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Welcher Brei-Typ ist mein Baby?

Brei statt Milch: Wie der Wechsel klappt, ist eine Frage des Charakters und des Gemüts. Hier gibt es Ratschläge für jeden Typen


Dort drüben gibt's was Interessantes zu sehen? Wenn Ihr Kleines unkonzentriert ist, kann das Essen auch einfach mal ausfallen – oder etwas länger dauern

Es ist aber auch viel verlangt! Kaum hat Ihr Kleines die richtige Nuckeltechnik an Brust oder Flasche perfektioniert, sind schon wieder neue Fertigkeiten gefragt: vom Löffel essen, eine festere Masse schlucken und fremde Geschmackserlebnisse verarbeiten. „Schrauben Sie Ihre Erwartungen an die erste Breimahlzeit nicht zu hoch“, sagt Diplom-Ökotrophologin Anja Boerner von der Zentrale für Ernährungsberatung e.V. in Hamburg.



Anja Boerner ist Diplom-Ökotrophologin bei der Zentrale für Ernährungsberatung in Hamburg

Kaum ein Essanfänger wird sofort ein ganzes Gläschen verputzen, die Gewöhnung an die neue Technik dauert. Und ab wann kann es losgehen? Ab dem fünften Monat ist das Verdauungssystem des Babys so weit ausgereift, dass es Gemüse und Fleisch verarbeiten kann. Auch zeigen die meisten Kinder jetzt, dass sie Lust auf Brei haben. Sie schauen etwa den Eltern äußerst genau beim Essen zu. Wenn es dann ernst wird, reagieren die Kleinen aber ganz unterschiedlich: vom ungestümen Karottenmus-Patscher bis hin zum Zeitlupen-Löffler. Zu welcher Sorte zählt Ihr Baby? Anja Boerner gibt typ­­gerechte Tipps:


Die Brei-Typen

  • Der Genießer

    Dieser Brei-Neuling zeigt sich grundsätzlich begeistert von der ­Erweiterung seines Speiseplans und lutscht bereitwillig am ­Löffel. Leider fasziniert ihn das so sehr, dass er für drei Happen eine halbe Ewigkeit benötigt.

    Das sagt die Expertin: Geben Sie Ihrem Kind die Zeit, die es braucht. Wer ungeduldig reagiert, erstickt die vorhandene Lust am Breiessen womöglich gleich wieder im Keim. Freuen Sie sich über die Begeisterung und die Muße des Kleinen. Und lockern Sie Ihren Zeitplan. ­Verabschieden Sie sich von Terminen, die direkt nach der Mahlzeit eingehalten werden müssen.


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  • Der Matscher

    Bühne frei, hier übt ein Aktionskünstler! Er hat Spaß daran, mit der Hand auf den Teller zu patschen und Karottenmus in kreativen Mustern auf Tisch und Wand zu verteilen.



    Das sagt die Expertin:
    Dass Babys ihr Essen anfassen wollen, ist eine wichtige sinnliche Erfahrung. Die Strategie gegen übermäßige Klecksereien: Im Sommer können Sie bei wilden Essern auch mal im Garten füttern. Statt Esszimmer mit Teppichboden bietet sich eher die geflieste Küche an. Und damit Sie sich nicht jedes Ma(h)l über Flecken auf der Kleidung ärgern müssen, stellen Sie fürs Baby und für sich ein „Klecker“-Outfit zusammen.


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  • Der Heißhungrige

    Wie ein ausgehungertes Vögelchen sperrt dieser Essanfänger den Mund auf und schlingt den Brei hinunter, als gäbe es ab morgen nichts mehr zu futtern. Dabei ­verschluckt er sich schon mal oder muss spucken.


    Das sagt die Expertin:
    Da hilft Tempo rausnehmen, für eine ruhige Atmosphäre sorgen. Also zum Beispiel Radio aus- und Telefon leise stellen. Warten Sie nicht, bis Ihr ­Baby großen Hunger hat, und füttern Sie langsam. Gegen Verschlucken und Spucken zwischendurch einfach mal Bäuerchen machen lassen. Oft schaut es sich der Nachwuchs auch ab, wenn Sie demonstrativ langsam essen und ausgiebig kauen.


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  • Die Mäkelige

    Apfel und Banane? Lecker! Kürbis oder Brokkoli? Wird mit zusammengepressten Lippen verschmäht! Dieser wählerische Brei-Debütant zeigt schon früh deutliche Vorlieben und Abneigungen.


    Das sagt die Expertin:
    Die Geschmäcker sind eben verschieden, auch bei Babys. Also cool bleiben! Die Freude am Essen sollte erst mal im Vordergrund stehen, nicht unbedingt die Vielfalt. Mangel­erscheinungen müssen Sie keine befürchten, wenn das Kind nur „Einheitsbrei“ mag. Zeigt sich das Baby wirklich sehr wählerisch, rate ich zum Experimentieren. Vielleicht war bei einem misslungenen Fütterungsversuch aber auch einfach die Tagesform schlecht? Bieten Sie die Variante später noch mal an, oder werden Sie beim Mischen kreativ, etwa mit Karotte-Apfel.


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  • Der Unkonzentrierte

    „Haaallloooo, hier spielt die ­Musik!“, möchte man diesem künftigen Gourmet zurufen, der lieber aus dem Fenster schaut oder gedankenverloren mit seinem Lätzchen spielt, statt zu essen.



    Das sagt die Expertin:
    Möglicherweise hat das Kind einfach keinen Hunger, vielleicht weil es den ganzen Tag über viel getrunken hat. Oder es ist bereits müde. Keine Panik, wenn eine Mahlzeit ausfällt, Sie essen ja auch nicht ­­immer gleich viel. Ansonsten würde ich mich ganz auf das Kind einstellen, ihm Zeit lassen, nicht nebenher andere Dinge erledigen. Von ­Spielchen („ein Löffel für Mama“) oder Überredungsversuchen rate ich ab, sonst lernt das Kind: „Ich bin nur liebenswert, wenn ich esse.“


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  • Die Sensible

    Oh weh, kaum hat das Kleine Geschmack am Brei gefunden, schlägt bei diesem empfindlichen Esser die Verdauung Alarm – er reagiert mit Durchfall, Blähungen oder Verstopfung.



    Das sagt die Expertin:
    Ein paar Verdauungsprobleme sind in den ers­ten Tagen nicht ungewöhnlich, gerade Karottenbrei stopft. Da kann ein Schuss Rapsöl helfen. Haben Sie allerdings das Gefühl, Ihr Baby hat Schmerzen, oder es windet sich und schreit auffallend viel, sollten Sie vom Kinderarzt Allergien und Unverträglichkeiten abklären lassen. Viele Krankenkassen bieten auch eine individuelle Ernährungsberatung an, fragen Sie einfach direkt nach.


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Tanja Pöpperl / Baby und Familie; 27.10.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/Damircudic

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