Kennen Sie diese Eltern-Typen auch?

Da sitzen sie wieder: Die Nerds, Nörgler und Nervensägen, und wollen das Beste für ihr Kind. Ein typischer Elternabend in der Kita

von Julia Jung, aktualisiert am 22.01.2016
Archetypen von Eltern

Lauter Verrückte? Nein, die Teilnehmer eines ganz normalen Elternabends

W&B/Martina Ibelherr

Was ist besser als jede ­Kabarettvorstellung? Na, der ­Elternabend! Ob in Schule oder Kindergarten – hier trifft man ­Typen, von denen dachte man vorher: Die gibt’s nur im Film. Da sitzt der Ökokost-Fanatiker neben der Hightech-Mum und der Ich-bin-eigentlich-gar-nicht-da-Vater streitet mit der "Ich-finde-wir-sollten-jetzt-mal-endlich"-Mutter. Über sie alle kann man sich amüsieren oder aufregen, garantiert aber liefern sie unterhaltsamen Gesprächsstoff für den nächs­ten Partyabend. Warum also stöhnen eigentlich immer ­alle, wenn zum Eltern­abend gebeten wird? Zumal selbst im schlimms­ten Nervtöter ein Goldschatz für den Kindergarten stecken kann. Man muss nur wissen, wie man seine Macken ausbremst und die guten Seiten nutzt – eine kleine, augenzwinkernde Typenanalyse:


W&B/Martina Ibelherr

Veggie-Viktor

Er war der einzige Vater in der ­Eltern-Initiative "Pro Stillen". Seit sein Sohn mit 36 Monaten abgestillt wurde, setzt er sich für eine natürliche und naturfreundliche Ernährung im Kindesalter ein. Veggie-Viktor kämpft auf jedem Elternabend mit Wolfgang Wichtig um die Organisation der Essensplanung. Er versucht zwar, gewaltfrei zu kommunizieren, was ihm aber bei seinem Herzblutthema nicht immer gelingt. Wenn er keinen Kochdienst hat, steht er trotzdem meist in der Kita-Küche und kommentiert die Rezepte der anderen ("Du weißt schon, dass grüner Spargel eigentlich gegen seinen natürlichen Willen geerntet wird?").

Das Gute an ihm: Er verhindert, dass irgendein Fastfood-Caterer die Kita-Küche übernimmt. Statt aufgewärmter Pampe kommt frisch Zubereitetes auf den Kindertisch. Und immer öfter Bio.

So bremsen Sie ihn: Er darf den Speiseplan für die nächs­ten Wochen erstellen, inklusive Kostenaufstellung. Die darauffolgende Spendensammlung fällt dann auch in seinen Organisationsbereich.


W&B/Martina Ibelherr

Ego-Evelyn

In ihr kocht es schon zu Beginn des Elternabends, denn sie muss viel loswerden. Kommt direkt aus dem Büro, meist im Kos­tüm und mit Headset an der Backe. Sie hat ­eigentlich nicht viel mit ihrem Kind zu tun, weiß aber von ihren beiden Au-pair-Mädchen genau Bescheid über Sprachentwicklung und Stuhlkonsistenz. Ihre Sätze beginnen ­stets mit "Also bei meinem Maxi­­milian ist es ja so, dass …" Evelyn fällt allen gerne ins Wort, lässt sich aber nur schwer unterbrechen, weil sie einfach etwas lauter weiter­spricht. Sie ist in keiner AG dabei, würde sich natürlich wahnsinnig gerne beteiligen, schafft es aber aus beruflichen Gründen leider nicht. ­Ihre chinesischen Au-pair-Mädchen müssen ihr alle Info-Aushänge vom Schwarzen Brett per Handy-Foto schicken – und ­wehe, Ego-Evelyn sieht in einer Bekanntmachung ­einen Nachteil für Maxi­milians geis­tige Entwicklung! Son­der-Eltern­abende gehen meist auf ihre ­Kappe. Leider kann sie selbst nicht teilnehmen, die Arbeit …

Das Gute an ihr: Sie ist top im Organisieren und hat – dank eines großen Netzwerks – für alle Notfälle stets eine Lösung parat. Sollten Streik oder Krankheitswelle die Kita zum Schließen zwingen, besorgt sie im Nu ein Tagesmutter-Team samt Raum für die ganze Gruppe.

So bremsen Sie sie: Terminpläne sind ihr heilig. Deshalb alle Themen des Elternabends mit einer festen Zeitvorgabe versehen. Das diszipliniert selbst Ego-Evelyn in ihrem Rede­fluss.


W&B/Martina Ibelherr

Ulf, der Unsichtbare

Sitzt beim Elternabend in der letzten Reihe oder am Rand. Er versucht, durch unscheinbare Kleidung noch weniger aufzufallen und wird tatsächlich unsichtbar, wenn Aufgaben in gro­ßer Runde verteilt werden. Es ist schon passiert, dass Ego-Evelyn, die mal wieder zu spät kam, sich aus Versehen auf seinen Schoß setzte. Gäbe es keine Anwesenheitsliste, die von Nutzwert-Nina akribisch abgehakt wird, niemand könnte am nächs­ten Tag noch bestätigen, Ulf beim Elternabend gesehen zu haben.

Das Gute an ihm: In ihm schlummert ungenutztes Potenzial. Er ist meist Computer-Spezialist oder Super-Tüftler. Kann somit perfekt den Internetauftritt der Kita aufbauen oder kaputtes Spielzeug reparieren. Macht dies eigentlich auch sehr gerne.

So aktivieren Sie ihn: Im Einzelgespräch seine starken Seiten herausfinden und ihm dann gezielt Aufgaben zuweisen.


W&B/Martina Ibelherr

Nutzwert-Nina

"Das geht doch noch besser", ist ein typischer Satz von Nutzwert-Nina. Sie ­­hatte vor zwei Jahren angeregt, im Garten ein Gemüsebeet anlegen zu lassen. Das Jahr darauf war sie leider die Einzige, die zum "Unkrautfrei-Nachmittag" erschien. Nun organisierte sie auf dem Platz des ehemaligen Gemüsebeetes den Bau eines Insektenhotels, welches sowieso einen viel höheren pädagogischen Nutzen hat. Nina sucht bei der jährlichen Elternauswahl gezielt nach Handwerkern und Juristen, die sie anhand eines von ihr erstellten Fragebogens auf Herz, Nieren und Brieftasche prüft. Zum Elternabend und Abholen ihrer Zwillinge Tim und Tom (zwei auf einmal, das war praktisch) erscheint sie stets mit Zettel und Stift, spricht sich Notizen aber auch parallel in die Voice-Notizen-Funktion ihres Handys.

Das Gute an ihr: Dank ihrer Initiativen ist der Kindergarten ­immer top ausgestattet. Sie stößt Projekte an, die längst überfällig sind, und steckt selbst viel Zeit und Ideen hinein.

So bremsen Sie sie: Über Projekte sofort am Elternabend abstimmen. Überflüssiges lässt sich so elegant ablehnen.


W&B/Martina Ibelherr

Wolfgang Wichtig

Ist überall dabei. War schon Schülersprecher. Jetzt Betriebsrat und natürlich Wortführer im Elternbeirat. Sieht grundsätzlich ­einen Änderungsbedarf. In allem. Packt aber auch an und überrumpelt die anderen mit einem fertigen Konzept zur Neustrukturierung der Morgenkreisabläufe in der Elefanten- und der Hasengruppe. Wolfgang Wichtig ist immer etwas gehetzt, schwitzt viel und bringt zum Elternabend zwei dicke Ordner mit. Was darin steht, weiß niemand so genau. Wenn Wolfgang mal nicht redet, blättert er hektisch in den Ordnern, um dann fingerschnippend sofort ein weiteres Thema auf die Tages­ordnung zu setzen.

Das Gute an ihm: Zusammen mit Nutzwert-Nina schmeißt er 90 Prozent der Elternarbeit. Er übernimmt begeistert den Vorsitz im Elternbeirat und erspart so allen anderen, nach Ausreden suchen zu müssen.

So halten Sie ihn: Viel loben und wenig kritisieren. Sonst verkündet er seinen Rücktritt.



Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr
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