Anmelden | Registrieren
Drucken

Erziehung: Was können Eltern tun, wenn sie sich nicht einig sind?

Mütter und Väter haben in Erziehungsfragen nicht immer dieselben Ansichten. Doch irgendwie müssen sie sich einigen. So gehen Sie im Alltag am besten damit um


Schmollen hilft nichts: Eltern sollten sich in Erziehungsfragen einigen

Es könnte so schön sein: Sonntagmorgen, Mama möchte in aller Ruhe das Frühstück vorbereiten und lässt die Sprösslinge im Schlafzimmer ihre heiß geliebte Kissenschlacht ausfechten. Nur Papa kann es gar nicht leiden, wenn die Kleinen Rabatz machen und die Federn durch die Luft fliegen. „Sofort aufhören!“, schimpft er. Ein trotziges „Aber Mama hat’s erlaubt!“, entgegnet der Nachwuchs. Und Zoff zwischen den Eltern ist programmiert.

Gar nicht so einfach, die Sache mit der Kindererziehung. Denn mit dem ersten Kind tritt nicht nur ein neuer Mensch ins Leben jedes Paares. Manchmal entpuppt sich auch der Partner als neue Person, wenn Einstellungen und Ansichten zutage kommen, die zuvor verborgen waren. „Wie jemand ein kleines Kind erzieht, das ist etwas ganz Eigenes“, erklärt Familientherapeutin Eva Tillmetz aus Regensburg. „Erziehungsfragen werden erst deutlich im Umgang mit dem Kind.“ Niemand kann voraussehen, wie man damit umgeht, wenn das Baby nachts jede Stunde brüllt. Keiner kann sich vorstellen, welche Reaktionen die Trotzanfälle eines Zweijährigen auslösen oder dass der Partner die Unordnung der Kleinen nicht ausstehen kann. „Da wird auf einmal klar, dass es sich bei den Eltern um zwei Menschen handelt, die aus verschiedenen Familien stammen.“


Verschiedene Herangehensweisen sind normal

Deshalb ist es ganz normal, dass Eltern nicht immer einer Meinung sind. „Das ist sogar gut so“, erklärt Professor Gerhard Suess, der an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg Psychologie lehrt und Autor ist. Denn „wenn Eltern immer alles gleich machen würden, könnten Fehler nie korrigiert werden“, ist er überzeugt. Deshalb plädiert er dafür, dass Eltern zwar eine gemeinsame, aber nicht unbedingt eine einheitliche Linie fahren. Das heißt: zu akzeptieren, dass der Partner manche Dinge anders macht als man selber, und ihn als gleichberechtigt in Sachen Erziehung zu sehen. „Das erfordert Mut und Vertrauen“, sagt Eva Tillmetz.

Beide Experten wissen aus ihrer Beratungspraxis, dass Eltern gerade das schwerfällt. Ein beliebter Streitpunkt: Der Vater albert mit dem Kind abends herum, die Mutter muss es aber ins Bett bringen. „Wenn der Papa Spaß daran hat, mit dem Kind zu spielen, dann ist es für die Vater-Kind-Beziehung auch wichtig, dass er ein aufgedrehtes Kind selbst beruhigt“, erklärt Eva Tillmetz.

Klare Absprachen helfen

Im Alltag helfen klare Absprachen nach dem Motto „Heute bringe ich die Kleine ins Bett, morgen darfst du“. Ob etwas richtig oder falsch ist, ist dabei häufig nur Ansichtssache. „Vieles, was einem naturhaft richtig erscheint, hat seinen Ursprung in der eigenen Erziehung“, sagt Suess. Dies zu erkennen und zu akzeptiert erspart manche Diskussion.

Im Großen und Ganzen gilt: „Ganz klar, wer sich mehr um die Kinder kümmert, darf in alltäglichen Dingen mehr entscheiden“, so Gerhard Suess. Schließlich muss derjenige auch mit den Konsequenzen leben und etwa den Kleinen immer wieder Anorak und Schuhe hinterhertragen, weil sie nicht gelernt haben, aufzuräumen. Und meist sind es immer noch die Mütter, an denen das Gros der Erziehungsarbeit hängen bleibt.

Autorität des anderen nicht untergraben

Auch wenn der Vater vielleicht nicht so oft daheim ist, bleibt er ein wichtiger Erziehungspartner. Dazu muss er die Regeln der Mutter in dem Moment akzeptieren, wenn sie dem Kind etwas sagt. Psychologe Suess: „Erziehung hat immer mit Beziehung zu tun. Wer die Pläne des anderen durchkreuzt, untergräbt seine Autorität.“ Wenn Mama etwa jeden Abend mit dem Nachwuchs Zähne putzt, darf Papa nicht vor den Augen der nörgelnden Kleinen sagen, das müsse nicht sein.

Aber: Auch Väter dürfen und sollen ihren eigenen Erziehungsstil durchziehen. Denn „Erziehung funktioniert nur, wenn ich als Mutter oder Vater ich selbst sein kann“, so der Experte. „Wenn der Vater andere Regeln für das Kind für sinnvoller hält, sollten die Eltern für die Zukunft nach einer für beide akzeptablen Regel suchen“, sagt Tillmetz.

Kind erkennt schon früh Unterschiede

Bereits mit einem halben Jahr versteht der Nachwuchs, dass die Eltern Dinge verschieden angehen, und testet das immer wieder. „Manche Eltern denken, das Kind will sie ausspielen“, so die Expertin. „Aber es will nur diese Unterschiede wissen und ausleben.“ So genießen es die Kleinen beispielsweise, dass Papa vor dem Schlafengehen mit ihnen noch einen großen Turm baut, während Mama lieber etwas vorliest.

Kinder lernen über die elterlichen Differenzen etwas Wichtiges: den Umgang mit Konflikten. Wie entscheiden sie, was erlaubt ist? Wer setzt sich durch? Problematisch wird es, wenn die Eltern ständig über die Erziehung streiten, ohne Lösungen zu finden. Manchmal kann es hilfreich sein, mit ein wenig Abstand über strittige Situationen zu sprechen. Eltern merken dann oft, dass sie beide nur das Beste für den Nachwuchs möchten, wenn auch auf verschiedenen Wegen. Und das verbindet.




Bildnachweis: iStock/TatjanaGL

Peggy Elfmann / Baby und Familie; 01.04.2010, aktualisiert am 04.04.2012
Bildnachweis: iStock/TatjanaGL

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Würden Sie sich zutrauen, bei Ihrem Kind Erste Hilfe zu leisten?

Memo-Spiele

Unsere Kartenaufdeck-Spiele, die ähnlich wie das klassische Memory® funktionieren »

Auf www.apotheken-umschau.de

Medikamentencheck

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneien überprüfen »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit