Kinder: Was tun bei einem Insektenstich?

In Frühling und Sommer spielt sich das Leben oft draußen ab. Da piksen Bienen, Wespen und Zecken schon mal. Wie Eltern richtig reagieren
von Peggy Elfmann, aktualisiert am 22.11.2016

Als Honiglieferant sind sie beliebt – aber Bienen können auch mal zustechen, wenn sie sich bedroht fühlen

Fotolia/Richard Blaker/2009

Eigentlich sind sie friedlich, doch wenn Bienen und Wespen sich bedroht fühlen, stechen sie auch mal zu. "Die Stiche schmerzen ziemlich stark, sind aber meist harmlos", sagt Judith Janßen, Lehrrettungsassistentin beim Deutschen Roten Kreuz in Kiel. Gefährlich wird es, wenn das Kind allergisch reagiert oder in den Mund-Rachen-Raum gestochen wurde.

Wenn sich Kinder im Freien an ein paar Regeln halten, lässt sich das Risiko, gestochen zu werden, minimieren. "Lebensmittel sollten immer abgedeckt, und Getränke nur mit Strohhalm getrunken werden", rät Dr. med. Gilbert Heller, Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes Schleswig-Holstein. Beim Picknick meiden Sie besser die Nähe von Abfallkörben oder reifem Obst, denn dort tummeln sich die Tiere gerne. Kinder sollten nicht aus dunklen Flaschen oder Tetra-Paks trinken, denn es kann unbemerkt eine Biene oder Wespe in die Verpackung gekrabbelt sein. Was tun, wenn alle Vorsichtsmaßnahmen nichts genützt haben und ein Insekt zugestochen hat? Das erklären unsere Experten:

Die Symptome

Das Kind hat Schmerzen an der Einstichstelle. Die Haut rötet sich, juckt und kann leicht anschwellen. Bei einem Bienenstich steckt der Stachel oft noch in der Haut. Bei einer allergischen Reaktion schwillt die Einstichstelle übermäßig an: Es bilden sich große, juckende Quaddeln. Im schlimmsten Fall kann das Kind kaum atmen, muss erbrechen oder hat Kreislaufprobleme (kalter Schweiß, beschleunigter Herzschlag, Bewusstlosigkeit).

Aua, ein Stich! Kühlen lindert die Beschwerden

W&B/Forster und Martin

Die Maßnahmen

Bewahren Sie Ruhe und trösten Sie Ihr Kind. Falls es Zeichen einer allergischen Reaktion zeigt, müssen Sie unverzüglich den Rettungsdienst unter 112 alarmieren. Das gilt auch, wenn das Insekt in Mund oder Hals gestochen hat. Es droht Erstickungsgefahr! In allen anderen Fällen können Sie in Eigenregie helfen.

Falls der Bienen-Stachel noch steckt, sollten Sie ihn mit einer Pinzette entfernen. Achten Sie darauf, die Giftblase am hinteren Ende nicht zu zerdrücken.

Kühlen Sie die Einstichstelle mit einem Waschlappen oder Cool-Pack. Legen Sie die Kompresse nicht direkt auf die Haut, sondern umwickeln Sie sie vorher mit einem Tuch. Der ideale Aufbewahrungsort für Cool-Packs ist der Kühlschrank. So bleiben sie elastisch.

Wurde der Nachwuchs in den Hals gestochen, können Sie mit einer Kompresse von außen kühlen, bis der Arzt eintrifft. Er hat die notwendigen Medikamente dabei.

Sie können eine Zwiebel aufschneiden und mit der Schnittfläche auf die Stichstelle legen. Das lindert die Entzündung.

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind die Haut nicht aufkratzt. In der Apotheke gibt es Salben, die den Juckreiz abschwächen. Sie helfen auch bei Mückenstichen.

Zecken: Gefahr im Grünen

In bestimmten Regionen Deutschlands können Zecken die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) verbreiten. Sie kann zu einer Hirnhautentzündung führen. Treten acht bis zehn Tage nach dem Stich Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf, sollten Sie mit Ihrem Kind zum Arzt gehen. Gegen FSME kann man sich vorbeugend impfen lassen (ab dem zweiten Lebensjahr). Die Ständige Impfkommission empfiehlt dies allen, die in Risikogebieten wohnen oder dort Urlaub machen (siehe Deutschlandkarte).

Zecken können auch Borreliose übertragen. Die Erreger befallen Nerven und Gelenke, die Kinder bekommen Fieber. Erstes Anzeichen ist oft ein rötlicher Ring um die Einstichstelle zwei bis drei Wochen nach dem Stich. Gehen Sie in diesem Fall mit Ihrem Kind zum Arzt. Es gibt keine Impfung, aber Antibiotika als Therapie.

Zecken krabbeln gern in Wiesen, Hecken und Wäldern. Nach einem Tag im Freien sollten Sie Ihr Kind genau absuchen, vor allem am Haaransatz, in Achselhöhlen und Leiste. Entfernen Sie die Zecke mit einer Pinzette oder Zeckenkarte aus der Apotheke. Nicht quetschen! Anschließend die Wunde mit einem geeigneten Wunddesinfektionsmittel desinfizieren. Der Kinderarzt oder der Apotheker kann Ihnen ein entsprechendes Mittel empfehlen. Beobachten Sie die Stelle einige Wochen.

Es gibt Insektenabwehrmittel, die auch Mückenstichen vorbeugen. Diese müssen Sie alle vier Stunden auftragen. Wichtig: Sie sind für Kinder unter zwei Jahren nicht geeignet.

 

Unsere Experten:

W&B/privat

Dr. med. Gilbert Heller ist Anästhesist im Universitätsklinikum Kiel (Schwerpunkt Notfallmedizin) und Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes Schleswig-Holstein

W&B/Forster & Martin

Judith Janßen ist Lehrrettungsassistentin und -beauftragte beim Deutschen Roten Kreuz und Krankenschwester in der Notaufnahme im Städtischen Krankenhaus Kiel


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