Eltern sollten mit Kindern über Geld reden

Für Kinder ist es gar nicht so einfach, den Wert von Scheinen und Münzen zu verstehen. Wie und wann Sie Ihrem Kind am besten die Sache mit dem Geld erklären sollten
von Nadja Katzenberger, 24.11.2016

Was ist Geld? Und wofür ist es gut? Dafür interessieren sich bereits kleine Kinder

istock/PhotoInc

Geld. Geht das Kinder etwas an? Auf jeden Fall, findet Kirstin Wulf. Sie ist Politikwissenschaftlerin, nennt sich selbst "Über-Geld-Sprecherin" und bietet für Eltern Workshops zum Thema an. Ihre Beobachtung: "Vielen Eltern fällt es schwer, über Geld zu sprechen und Position zu beziehen."

Sie rät ihnen aber genau das: eine Haltung zu finden. Erklären, warum sich die Familie vielleicht einiges leisten kann, aber nicht einfach alles kauft. Dass Mama und Papa bestimmte Werte und Vorstellungen haben, was sie mit ihrem Geld anfangen: zum Beispiel, dass sie davon lieber Obst und Gemüse kaufen als ständig Schokolade. So lernen Kinder auch mit Konsum umzugehen, der an jeder Ecke lauert.

"Der Umgang mit Geld und Konsum ist eine zentrale Daseinskompetenz, die Kinder unbedingt lernen müssen", sagt Ursula Winklhofer, wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München. Klappt das nicht, zeigen sich die Folgen Jahre später: 25 Prozent aller Schuldner in Deutschland sind jünger als 30 Jahre, fast jeder Dritte der 14- bis 24-Jährigen hat schon einmal Schulden gemacht.

Ursula Winklhofer, Referentin am Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München

David Ausserhofer

Wie und wann sollte man mit dem Kind über Geld sprechen?

"Am besten bei alltäglichen Anlässen, immer wenn das Thema aufkommt, zum Beispiel an der Supermarktkasse", sagt Ursula Winklhofer. Spätestens mit drei, vier Jahren sind Kinder so interessiert, dass sie auch nachfragen. Doch wie antworten? Wie ein Girokonto erklären, die monatliche Überweisung vom Arbeitgeber, die Steuern – nur nicht zu kompliziert?

"Für den Anfang reicht ein einfaches Bild, etwa die Lohntüte – die es früher ja tatsächlich gab –, in die jeden Monat die Einnahmen wandern. Und aus der alle Ausgaben bezahlt werden müssen", sagt Kirstin Wulf. Eltern können auch das Spielgeld aus dem Kaufladen nehmen und so starten: Angenommen, Mama und Papa verdienen zusammen zehn Euro, davon gehen gleich drei für die Miete weg und ein Euro für den Strom. Sobald Kinder ein Verständnis für Zahlen entwickeln, kommen sie da gut mit.

Begrenztes Budget: Kinder sollen das System begreifen

"Auch wenn unsere Kinder als Erwachsene wahrscheinlich nur noch bargeldlos bezahlen werden, ist es unsere Aufgabe, ihnen vorher spielerisch klarzumachen, worum es dabei geht", sagt Wulf. Es ist wichtig, dass sie das System begreifen. Es gibt ein monatliches Budget, und das ist begrenzt. "Auch Verzicht, die Erfahrung, dass man nicht alles haben kann, ist wichtig für den Umgang mit Geld", erklärt Ursula Winklhofer.

Sollen Kinder wissen, wie viel die Eltern verdienen?

"Nein, das erwarten Kinder nicht, und sie können diese Zahl auch gar nicht einordnen", sagt Kirstin Wulf. Für Kinder muss deutlich werden, dass Einnahmen auch jede Menge Ausgaben gegenüberstehen für Dinge, die sie als selbstverständlich ansehen.

Kirstin Wulf, Autorin und Kommunikationsberaterin

W&B/Privat

Lohn fürs Mithelfen im Haushalt: Eine gute Idee?

20 Cent fürs Ausräumen der Spülmaschine, 50 fürs Staubsaugen. Da käme einiges zusammen, wenn Eltern jede Mitarbeit im Haushalt entlohnen würden. Aber setzt man so nicht völlig falsche Impulse? "Irgendwann erwarten Kinder Geld für jede in der Familie anfallende Tätigkeit, für die wir Eltern auch nicht bezahlt werden", sagt Kirstin Wulf. "Die allgemeine, altersgerechte Mithilfe gehört zum Familienleben dazu und sollte nicht belohnt werden", meint auch Ursula Winklhofer.

Anders ist das bei größeren Aufgaben wie Autoputzen oder Rasenmähen. Damit können sich ältere Kinder etwas dazuverdienen. Viele Kinder haben sowieso "Sondereinnahmen", also beispielsweise Geld zu Weihnachten. Finden Sie Regeln, was mit diesem Geld geschehen soll: Gehört es zum Taschengeld, oder wandert es direkt ins Sparschwein? Lässt sich damit vielleicht der Traum vom Piratenschiff erfüllen, wenn man spart?

Wieviel Taschengeld soll ein Kind bekommen? 

"Jedes Kind sollte spätestens ab dem Grundschulalter einen kleinen Geldbetrag zur eigenen Verfügung haben", sagt Ursula Winklhofer. Die Faustregel: Mit 1 bis 1,50 Euro pro Woche starten und jährlich um 50 Cent bis einen Euro steigern. Ab neun Jahren kann man das Taschengeld auch monatlich oder alle 14 Tage auszahlen. Wofür sie das Taschengeld ausgeben, entscheiden die Kinder. Das müssen Eltern aushalten.

"Taschengeld ist eine wunderbare Methode, um den Umgang mit Geld, aber auch Alltagskompetenzen zu lernen wie zum Beispiel Ausgaben zu planen, Entscheidungen zu treffen oder Prioritäten zu setzen", sagt Winklhofer. Kirstin Wulf rät, das Taschengeld in drei Gläsern aufzubewahren: Ausgaben für jetzt, für Geschenke und für langfristige Wünsche. So haben Kinder ihre Geldbewegungen immer im Auge. Und später hoffentlich auch den Dispo bestens im Blick.


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