Kinder: Was tun bei Verbrennungen und Verbrühungen?

Wenn Kinder sich verbrennen, ist schnelles Handeln wichtig. Experten vom Deutschen Roten Kreuz erklären, wie Eltern vorbeugen und im Ernstfall Erste Hilfe leisten können
von Peggy Elfmann, 20.03.2017

Alltägliche Gefahr: Kinder verbrühen sich häufig an Getränken

W&B/Forster und Martin

An der Kaffeetafel sitzt das Kleine auf Mamas Schoß, ganz ruhig und friedlich. Plötzlich zappelt es, die Tasse kippt um, und der heiße Inhalt fließt über seine Hand. "Das ist ein häufiger Unfall bei Kindern unter vier Jahren", sagt Dr. med. Gilbert Heller, Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes Schleswig-Holstein. Was für einen Erwachsenen schmerzhaft ist, kann für Kinder lebensbedrohlich sein. "Kritisch wird es, wenn mehr als zehn Prozent der Hautfläche betroffen sind", sagt Heller. Bei kleinen Kindern entspricht das in etwa einem Arm.

Dazu kommt: "Die Haut von Kindern ist dünner als bei Erwachsenen. Es genügen bereits wenige Sekunden Einwirkzeit, um schwere Verletzungen zu verursachen", sagt Judith Janßen, Lehrrettungsassistentin in Kiel. So reicht theoretisch schon eine Tasse heiße Flüssigkeit, um bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Säuglings oder Kleinkindes zu verbrühen.


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Mikrowelle

In der Mikrowelle erhitzt sich die Milch im Fläschchen oder der Brei sehr schnell und stark. Das kann beim Baby leicht zu Verbrennungen in der Mundhöhle führen. Testen Sie selbst, bevor Ihr Kind von dem Erhitzten isst oder trinkt. Dazu das Fläschchen ein paarmal schwenken oder mit einem Löffel umrühren, damit sich die Temperatur gleichmäßig verteilt. Ein wenig Milch auf das eigene Handgelenk geben. Diese Hautstelle ist sehr wärmeempfindlich.

Wasserkocher

Allgemein gilt, nur so viel Wasser wie nötig erhitzen, überschüssiges Wasser immer entleeren. Das Kabel einrollen und den Kocher auch bei Verwendung nah an die Küchenwand stellen. So verhindern Sie, dass das Kind an dem verführerisch herunterhängenden Kabel zieht und sich brühend heißes Wasser über den Körper schüttet.

Herd und Ofen

Ein Herdschutzgitter bewahrt kleine Kinderhände vor Verbrennungen. Am besten nutzen Eltern die hinteren Herdplatten beim Kochen. Drehen Sie die Pfannengriffe immer von sich weg zur Wand hin. Nicht nur das Kind greift sonst nach dem Henkel, auch die Eltern können mit der Kleidung daran hängen bleiben, und schon rutscht die brutzelnde Pfanne vom Herd. Vorsicht beim Backen: Die Ofentüren heizen sich meist sehr schnell auf. Wenn die Kleinen neugierig der Pizza beim Backen zuschauen wollen, können sie sich schnell die Hände verbrennen. Am besten dabeibleiben und das Kind auf Abstand halten.

Bügeleisen

Achten Sie beim Bügeln darauf, dass Ihr Kind nicht in die Nähe des Kabels gelangt und darüber stolpert oder daran zieht. Wenn Sie das Bügeln unterbrechen oder das Bügeleisen nicht mehr brauchen: abschalten, Stecker ziehen und das Kabel einrollen.

Heiße Getränke

Kaffee- oder Teetasse außer Reichweite des Kindes stellen. Es nicht auf den Schoß nehmen, wenn Sie etwas Heißes trinken.

Wärmflaschen

Bevor Eltern ihrem Kind eine Wärmflasche geben, sollten sie darauf achten, dass der Verschluss richtig zu ist. Sonst kann das heiße Wasser auslaufen. Deswegen das Wasser immer erst etwas abkühlen lassen und die Wärmflasche nur maximal bis zu einem Viertel füllen. Empfehlenswert sind auch Kirschkernkissen statt Wärmflaschen. Die kleinen Kissen lassen sich in der Mikrowelle oder im Ofen erwärmen. Dabei immer die Herstellerangaben genau berücksichtigen. Durchmischen Sie die Kerne in dem Säckchen gut, bevor Sie es Ihrem Kind geben.

Badewanne

Die Badetemperatur sollte für Babys maximal 37 Grad Celsius betragen. Immer mit einem Thermometer überprüfen. Für ältere Kinder, die in der großen Wanne baden, Warm- und Kaltwasser gemischt einlaufen lassen – und nicht erst heißes Wasser und dann kaltes. Am besten die Wasserhähne mit einem Thermostat sichern. So lässt sich die Wassertemperatur auf maximal 50 Grad oder weniger begrenzen.

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Richtig vorbeugen: Ein Überblick

  • Stellen Sie heiße Getränke oder den Wasserkocher immer außer Reichweite von Kindern. Nehmen Sie Ihr Kleines nicht auf den Schoß, wenn Sie Heißes trinken.
  • Lassen Sie Kabel von Bügeleisen und Wasserkocher nicht runterhängen.
  • Montieren Sie ein Schutzgitter am Herd, drehen Sie Pfannenstiele nach hinten.
  • Prüfen Sie immer die Wassertemperatur, bevor Sie Ihr Kind baden oder duschen.
  • Um Grillunfälle zu vermeiden, sollten Sie unbedingt auf Spiritus oder Brandbeschleuniger verzichten. Lassen Sie Kinder nicht in der Nähe des Grills spielen.
  • Bringen Sie Ihrem Kind den richtigen Umgang mit Feuer bei.

Dr. med. Gilbert Heller ist Anasthesist im Universitatsklinikum Kiel (Schwerpunkt Notfallmedizin) und Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes Schleswig-Holstein

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Die Symptome

Das Kind hat starke Schmerzen. Wirkt die Hitze nur kurz ein (Verbrennung ersten Grades), rötet sich die betroffene Hautstelle und kann anschwellen. Bei Verbrennungen zweiten Grades – wenn sich das Kind etwa mit heißem Wasser verbrüht – bilden sich zusätzlich Brandblasen. Verbrennungen dritten Grades, etwa durch Feuer oder sehr große Hitze über lange Zeit, zerstören das Gewebe. Dann sind zwar die Schmerzen häufig weniger stark als bei leichten Verbrennungen. Dafür können Atem- und Kreislaufstörungen dazukommen.

Die Maßnahmen

Nur wenn Sie sicher sind, dass es sich um eine sehr kleine Verletzung handelt, können Sie diese selbst versorgen. Sonst sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen. Fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus, lassen Sie sich vom Rettungsdienst bringen. Er weiß, welche Klinik auf Verbrennungen spezialisiert ist. Sagen Sie den Ärzten auch, ob Ihr Kind Rauch eingeatmet haben könnte.


Judith Janßen ist Lehrrettungsassistentin und -beauftragte beim Deutschen Roten Kreuz und Krankenschwester in der Notaufnahme im Städtischen Krankenhaus Kiel

W&B/Forster & Martin

Bleiben Sie in jedem Fall ruhig. Ist Ihr Kind ansprechbar und hat eine sehr kleine Brandwunde – nicht größer als die Oberfläche eines Fingers – können Sie die Stelle kühlen, um Schmerzen zu lindern. Lassen Sie etwa zwei Minuten lang Wasser darüberlaufen. Verwenden Sie kein Eiswasser und kühlen Sie nur die betroffene Körperstelle, um Unterkühlung zu vermeiden. Unterbrechen Sie, sobald das Kind schmerzfrei ist oder das Kühlen unangenehm wird. Ist die Verletzung großflächiger oder betrifft sie den Rumpf, sollten Sie auf keinen Fall kühlen, da das Kind sonst zu kalt werden kann.

Bei Verbrühungen müssen Sie die Kleidung rasch, aber vorsichtig entfernen (eventuell mit der Schere aufschneiden statt über den Kopf ziehen). Eingebrannte Kleider lassen Sie an. Halten Sie Ihr Kleines warm. Vor allem Babys und kleine Kinder kühlen schnell aus. Hüllen Sie es in eine leichte Decke. Beruhigen Sie es. Geben Sie keine Hausmittel wie Butter, Mehl oder Quark auf die betroffene Stelle. Es könnte sonst zu Infektionen kommen.

Nach dem Kühlen können Sie die Wunde mit einer sterilen Kompresse aus dem Verbandkasten locker bedecken. Eine Brandblase dürfen Sie nicht öffnen. Es besteht Infektionsgefahr. Brandsalben können die Wundheilung fördern. Diese sollten Sie jedoch nur nach Anordnung des Arztes verwenden, wenn er die Wunde gesehen hat.



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