat man sich niedergelassen, hört man das dumpfe Schleifen von Holz auf Linoleum. Dann ist sie mit ihrem Schemel unterwegs zur Klotür, um von außen die Klinke zu drücken. Runter, hoch, runter,­ hoch, runter, hoch. Manchmal weint sie auch und hört erst auf, wenn man die Tür sperrangelweit offen hat.

Dass das nur der Anfang ist, ahnte ich, als eine­ Kollegin mir ihr Leid ­klagte. Auch bei ihr kommen zwei Kinder auf nur ein Klo. Und als kürzlich ihr achtjähriger Sohn dringend musste, saß dort ihre pubertierende Tochter und ließ sich mal wieder durch nichts aus der Ruhe bringen. Da gab meine Kollegin ihm ihren Segen­ – und er pinkelte in die Dusche.


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