Welchen Fisch darf man noch essen?

Fisch ist lecker und gesund. Doch viele Arten sind durch Überfischung vom Aussterben bedroht. Welchen Fisch Sie noch bedenkenlos genießen können, erfahren Sie hier
von Larissa Gaub, 22.08.2017

Wer beim Fisch auf die Herkunft achtet, schützt die Bestände

Mauritius/Alamy/Phil Rees

Die gräulichen Garnelen brutzeln in der Pfanne und verfärben sich langsam rosarot. Die würden Ihnen jetzt auch schmecken? Da sind Sie nicht allein. Denn die Meeresbewohner sind beliebt. Weltweit essen wir im Schnitt pro Kopf mehr als 20 Kilogramm Fisch und Krebstiere im Jahr. Der große Hunger hinterlässt jedoch leere Gewässer: Laut Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) sind ein Drittel aller Arten durch Überfischung bedroht.

Müssen wir in Zukunft auf die Speise aus dem Meer verzichten? "Nein, aber wir müssen anfangen, uns über den Fisch auf unserem Teller Gedanken zu machen", erklärt Thilo Maack, Meeresbiologe bei der Umweltorganisation Greenpeace in Hamburg. Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten rund ums Einkaufen und Genießen recherchiert.

Welche Fischarten sollten nicht mehr auf den Teller?

Oder besser: Welchen Fisch kann ich noch ohne Bedenken essen? "Der Karpfen zum Beispiel ist ein pflanzenfressender Fisch, den man derzeit noch empfehlen kann", so Maack. Nur noch Karpfen? Mehr nicht? Nein, völlig verzichten auf alle anderen Sorten müssen wir nicht. Aber: "Wer Fisch mit gutem Gewissen essen möchte, sollte ihn als Delikatesse wahrnehmen und nur ab und zu essen", sagt Meeresbiologe Maack.

Beim Einkauf genau hinzuschauen lohnt sich: Auf den Verpackungen müssen exakte Informationen über Siegel, Fangmethoden oder -gebiete angegeben sein, an denen sich die Verbraucher orientieren können. So gibt es Fanggebiete, deren Bestände noch nicht überfischt sind. Man kann zum Beispiel darauf achten, dass man Doraden aus dem Mittelmeer oder Bachforellen aus Deutschland kauft.

Welchen Siegeln können wir beim Einkaufen trauen?

Am bekanntesten ist das blauweiße Marine Stewardship Council-Siegel (MSC). Es wurde 1997 mit dem World Wildlife Fund (WWF) gegründet und gilt heute als unabhängiges, weltweit anerkanntes Zeichen für nachhaltige Fischerei. Bisher sind 315 Betriebe damit ausgezeichnet. In Deutschland prangt das Siegel auf rund 4800 Produkten.

Aber für wie viel Nachhaltigkeit steht es? Das ist umstritten. Viele bemängeln, dass der MSC das Siegel den Fischereien zu selten wieder entzieht, wenn sie zum Beispiel überfischte Bestände weiterhin fangen. "Trotzdem ist es ein Fingerzeig in die richtige Richtung, wenn man Produkte mit dem MSC-Siegel kauft, auch wenn es noch nicht ideal ist", so Maack. Er empfiehlt Fischliebhabern, auf das Naturland- oder Bioland-Siegel zu achten. Entscheidungshilfen bieten auch die Fischratgeber von Greenpeace (www.greenpeace.de/fischratgeber) oder vom WWF (www.fischratgeber. wwf.de).

Was ist besser: Fisch aus Wildfang oder Aquakultur?

Aquakultur, die Massentierhaltung für Fische, scheint auf den ersten Blick die Probleme der überfischten Bestände in Meeren und Binnengewässern zu lösen. "Aber Aquakulturen helfen nicht gegen die Überfischung", so Maack. Viele Lieblingsfische der Deutschen sind Raubfische, wie Forelle, Zander oder Hecht. "Sie werden mit Fischmehl gefüttert, das zum Beispiel von einer riesigen Fischerei vor Südamerika mit Tonnen von gefangenen Sardellen hergestellt wird", erklärt Thilo Maack.

Ein Beispiel: Damit ein Thunfisch ein Kilogramm an Gewicht zunimmt, frisst er 20 Kilogramm Fisch. Aber es gibt auch Betriebe, die ihre Tiere nicht mit Fischmehl, sondern mit Fischabfällen, die beim Verarbeiten anfallen, füttern. "Sie sind mit einem Bioland-Siegel gekennzeichnet", sagt Maack.

Welche Inhaltsstoffe machen Fisch gesund?

"Fisch ist eine wichtige Quelle für hochwertiges Protein, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die Spurenelemente Jod und Selen sowie für verschiedene Vitamine", sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn.

Davon profitieren auch Mutter und Kind in der Schwangerschaft und Stillzeit. Die DGE empfiehlt, ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche zu essen, davon 70 Gramm fettreichen Fisch wie Lachs, Makrele oder Hering. Auch für Babys eignet sich gelegentlich fettreicher Fisch anstelle von Fleisch im Brei.

Woran erkennt man, dass der Fisch frisch ist?

Frischer Fisch hat klare Augen und besonders rote Kiemen. Und: Er riecht nicht fischig. "Fisch, der nach Ammoniak stinkt, ist nicht mehr frisch", erklärt Maack.

Stecken auch Schadstoffe im Fisch?

Immer wieder werden in Fischen bedenkliche Substanzen wie Antibiotika, Pflanzengifte oder Quecksilber gefunden. "Besonders fettreiche und ältere Fische wie etwa der Gelb- oder Blauflossenthunfisch oder Schwertfische zeigen oft eine höhere Belastung mit Quecksilber", erklärt Meeresbiologe Maack. Deswegen sollten Raubfische seltener auf dem Teller landen. Thunfisch aus der Dose sei davon aber nicht betroffen. Hier werden kleinere Thunfischarten, wie etwa der Bonito, verarbeitet, in denen sich giftige Stoffe nicht so schnell anreichern können.

Kürzlich fanden Umweltforscher auch das Pflanzengift Ethoxyquin in Lachsen aus dem Supermarkt. Das Pflanzenschutzmittel wurde in Europa vor Jahren verboten, weil es giftig sein könnte. Im Tierfutter ist es aber weiterhin erlaubt. Für den Ethoxyquin-Gehalt in Fleisch gibt es einen Grenzwert, für Fisch bisher nicht. Gut zu wissen: In Fischen aus Bio-Aquakulturen fanden die Umweltschützer das Pflanzenschutzmittel nur in sehr geringen Mengen. "Wildlachs ist in der Regel ganz frei davon", sagt Maack.

Welche Lebensmittel kann ich anstelle von Fisch essen?

Gute Omega-3-Fettsäuren liefern Raps-, Walnuss-, Soja-, Lein- oder Mikroalgenöl. "Jodquellen sind jodiertes Speisesalz oder damit hergestellte Lebensmittel. Auch Milch und Eier liefern Jod", so Ernährungsexpertin Silke Restemeyer. Ob bei Fischverzicht eine ergänzende Jodzufuhr mit Tabletten notwendig ist, sollte man mit dem Arzt abklären.


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