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Wie Kinder mit weniger Süßigkeiten auskommen

Gummibärchen, Bonbons, Lollis – Kinder würden sich am liebsten nur von Süßigkeiten ernähren. Geht aber leider nicht. Eine Expertin erklärt, wie Eltern freundlich hart bleiben


Gummibärchen, Bonbons, Lakritze: Welches Kind kann da schon widerstehen?

Wenn Kinder das erste Mal etwas Süßes naschen dürfen, reagieren sie meist mit einem verzückten Lächeln und verlangen sofort nach mehr. Wie viel Schokolade, Kuchen und Gummibärchen der Nachwuchs bekommt, haben Eltern anfangs noch ziemlich gut in der Hand. Doch irgendwann scheint das süße Laster allgegenwärtig zu sein: Die Kleinen registrieren ganz genau die mit Süßigkeiten vollgestopften Regale in den Supermärkten, verlangen mit zunehmendem Alter gezielt nach Leckereien und bekommen überdies ständig von Verwandten und Nachbarn etwas zugesteckt.

Durch Süßigkeiten kommt gesundes Essen zu kurz

Eine Herausforderung für alle Eltern, die ihre Kinder gesund ernähren möchten. Denn Argumenten sind gerade die kleinen Naschkatzen noch nicht sehr zugänglich. Trotzdem sollten Mütter und Väter ihren Sprösslingen erklären, warum zu viel Süßes nicht gut ist. Klar, dass die leckeren Dickmacher Karies fördern und reichlich Kalorien enthalten. „Am gravierendsten ist aber, dass gesundes Essen durch sie zu kurz kommt“, gibt Anna Dubas-Tietjens, Ökotrophologin aus Hamburg zu bedenken. Schokolade und Gummibärchen enthalten nun mal kaum Vitamine und Mineralstoffe. Sie hinterlassen aber ein Gefühl des Sattseins – allerdings nur für kurze Zeit.


Richtlinie: Eine Portion Süßes am Tag

Deshalb sagen Experten: Eine Portion Süßes am Tag ist in Ordnung. Für Kinder sollte diese nicht größer als 50 Gramm sein und nicht mehr als 150 Kilokalorien enthalten, empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund. „Viele Schokoriegel haben zum Beispiel bereits 250 Kilokalorien“, sagt die Ernährungsberaterin.

Gemeinsam Regeln aufstellen

Doch wie schafft man es, die süße Lawine tatsächlich darauf zu reduzieren? Von einem völligen Verbot hält Dubas-Tietjens nichts: „Das macht die Süßigkeiten nur interessanter.“ Sie plädiert stattdessen dafür, mit den Kindern gemeinsam Naschregeln aufzustellen – diese sollten dann alle Familienmitglieder einhalten, auch die Erwachsenen. Die meisten Kleinen kommen gut damit zurecht, vor allem, wenn sie selbst mitentscheiden und bestimmen durften, wie in der Familie mit Süßigkeiten umgegangen wird.

Die Expertin, Mutter zweier kleiner Kinder, empfiehlt zum Beispiel folgende vier Regeln:

  1. Am Vormittag wird nicht genascht.
  2. Vor den Hauptmahlzeiten gibt es nichts Süßes, da die Kinder sonst satt sind.
  3. Es wird bewusst am Tisch genascht und nicht nebenbei beim Spielen.
  4. Nach dem Naschen werden die Zähne geputzt.

Bewusst genießen schränkt Konsum ein

„Gerade durch das bewusste Essen von Süßigkeiten lässt sich ihr Konsum schon einschränken“, sagt Dubas-Tietjens. Denn wer zum Beispiel nachfühlt, ob ein rotes Gummibärchen anders schmeckt als ein gelbes oder grünes, genießt was er isst, und braucht nicht immer noch mehr davon.

Und was ist nach Ostern, Nikolaus oder dem Geburtstag – wenn sich die Süßigkeiten nur so stapeln? Die Ernährungsberaterin empfiehlt: Die süßen Schätze in einer Schachtel oder Dose sammeln und dann gemeinsam mit dem Nachwuchs Tagesrationen für eine Woche aussuchen. „Ich nehme dafür eine Eierschachtel für zehn Eier, in die wir die Portionen für die sieben Tage der Woche legen. Die drei übrigen Fächer füllen wir auch, sie sind für besondere Anlässe reserviert oder für Freunde, die zu Besuch kommen.“

Ab fünf Jahren Rationen selbst einteilen lassen

So gibt es nicht täglich Streitereien, die Kleinen wissen genau, was sie erwartet. Kindern ab fünf Jahren können Eltern schon selbst überlassen, ob sie die Rationen Tag für Tag essen oder mehrere auf einmal. „Sie lernen so, sich zu entscheiden, ob sie wirklich Appetit darauf haben, und erfahren, dass das, was sie schon gegessen haben, unwiderruflich weg ist“, erklärt Dubas-Tietjens. Aber: Der Nachwuchs sollte seine Wochenrationen nicht im eigenen Zimmer aufbewahren. Süßigkeiten seien Lebensmittel und gehörten in die Küche, so die Expertin.

Damit nicht zu viele Osterhasen und Nikoläuse in der Sammeldose zusammenkommen, braucht es deutliche Worte an die Schenkenden: Eltern sollten Verwandte und andere Süßigkeitenüberbringer bitten, sich auf eine Sache zu beschränken und ansonsten lieber Zeit zu schenken. Denn welches Kind liebt es nicht, gemeinsam mit Oma oder Tante etwas zu unternehmen, zum Beispiel einen Nachmittag im Zoo zu verbringen?

Kleinkindern brauchen noch keine Süßigkeiten

Während Eltern beim ersten Kind den Start ins süße Leben relativ gut hinauszögern können, fordert das Zweite meist schon früher Schokolade ein – weil es das Gleiche haben will wie das ältere Geschwisterchen. Auch hier hilft nur eines: konsequent sein, und zwar von Anfang an. „Man macht ja auch keine Ausnahmen bei anderen Dingen wie Alkohol oder Kaffee“, sagt Dubas-Tietjens. Schon bei der Babynahrung sollten Eltern beispielsweise auf gesüßte Breie und Getränke für Kleinkinder verzichten. „Sie trainieren den süßen Geschmack“, erklärt die Expertin. Fürs Knabbern zwischendurch empfiehlt sie Reiswaffeln und Dinkelstangen. Obst und Trockenfrüchte sowie Studentenfutter und Nüsse (erst für Kinder ab drei Jahren) sind Alternativen.

Denn gesunde Süßigkeiten gibt es schlichtweg nicht, auch Müsliriegel enthalten zu viel Fett und Zucker. Doch gerade ältere Kinder lassen sich nur noch selten mit Obst abspeisen: Wenn sie etwas Süßes wollen, kann – unter Beachtung der Naschregeln – auch ein kleiner Tauschhandel funktionieren. „Einen Keks gibt es beispielsweise erst, wenn eine halbe Birne gegessen wurde“, schlägt Anna Dubas-Tietjens vor.

Und noch etwas sollten Eltern vermeiden: ihre Kinder mit Süßigkeiten zu trösten. Denn das konditioniert die Kleinen für später. „Kinder verinnerlichen dann oft, dass sich Probleme mit Süßem lösen lassen“, erklärt die Expertin. Das Ergebnis ist nicht selten der berühmte Kummerspeck.

Zucker sparen: So geht’s

Süßspeisen zum Mittag- oder Abendessen sind bei den Kleinen sehr beliebt. Anna Dubas-Tietjens rät jedoch, Milchreis, Pfannkuchen und Ähnliches nur einmal pro Woche zu servieren. „Achten Sie darauf, dass an den anderen Tagen der Speiseplan ausgewogen ist.“ Die Ernährungsexpertin empfiehlt: „Bereiten Sie Süßspeisen und auch Apfelmus möglichst selbst zu. Denn die meisten Fertiggerichte enthalten zu viel Zucker.“

Auch beim Backen lässt sich am süßen Stoff sparen. „Die meisten Kuchenrezepte gelingen, auch wenn man die Zuckermenge reduziert“, weiß Dubas-Tietjens. Zucker- oder Schokoladenguss weglassen oder nur selten verwenden, etwa für den Geburtstagskuchen.




Bildnachweis: iStock/deepblue4you

Barbara Weichs / Baby und Familie; aktualisiert am 01.11.2013, erstellt am 29.11.2011
Bildnachweis: iStock/deepblue4you

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