Erstes Handy: Ab wann?

Viele Kinder haben schon in der Grundschule ein eigenes Smartphone – ob als Prestigeobjekt oder zur Sicherheit. Aber auch das birgt Gefahren, vor allem für Kleine
von Marian Schäfer, aktualisiert am 26.10.2016

Kleine Kinder sollten noch kein eigenes Smartphone haben

Plainpicture GmbH

Ab welchem Alter ist es okay, dem Kind ein Smartphone zu kaufen? Diese Frage stellen sich heutzutage alle Eltern mal. Und das zunehmend nicht nur, weil ihr Kleines ständig um eines der faszinierenden, aber leider auch sauteuren Geräte bettelt. Immer mehr Eltern denken darüber nach, den Aufenthaltsort ihres Kindes mithilfe spezieller Apps im Blick zu behalten. Der Sicherheit wegen. Was sie dabei nicht vergessen sollten: Auch durch das Smartphone selbst drohen Gefahren. Je nach Ausmaß der Nutzung für die Entwicklung des Kindes, aber vor allem durch Werbung, nicht jugendfreie Inhalte oder verstörende Kontakte. Wann und wie Kinder damit umgehen lernen sollten, erklären wir im folgenden Überblick.

Bildschirm-Start: Wann ist er sinnvoll?

Von starren Altersgrenzen liest man immer seltener. In Zeiten, in denen auch Bilderbücher zunehmend auf Tablets und Co. gezeigt werden, sind diese schwierig einzuhalten. Der US-amerikanische Verband der Kinderärzte, an dem sich oft auch Experten hierzulande orien­tieren, rät von Bildschirmmedien für Kinder unter 18 Monaten ab. Und er plädiert dafür, Kinder bis zum sechsten Geburtstag bei der Medien­nutzung ständig zu begleiten.

Laut "Schau hin!", der Medienratgeber-Initiative des Bundesfamilien­ministeriums, sollten Kinder bis fünf Jahre maximal eine halbe Stunde Bildschirmmedien nutzen – und das auch nicht täglich. Bei Computerspielen kann es manchmal sinnvoller sein, erreichte Level oder geschaffte Aufgaben als Grenze zu setzen, statt strikte Zeitvorgaben zu machen.

Das erste Handy: In welchem Alter?

Grundschüler brauchen weder Handy noch Smartphone. Allerdings verfügen laut KIM-Studie mindes­tens 31 Prozent der Dritt- und Viertklässler über eines. Meist geben es ihnen die Eltern – zur Sicherheit. Für Notrufe aber braucht es kein Smartphone, dafür reicht ein klassisches Handy. Auch gibt es spezielle Notfallhandys.

Ab der fünften, sechsten Klasse sind Smartphones heut­zutage Realität – und die Kinder langsam in der Lage, sie verantwortungsbewusst zu nutzen. Am besten geben Eltern ihnen ihr altes Gerät – und machen es kinder­sicher. Die meisten Betriebssysteme verfügen über umfangreiche Sicherheits- und Jugendschutzeinstellungen, die sich auch auf einzelne Benutzerkonten anwenden ­lassen. Auf diese Weise können Eltern auch ihre eigenen Geräte so einstellen, dass Kinder sie mitbenutzen können.

Apps für Kinder: Was beachten?

Kinder sind schon früh fasziniert von den oft bunt blinkenden Anwendungen auf Smartphones und Tablets. Eltern sollten sie damit bis ins Grundschulalter aber nie unbeaufsichtigt spielen lassen und immer beobachten, wie die Apps auf sie wirken. Gerade kleine Kinder können nicht zwischen Inhalt und Werbung trennen, weshalb Apps stets frei von Werbung sein sollten. Auch sollten Anwendungen gewählt werden, in denen keine In-App-Käufe (etwa für zusätzliche Levels oder Charaktere) möglich sind. Das Deutsche Jugendinstitut bietet auf www.datenbank-apps-fuer-kinder.de Empfehlungen für geprüfte Apps an. Auch die Stiftung Lesen gibt auf ihrer Website gezielt Tipps zu Bücher- und Bilderbuch-Apps.


So lernen Kinder den Umgang mit digitalen Medien

Die Eltern sind es, die Kinder neugierig­ auf Smartphones machen. Die ihnen Zugänge verschaffen und Vorbild sind. "Wer selbst das Smartphone nicht aus der Hand legen kann, darf sich nicht wundern, wenn es Probleme gibt, zumal Kinder sich noch weniger selbst regulieren können", sagt die Medienforscherin Angela Tillmann, die Professorin an der Technischen Hochschule Köln ist. Wichtig seien Grenzen für alle, etwa handyfreie Zeiten und Zonen – und Abwechslung: "Wenn Kindern viele Angebote gemacht werden, nutzen sie sie auch", sagt Professor Michael Schulte-Markwort, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg. Nach der Tablet-Stunde­ wird also Karten gespielt, geht es nach draußen oder ins Schwimmbad, am besten mit Freunden.

Gut ist auch, Digitales und Analoges zu verbinden. Etwa Trickfilme mit gebastelten Figuren herzustellen – eine Methode, die in Schulen und selbst in Krippen und Kindergärten vermehrt Einzug hält. Es ist ein pragmatischer Ansatz, der Kinder dazu befähigen soll, die Me­dien als das zu nutzen, was sie sind: als Ergänzung und Erleichterung im Alltag. Bis hinein ins Grundschulalter brauchen Kinder dabei vor allem Begleitung – und die Möglichkeit, über das zu reden, was am Bildschirm passiert. Insbesondere­, wenn die Kleinen vom interaktiven Bilderbuch langsam in ­soziale Netzwerke und Chats wechseln.

Wie viel gebe ich über mich preis? Welche Daten sollte ich wo eingeben? Muss ich auf jede Nachricht gleich antworten? Mit wem bin ich in den Netzwerken befreundet? Sind das eigentlich wirkliche Freunde? Und für wie wichtig nehme ich das, was dort geschrieben und gezeigt wird? Das sind entscheidende Fragen, die Eltern mit ihren Kindern diskutieren sollten.

"Leider ist das Gespür für diese Fragen und damit die Medienkompetenz auch bei vielen Eltern nur wenig ausgeprägt", meint Angela Tillmann. Die Forscherin nennt Eltern als Beispiel, die aus der Kindheit selbst ein digitales Ereignis machten und alles Mögliche veröffentlichten. "Dafür zu sensibilisieren", sagt sie, "wird eine große Herausforderung sein, die zukünftig­ vermehrt auch auf Erzieher und Lehrer zukommen wird."



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