Sie meinen es doch nur gut. Junge Mütter können sich oft vor Ratschlägen kaum retten. Da hilft es, die richtigen Argumente zu haben
Gleich vorneweg: Natürlich gibt es meistens nicht den einen, richtigen Weg, sondern verschiedene Möglichkeiten, mit dem Baby umzugehen. Trotzdem wird’s heikel, wenn sich plötzlich andere in die Erziehung einmischen. Und obwohl man genau weiß, weshalb man etwas wie macht, fehlen einem in der konkreten Situation oft die Argumente. Das muss nicht sein. Dr. Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München, hat für junge Eltern eine Antwort, die immer passt: „Meinem Baby und mir geht es so am besten! Andere haben andere Bedürfnisse und Lösungen, unsere sehen so aus.“
Sie wollen noch mehr Argumente? Hier sind sechs typische Nerv-Situationen – und was Experten erwidern würden:
Die Antwort: Dazu hat es beim Wickeln, Baden, An- und Auskleiden genug Möglichkeiten. Fühlt es sich im Tragetuch nicht wohl, weil es mehr Bewegungsspielraum braucht, würde es das deutlich zeigen.
Die Begründung: „Das Natürlichste und Beste für so ein kleines Baby ist die körperliche Nähe zur Mutter. Dort kann es am besten gedeihen. Es spürt Geborgenheit und Wärme und nimmt die Gerüche und Geräusche der Mutter wahr. Gerade die Stimulierung durch Mamas Bewegungen und die vertrauten Geräusche sind für die Entwicklung des Kindes ideal. In den ersten sechs Monaten braucht ein Baby vor allem Nähe.“
Dr. Fabienne Becker-Stoll, Diplom-Psychologin und Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München
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Die Antwort: Stell dir einmal vor, wie es sich anfühlt, wenn du um Hilfe bittest und niemand darauf reagiert.
Die Begründung: „Schreien ist die Sprache der Babys. Es ist ein Hilferuf, der bedeutet ,Ich fühle mich nicht wohl!’
Die Kleinen sind ja vollständig auf die Hilfe Erwachsener angewiesen. Mit dem Schreien rufen sie ihre Bezugsperson herbei, die ihre Bedürfnisse befriedigt und damit ihr Überleben sichert. Babys schreien nicht, um ihre Eltern zu ärgern. Je schneller diese reagieren, umso leichter ist es, das Kind zu beruhigen. Babys kann man mit Zuwendung nicht verwöhnen. Im Gegenteil, Säuglinge, die rasch besänftigt werden, schreien
später weniger.“
Meike Kollmeyer, Kinderkrankenschwester und Mentorin für das SAFE-Programm (Sichere Ausbildung für Eltern) der Beratungsstelle „Von Anfang an“ in Hamburg
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Die Antwort: Muttermilch ist so zusammengesetzt, dass der Organismus sie schon nach 90 Minuten verdaut hat. Außerdem passt in den tischtennisballgroßen Magen noch nicht viel rein.
Die Begründung: „Das Baby war im Mutterleib über die Nabelschnur rund um die Uhr versorgt, es gab keine Fütterzeiten. Es muss sich erst umstellen und an die neuen Umstände gewöhnen. Im Laufe dieses Prozesses werden die Abstände zwischen den Mahlzeiten immer größer. Außerdem sind Muttermilch und Flaschennahrung unterschiedliche Dinge: Ersatzmilchen sind so zusammengesetzt, dass es länger dauert, bis sie verdaut sind. Der Abstand zwischen zwei Mahlzeiten ist dadurch automatisch größer.“
Elisabeth Pohl, Stillberaterin und 2. Vorsitzende des Regionalverbands Baden-Württemberg der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen in Stuttgart
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Die Antwort: Das braucht es nicht. Wenn er Durst hat, meldet er sich einfach öfter zum Trinken.
Die Begründung: „Still-Babys unter sechs Monaten sollten nur Muttermilch bekommen. Sind sie durstig, verlangen sie öfter nach der Brust und werden nur relativ kurz trinken, um den Durst zu stillen. Man muss auch keine Angst haben, dass das Kind dann überfüttert wird. Manche Babys reagieren zudem mit einer Saugverwirrung, wenn sie auf einmal statt an der Brust aus einer Flasche zu trinken bekommen.“
Elisabeth Pohl, Stillberaterin
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Die Antwort: Sitzen kann man nicht üben. Der Körper lernt es von ganz alleine.
Die Begründung: „Kinder sind keine Hochleistungsathleten. Ihre körperliche Entwicklung folgt vielmehr einem eigenen Fahrplan. Innerhalb dessen gibt es verschiedene sogenannte Meilensteine, wie etwa das Auf-den-Bauch-Drehen, Krabbeln, Laufen und eben auch das Sitzen. Bevor Babys sitzen können, müssen sie erst einige dieser Entwicklungsstufen erreicht und sich ihre Muskeln entsprechend entwickelt haben. Wer sein Kind nur passiv hinsetzt und mit Kissen stützt, hilft ihm nicht. Seine Muskeln können die Wirbelsäule noch nicht in der aufrechten Position halten. Orthopädisch gesehen ist es nicht sinnvoll, ein Kind hinzusetzen, solange es dies noch nicht von selbst kann.“
Dr. med. Andreas Forth, Kinderorthopäde und leitender Oberarzt der Zweiten Orthopädischen Klinik der Hessing-Stiftung in Augsburg
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Die Antwort: Auch Kinder von Naturvölkern, die keine Schuhe tragen, lernen laufen. Sie haben sogar besonders trainierte Füße.
Die Begründung: „Schuhe schränken kleine Füße drastisch in ihrer Bewegungsmöglichkeit ein. Das haben wir in einer Untersuchung mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich herausgefunden. Die Folge davon ist, dass Muskulatur und Gelenke weniger trainiert werden und die Füße nicht so widerstandsfähig sind. Je trainierter und stabiler Füße jedoch sind, umso besser ist das. Darum empfehle ich: So wenig wie möglich Schuhe tragen und, sooft es geht, barfuß laufen.“
Dr. Wieland Kinz, Sportwissenschaftler vom Forschungsteam „Kinderfüße-Kinderschuhe“ in Salzburg
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Barbara Weichs / Baby und Familie;
29.08.2011
Bildnachweis: W&B, iStock/Mark Bowden
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