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Erziehung: Der Schlüssel zum glücklichen Kind

Wie erzieht man sein Kind zu einem zufriedenen, erfolgreichen, freundlichen Menschen? Laut Forschung sind dafür drei Fähigkeiten zentral: Optimismus, Empathie und Selbstvertrauen


Glückliches Kind: Zuversicht lässt sich lernen

Was heißt schon gute Erziehung? Über eines sind sich Experten einig: Es kommt darauf an, die Persönlichkeit von Kindern zu unterstützen, damit sie später im Leben stabile, glückliche Beziehungen führen, erfolgreich sind – und körperlich und seelisch möglichst gesund dabei bleiben. Nur: Wie schafft man das? Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten spielen dabei eine Schlüsselrolle? Hier die wichtigsten drei.


1. Optimismus

„Würde Ihnen das Schicksal ­einen Wunsch für Ihr Kind ­gewähren: Wünschen Sie ihm Optimismus“, sagt der amerikanische Nobelpreisträger und Psychologe Dr. Daniel Kahneman. Optimisten, so der Forscher, „gehen mit Niederlagen besser um. Ihr Immunsystem ist stärker.“ ­Studien zeigen zudem: Sie sind besser in der Schule, haben Erfolg im Job, leben länger.

Aus Zwillingsstudien wissen Forscher auch: Die Zuversicht hat eine genetische Komponente. ­Eltern können dennoch viel tun, um die Fähigkeit bei ihrem Nachwuchs zu steigern. Das Wichtigste: Kinder lernen am Modell. Ist die Stimmung zu Hause optimistisch, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch Kinder optimis­tisch werden.

So wird ihr Kind zum Optimisten:

Die richtige Kritik: Schimpfen muss manchmal sein. Eltern sollten dennoch darüber nachdenken, wie sie solche Botschaften verpacken. Das nämlich beeinflusst, ob das Kind später grundsätzlich positiv oder negativ über sich denkt. Und dabei sollte man vor allem zwei Wörter vermeiden: „nie“ und „immer“. Für Dr. Martin E. Seligman, Psychologe und Glücksforscher aus den USA gehören solche Begriffe zum „Wortschatz des Pessimismus“, weil sie glauben lassen, Dinge seien unabänderlich. ­Eine typische Pessimisten­schimpfe liest sich so: „Immer bist du so frech!“ Seligman rät dazu, das Ganze zu relativieren: „Heute bist du aber frech.“ Das zeigt dem Kind: Nicht du wirst kritisiert, sondern dein Verhalten – und das lässt sich verändern.

Die richtige Einstellung: Kinder, deren Eltern trotz Problemen optimistisch bleiben und sich dafür einsetzen, dass die Welt ein besserer Ort wird, blicken zuversichtlicher in die Zukunft. Das fanden finnische Sozialwissenschaftler heraus. Am glücklichsten waren Kinder in Familien, die sich für andere engagierten. Und das kann man schon von klein auf – egal, ob man Kröten rettet oder im Sportverein den Rasen mäht.


2. Empathie

„Die Fähigkeit, sich in andere ­hineinzuversetzen, spielt in der heutigen Gesellschaft eine Schlüsselrolle“, behauptet der australische Forscher Dr. Brad M. Farrant von der University of Western Australia/Perth. Empathische Kinder, sagt die Entwicklungspsychologin Prof. Silvia Wiedebusch von der Hochschule Osnabrück, „sind weniger aggressiv, weniger egoistisch, können sich besser in Gruppen einfügen und mit anderen kooperieren“. Alles günstige Fähigkeiten in einer Welt, in der Teamarbeit immer wichtiger wird.

Fast alle Eltern haben schon einmal beobachtet: Weint ein Baby, stimmen andere Babys im Zimmer in das Geheule ein. Ein erstes Zeichen von Empathie? Die Forschung sagt: nein. „Bei Babys findet noch kein Einfühlen in den Gemütszustand eines anderen Menschen statt“, erklärt Wiedebusch. Vielmehr handele es sich um eine „emotionale Ansteckung“. Wenn einer schreit, machen die Übrigen eben automatisch mit. Um die Gefühle anderer Menschen verstehen zu können, muss ein Kind zunächst in der Lage sein, zwischen sich und anderen zu unterscheiden – das kann es frühestens mit eineinhalb. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr beginnt dann eine Phase, die Wissenschaftler als „egozentrische Empathie“ bezeichnen. Kinder zeigen zwar hilfreiche Reaktionen, aber sie tun vor allem das, was ihnen in einer bestimmten Situation selbst helfen würde. Ist also der Papa traurig, bieten sie ihm den Teddy an. Der tröstet sie ja schließlich auch. Erst ab ­etwa drei Jahren begreifen die Kleinen, was es bedeutet, sich in die Gefühlswelt von anderen wirklich einzufühlen.

So können Eltern Empathie fördern:

Emotionale Gespräche: Eine Studie von Forscher Farrant belegt, dass Kinder andere Menschen besser verstehen, wenn ihre Mütter mit ihnen oft über die Gefühle anderer sprechen, etwa beim Vorlesen. Kinder entwickeln dann auch „die Möglichkeit, über ihre eigene Befindlichkeit zu reflektieren“, sagt Wiedebusch.

Positives Vorbild: Kinder ­beob­achten genau, wie Eltern sich in Situationen verhalten, in denen es anderen nicht gut geht. „Wenn Eltern Mitgefühl vorleben und auf die Gefühle von betroffenen Personen eingehen, lernt das Kind: Das ist etwas Schönes“, erklärt Expertin Wiedebusch.

Induktiver Erziehungsstil: So nennen es Psychologen, wenn Eltern ihren Kindern verdeutlichen, welche Konsequenz ihr Handeln hat. In Konfliktsituationen sollten Eltern deshalb immer wieder an die Gefühle ihrer Kinder appellieren: „Was würdest du empfinden, wenn andere Kinder über dich lachen?“ Oder: „Wie würde es dir gehen, wenn jemand dir dein Spielzeug wegnimmt?“


3. Selbstvertrauen

„Wer sich stark fühlt, wird nicht so leicht zum Opfer“, sagt Psychologin Wiedebusch. Dafür brauchen Kinder Selbstbewusstsein. Eltern können es stärken, indem sie dem Nachwuchs Aufmerksamkeit und Anerkennung schenken – und indem sie ihm dazu ermuntern, seine eigenen Fähigkeiten immer wieder selbstbestimmt zu erproben. Das beginnt schon beim ­Bauen eines Holz­türmchens aus Bauklötzen. „Ein Baby merkt dann: Ich habe die Fähigkeit, Ziele zu erreichen. Das ­stärkt ­die Selbstwirksamkeit“, sagt Wiede­­busch. Wer das Gefühl hat, Einfluss auf seine Umwelt nehmen zu können, fühlt sich wichtig und gut.

Das stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes:

Die positiven Seiten des Kindes­ sehen: Häufig konzentrieren sich Eltern im Alltagsstress auf das, was nicht gut klappt, was das Kind nicht gut kann oder worüber sie sich ärgern. Ändern Sie den Blickwinkel, und schreiben Sie sich auf: Was kann mein Kind schon gut? Und dann: Loben Sie es – nicht nur mit Worten, sondern auch mit Ges­ten und Blicken.

Fähigkeiten fördern: Der Selbstwert eines Menschen hängt auch davon ab, was er kann. Deshalb: Wo liegen die Talente des Kleinen? Was kann es gut? Das sollten Sie gezielt fördern.




Bildnachweis: iStock/skynesher

Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie; aktualisiert am 09.07.2014,
Bildnachweis: iStock/skynesher

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