11 Tipps: Schönes Fest trotz Scheidung

Scheidungskinder leiden an Weihnachten oft besonders unter der Trennung der Eltern. Damit das Fest dennoch schön und friedlich wird, haben wir die besten Tipps gesammelt

von Saskia Dittrich, aktualisiert am 08.12.2015

Allein unterm Baum: Weihnachten stimmt viele Scheidungskinder traurig

Getty Images/praetorianphoto

An kaum einem anderen Feiertag wird der Segen der Familie so stark heraufbeschworen wie an Weihnachten. Scheidungskinder trifft die Trennung der Eltern in dieser Zeit deshalb besonders. Das Fest ist die schmerzliche Erinnerung, dass etwas unwiderruflich verloren gegangen ist. Hinzu kommen organisatorische Probleme: Mit wem soll das Kind Weihnachten verbringen? Wie viele und welche Geschenke soll es geben?
Weihnachten ist für Geschiedene sicher nicht einfach, aber auch für solche Probleme gibt es Lösungen. Unsere elf Tipps sollen Ihren Kindern, aber auch Ihnen selbst helfen, ein schönes Weihnachten zu verbringen.

1. Rechtzeitig planen und verbindliche Abmachungen treffen

Eltern sollten sich die Frage, wie sie Weihnachten feiern wollen, nicht erst am 23. Dezember stellen. Sich untereinander abzusprechen und sich auf eine verbindliche Lösung zu einigen, hilft, Streit und Chaos zu vermeiden. Auch für die Kinder ist es wichtig zu wissen, was an Weihnachten passiert, damit sie sich darauf einstellen können.

2. Trauer zulassen, Erwartungen senken

"Man darf traurig sein und sollte eine gute Weihnachtsstimmung nicht erzwingen", sagt Psychotherapeutin Karin Kutz, die eine Praxis in Wendelstein führt. Das Weihnachtsfest wird kurz nach der Trennung wahrscheinlich nicht so fröhlich wie früher sein. Eltern und Kinder tun gut daran, die Erwartungen nicht zu hoch zu hängen. "Kinder brauchen in dieser Zeit viel Zuspruch und Aufmerksamkeit. Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern mit den Kindern über ihre Gefühle reden", rät Kutz.

3. Nur zusammen feiern, wenn es geht

Auf den ersten Blick erscheint eine gemeinsame Feier die beste Lösung für die Kinder. Doch Psychologin Kutz warnt: "Gemeinsam feiern funktioniert nur, wenn sich die Eltern absolut gut verstehen und in einer ähnlichen Situation sind. Also wenn zum Beispiel beide wieder einen neuen Partner haben." Alles andere sorge nur für Streit unterm Weihnachtsbaum, und das sei viel schlimmer, als das Fest getrennt zu feiern.


4. Feiertage abwechseln

Wenn die Eltern nicht zu weit auseinander wohnen, können die Kinder an den Feiertagen auch mal beim anderen Elternteil sein, zum Beispiel am Heilig Abend beim Vater und die beiden Feiertage danach bei der Mutter. Das funktioniert allerdings nicht, wenn die Eltern weit weg voneinander wohnen und die Kinder eine lange Anreise haben. Dann besser jährlich abwechseln.

5. Gleichgesinnte suchen

Wer dann allein zuhause ist, dem empfiehlt Kutz: "In Selbsthilfegruppen oder auch Kirchengemeinden finden geschiedene Mütter oder Väter Gleichgesinnte und können mit ihnen gemeinsam Weihnachten feiern." Sie können auch Freunde, Verwandte oder Bekannte fragen, ob sie mit ihnen feiern. Weihachten muss nicht in Trübsal enden, nur weil die Kinder nicht da sind.

6. Kinder miteinbeziehen

Wenn die Kinder alt genug sind, laut Kutz etwa mit 13 oder 14 Jahren, sollten Eltern sie fragen, wie sie Weihnachten verbringen möchten. "Kinder sind hier erstaunlich kreativ. Ich habe mal eine Familie beraten, da hat sich das Kind gewünscht, am zweiten Weihnachtsfeiertag mit beiden Eltern gemeinsam Chinesisch essen zu gehen", erzählt Kutz. Auf neutralem Boden und für einen kurzen Zeitraum gelänge ein freundliches Miteinander oft besser als Zuhause. Wichtig sei, die Kinder in ihren Wünschen nicht zu beeinflussen, indem die Mutter zum Beispiel vorwurfsvoll fragt: "Willst du dieses Jahr lieber bei Papa Weihnachten feiern?"

7. Geschenke absprechen

Wer die Kinder nur an zwei Wochenenden im Monat oder seltener sieht, möchte das oft mit vielen oder großen Geschenken an Weihnachten wettmachen. Das führt nicht selten zu Streitereien zwischen den Eltern. Deshalb besser vorher absprechen, was und wie viel geschenkt wird, oder es sogar gemeinsam besorgen. "Patchwork-Familien mit mehreren Kindern sollten darauf achten, Geschenke gerecht zu verteilen", warnt Kutz.

8. Anderes Elternteil einbeziehen

Wenn ein Elternteil an Weihnachten nicht dabei sein kann, ist es für Kinder schön, wenn Sie es dennoch einbeziehen. Ein Telefonat am Weihnachtsabend sollte auf jeden Fall drin sein. Besondere Größe zeigt, wer mit dem Kind ein passendes Geschenk für das andere Elternteil aussucht oder mit ihm eine Weihnachtskarte bastelt. So zeigt man dem Kind, dass der andere nicht völlig aus den Weihnachtsvorbereitungen ausgeblendet wird.

9. Großeltern einbeziehen

Während sich die getrennten Eltern vielleicht schon wieder gut verstehen, sind Großeltern manchmal noch Jahre lang nachtragend und zeigen das beim Weihnachtsfest auch. "Man sollte mit den Großeltern vorher reden, denn sie reagieren oft nicht vernünftig", rät Kutz. "Sie ziehen zum Beispiel über den abwesenden Ex-Schwiegersohn her und tragen ihre Wut auf dem Rücken des Kindes aus."

10. Neue Rituale finden

Weihnachten wie früher wird es vermutlich nicht mehr geben. Das müssen die Kinder akzeptieren. Leichter fällt es ihnen, wenn man neue Rituale schafft, auf die sich die Kinder dann wieder freuen können. Das kann ein Besuch im Zoo sein (auch mit dem Ex-Partner) oder ein Lieblingsessen an Heilig Abend.

11. Sich an Abmachungen halten

Die Vorbereitungen helfen nichts, wenn ein Elternteil sich nicht an Abmachungen hält und zum Beispiel das Kind nicht wie vereinbart zum anderen bringt. "Wenn Abmachungen gebrochen werden, könnte man zunächst durch ein gemeinsames Gespräch über das Jugendamt, die Diakonie oder die Caritas deeskalieren. Meistens sind Eltern durch eine dritte Instanz eher bereit, mit dem anderen zu reden", sagt Kutz.



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