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Nach der Geburt: Plötzlich Eltern, was nun?

Wie sehen die Tage und Nächte mit Baby wirklich aus? Sie sind glücklich – und anstrengend. Ein Leitfaden für die erste Zeit


Ein Baby bringt unglaublich viel Freude, aber auch Chaos mit sich

Es gibt Sätze, die kann man als Schwangere irgendwann nicht mehr hören, zum Beispiel: „Bald ist alles anders“. Ja, klar, denkt man sich nach dem tausendsten gut gemeinten Ratschlag. Und: Bei mir wird das nicht so. Ich bleibe, wie ich bin. Schließlich bekomme ich nur ein Baby.

Spätestens eine Woche nach der Geburt weiß man: Alles ist anders! Dieses kleine Wesen ist zauberhafter, als man es je erahnt hätte. Bloß, wo ist die Gebrauchsanleitung? Eigentlich hatte man neun Monate Zeit, um sich auf das Baby vorzubereiten, warum fühlt man sich jetzt so überrumpelt?


„Was es bedeutet, ein Kind zu haben, kann man sich nun mal nicht vorstellen. Bis man eines hat“, sagt Erika Wüchner. Die Kinderkrankenschwester aus Hamburg betreut Familien in den ersten Wochen mit Baby und weiß, vor welchen Herausforderungen Mütter und Väter stehen. So meistern Sie die Veränderungen:

Der Rollenwechsel: Vom Paar- zum Eltern-Sein

Plötzlich Eltern. Das Baby ist da und krempelt Ihr Leben von der ersten Minute an um. Leichter wird der Baby-Alltag, wenn Sie und Ihr Partner ihn schon vor der Geburt des Kindes ein wenig vorbereiten. „Denn wer alles gut organisiert hat, ist entspannter und kann sich besser auf das Baby einlassen“, sagt Erika Wüchner. Sie plädiert dafür, dass Paare bereits in der Schwangerschaft möglichst konkret besprechen, wer sich wie um den Nachwuchs kümmert und was man sich von dem anderen wünscht.

„Ich erlebe immer wieder, dass die Erwartungen gegenüber dem Partner extrem hoch sind – von beiden Seiten. Häufig bleibt diese Diskrepanz aber unausgesprochen“, so die Expertin. Spannung und Streit sind programmiert. Fragen Sie schon in der Schwangerschaft, ob und wie Ihnen die Großeltern in spe unter die Arme greifen können. „Wer keine Verwandten in der Nähe hat, kann gute Freunde um Hilfe bitten“, rät Wüchner. Schon kleine Dinge können eine riesige Entlastung sein, etwa wenn eine Freundin ein Mittagessen vorbeibringt.

Der Schlafmangel: Eine gute Strategie hilft

Am Anfang möchte man das kleine Wunder am liebsten immerzu im Arm halten, es anschauen und an ihm schnuppern. Nach der Geburt verfügen Mütter über eine große Menge Endorphin im Blut, dieses Glückshormon sorgt dafür, dass sie sowieso kein Auge zutun können. Dazu kommt Babys unregelmäßiger Schlafrhythmus.

„Es ist ein Ammenmärchen, dass Säuglinge nur schlafen“, sagt Erika Wüchner. Zwar bringen es die Kleinen auf bis zu 20 Stunden Schlaf, doch sie wachen alle zwei, drei Stunden auf, egal ob Tag oder Nacht, wollen etwas zu trinken oder einfach nur Nähe. Schlaf gibt es für die Mütter dann nur noch in Häppchen, und das hinterlässt Spuren. „Wer ständig übermüdet ist, ist irgendwann einfach ausgelaugt“, erklärt die Kinderkrankenschwester.

Wie also das nächtliche Gewecktwerden überstehen? „Ideal ist, wenn der Vater eine Mahlzeit übernimmt und dem Baby abgepumpte Milch gibt“, so die Expertin. Oder er kümmert sich morgens ein Stündchen um den Nachwuchs, damit Mama schlummern kann. Nutzen Sie Babys Nickerchen, um tagsüber etwas Schlaf nachzuholen. Damit die Kleinen sich schnell an den Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnen, sollten Sie nachts nicht mit Ihrem Kleinen spielen und das Licht auslassen.

Die fehlende Zeit: Ein 24-Stunden-Job

Gerade noch waren Sie unabhängig, konnten über Ihre Freizeit selbst bestimmen. Ist das Baby auf der Welt, gibt es plötzlich nur noch diesen kleinen Chef – und der fordert volle Aufmerksamkeit, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. „Zwischen Mutter und Kind findet eine Symbiose statt. Die Frauen stellen sich komplett auf die Bedürfnisse des Kindes ein, die eigenen bleiben hintenan“, sagt Erika Wüchner. So erfährt das Kleine Geborgenheit, und Sie lernen einander kennen.

Aber es ist auch ein kleiner Schock, zu erleben, dass man nun rund um die Uhr für einen anderen Menschen verantwortlich ist. Erika Wüchner rät Müttern, sich bewusst Freiräume zu schaffen, sei es eine halbe Stunde spazieren gehen oder ein Kinoabend. „Das tut nicht nur der Frau gut, sondern auch dem Kind. Die Baby-Pausen geben Kraft.“ Überlegen Sie rechtzeitig, wie sich solche Auszeiten realisieren lassen, und binden Sie den Partner ein. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass er in seiner Rolle als Vater Selbstvertrauen erfährt.

Das Gefühls-Chaos: Die Hormone spielen verrückt

Etwa eine Woche nach der Geburt zieht ein Tief am Baby-Himmel auf: der Baby-Blues. Die Hormone fahren Achterbahn, beim kleinsten Pieps bricht man in Tränen aus. „Diese Heulphase ist ganz normal“, beruhigt Erika Wüchner. Schließlich befindet sich der Körper gerade im Ausnahmezustand. Auch wenn Sie sich täglich kräftiger fühlen und von der Geburt gut erholt haben: Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe. Lassen Sie Ihre Gefühle zu, versuchen Sie nicht, sie zu verstecken. Denken Sie daran, was Sie Großartiges geleistet haben! Wenn das Tief nicht verschwindet oder stark belastet, sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder dem Frauenarzt.

Die Unsicherheit: Was braucht mein Kind?

Warum schreit das Kleine jetzt? Hat es Hunger, friert es, tut ihm etwas weh? Anfangs gibt einem das Baby Rätsel auf, und das macht Angst. Denn man möchte alles richtig machen. Verabschieden Sie sich von diesem Perfektionszwang. „Das Wichtigste für ein Baby sind Eltern, die für es da sind und auf es eingehen“, sagt Wüchner.

Und was Ihr Baby für Bedürfnisse hat, wissen Sie selbst nun mal am besten. Vielleicht nicht unbedingt in der ersten Woche, aber nicht umsonst dauert das Wochenbett 40 Tage. Nehmen Sie sich diese Zeit, und bald sind Sie Expertin für Ihr Baby. Sie müssen nur Ihrem Bauchgefühl vertrauen.

Die Langeweile: Mut zum neuen Tempo

Spannend, die ersten Tage mit Baby! Alles macht man zum ersten Mal – stillen, wickeln, baden. Doch nach zwei Wochen sitzen die Handgriffe. Das Kleine fordert Sie ganz und gar, aber trotzdem bekommen Sie weniger Ansprache als früher im Beruf. Ein Tag gleicht dem anderen. Das fühlt sich erst einmal ziemlich ungewohnt an. „Babys brauchen diese Monotonie“, sagt die Expertin. Sie gibt ihnen Halt.

Haben Sie den Mut, sich fallen zu lassen und an das Tempo des Kindes anzupassen, auch wenn das langsamer ist, als Sie es gewohnt sind. Bald schon freut sich Ihr Kleines über mehr Abwechslung, ob beim Spazierengehen oder in der Eltern-Kind-Gruppe. Tun Sie, was Ihnen und Ihrem Baby gut tut, ohne es zu übertreiben.

Unsere Expertin:


Erika Wüchner: Die Kinderkrankenschwester aus Hamburg hilft Familien nach der Geburt und ist Buch-Autorin




Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/BrandXPictures

Peggy Elfmann / Baby und Familie; aktualisiert am 07.05.2013,
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/BrandXPictures

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