Tipps für das Kochen mit Kindern

Gurken schälen, Soße abschmecken, Pfann­ku­chenteig rühren – Kinder lieben es, wenn Mama oder Papa sie als Küchenhelfer engagieren. Hier erfahren Sie, was Sie dabei beachten sollten
von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 29.10.2014

Gemüse kleinschneiden finden Kinder meist interessanter als jedes Spielzeug

W&B/Christine Schneider

Wer schon mal mit dem Nachwuchs ein Menü gezaubert hat, weiß: Fürs Töpfegucken lassen die Kleinen bereitwillig jedes Spielzeug stehen. Kinder finden es unglaublich spannend, wie sich rohe Zutaten in ein fertiges Gericht verwandeln. Ein Spaß für alle Sinne! "Die Kleinen lernen dabei auch eine ganze Menge über sich und ihre Umwelt", ­bestätigt Christel Dhom, Erzieherin und Autorin. "Sie trainieren etwa ­ihre Geschicklichkeit im Umgang mit den Küchengeräten und merken, dass sie vorsichtig mit Hitze und scharfen Gegenständen umgehen müssen." Spielerisch erweitert sich auch der Wortschatz um geheimnisvolle Begriffe wie Muskatnuss, Basilikum oder Cannel­loni.

Die Ernährungswissenschaftlerin Nadia Röwe vom aid Infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V. weiß: "Man beobachtet häufig, dass Kinder, die mit vielen unterschiedlichen Lebensmitteln und frisch zubereitetem Essen groß geworden sind, auch im Erwachsenenalter seltener auf Fertigprodukte zurückgreifen." Und das macht die Ernährung gesünder. Damit der Spaß in der Küche bleibt, gibt es eine goldene Regel für Eltern: klare Ansagen machen, wer was tun darf, und sich mit Kritik zurückhalten – auch wenn mal die Möhren zu dick geschnitten sind. Kinder brauchen den Stolz auf die ersten Erfolge. Zehn Tipps für die entspannte Teamarbeit mit den Mini-Köchen:


Die Altersfrage

Es gibt sehr vernünftige Dreijährige und äußerst chaotische Sechsjährige. Sie können selbst am besten ein­schätzen, was Sie Ihrem kleinen Beikoch schon zutrauen. Hier eine Orientierungshilfe:

  • 1,5 bis 2 Jahre: zum Beispiel Gemüse, Obst oder Salat in einer Schüssel waschen, Zutaten bringen, den Hefeteig kneten
  • 2,5 bis 3 Jahre: zum Beispiel mit einem Buttermesser Bananen­scheiben ­schneiden, mit Mama oder Papa­ im Kochtopf rühren
  • 4 Jahre: zum Beispiel Sahne in die Soße gießen, Gewürze und Kräuter hinzu­geben, festeres Gemüse schneiden
  • 5 bis 6 Jahre: zum Beispiel mit Mamas Hilfe das Handrührgerät halten, Zucker oder Mehl ab­wiegen, mit dem Sparschäler Kartoffeln schälen

Geschmacksabenteuer

Kochen ist die perfekte Gelegenheit, um den Gaumen der Kleinen an verschiedenste Erlebnisse zu gewöhnen. Lassen Sie sie ­Gemüse erst roh, dann gekocht probieren. Oder gegartes Hühnchen erst­ ­un­gewürzt, dann mit Salz und Pfeffer. "Will ein Kind aber bestimmte Lebensmittel partout nicht essen, würde ich es nicht dazu zwingen", rät Christel Dhom. Manchmal überwindet aber ein Rohkostverweigerer ­seine Gemüsephobie, wenn er beim Zubereiten helfen darf.


Christel Dhom ist Heilpädagogin in Otterberg und Autorin eines Buches mit Rezepten und Geschichten zum Kochen mit Kindern

W&B/Privat

Vorsicht, scharf!

Da hält man erst mal die Luft an, wenn das Kind zum ers­ten Mal mit Messer oder Schäler hantiert. Doch je mehr man Kindern zutraut und je mehr man sie üben lässt, desto eher entwickeln sie Selbstsicherheit und Geschick. Wichtig: viel Zeit nehmen, den Kleinen erst mal vo­rführen, wie man richtig schneidet (immer vom Körper weg), sie deutlich darauf hinweisen, dass sie achtsam sein müssen, um sich nicht zu verletzen. "Wenn Sie Ihre Hand auf die des Kindes legen, in der es das Messer hält, können Sie sie behut­sam führen", so Christel Dhom. Anfangs bieten sich dafür weiche Lebensmittel an, je nach Geschicklichkeit und Alter dann auch festere Gemüse.


Nadia Röwe arbeitet als Ernährungswissenschaft- lerin beim aid Infodienst Ernährung, Landswirtschaft, Vebraucherschutz e. V. Bonn

W&B/Privat

Großreinemachen

Bereiten Sie sich nervlich schon mal darauf vor: ­Küche und Esszimmer sehen hinterher aus wie nach einem Tornado. Dann könnten Sie die Kleinen natürlich zum Spielen schicken, um das Chaos schnell selbst zu beseitigen. Besser ist es, von Anfang an zu vermitteln: Zum Kochen und Essen gehört es dazu, hinterher wieder Klarschiff zu machen.

Risiken im Blick

Stimmt schon, völlig ungefährlich ist es nicht, mit Kindern zu kochen. Trotzdem sollten
Sie und Ihre Kleinen sich den Spaß nicht nehmen lassen. Es ­gehört zum kindlichen Entwicklungsprozess, Risiken kennen- und einschätzen zu lernen. Bleiben Sie grundsätzlich dabei, und weisen Sie ruhig mehrmals eindringlich darauf hin, dass man sich durch Hitze und scharfe Klingen wehtun kann. Meist haben Kinder schon früh Respekt vor solchen Warnungen und sind vorsichtig. Wer zu wild mit dem Messer fuchtelt,­ bekommt es auch mal weggenommen.

Ganz gar?

Rohe Fisch- und Fleischwaren können Krankheitserreger enthalten. Streichen Sie Hackepeter, Carpaccio oder Sushi also vom kindlichen Menü-Plan. Verarbeiten Sie Hackfleisch möglichst noch am Tag des Einkaufs. Tipp von Nadia Röwe: "Wenn beim Braten der Fleischsaft klar ist und sich das Fleisch bei Geflügel durchgehend weiß, bei Schweinefleisch hellgrau und bei Rindfleisch braun gefärbt hat, ist es ausreichend gegart."

Ei – nur gekocht oder gebraten

Wie verlockend, den Kuchen­teig aus der Schüssel zu schlecken… Wenn die süße ­Masse aber rohe Eier enthält, ist Vorsicht geboten. "Sie könnten mit ­Salmonellen belastet sein. Da sich das Immunsystem von Kindern noch in der Entwicklung befindet, kann eine Salmonellener­krankung besonders gefährlich wer­den", gibt Nadia Röwe zu ­bedenken. Verzichten Sie daher auch besser auf kalte Desserts mit untergeho­benem Eischnee sowie auf selbst­hergestellte Soßen mit rohem Ei, wie Mayonnaise.

Fünfmal sauber bleiben

Die wichtigsten Hygiene­regeln für Nachwuchsköche:

  • Vor dem Kochen Hände gründlich mit Seife waschen, auch zwischen den Fingern. Gut abtrocknen.
  • Armbänder, Uhren oder Ringe abnehmen, eine Schürze umbinden.
  • Kleine Kinder sollten noch gar nicht mit rohem Fleisch oder Fisch hantieren, ­größere müssen sich vorher und danach immer gründlich die Hände waschen sowie das benutzte Schneidebrett und die Messer austauschen.
  • Küchenabfälle wie Eierschalen werden sofort weggeworfen, alles, was auf den Boden fällt, landet ebenfalls im Müll.
  • Wer abschmecken will, nimmt dafür ­einen frischen Löffel und wäscht ihn danach ab. Sonst können Keime ins Essen gelangen.

Motivations-Coach Mama

"Ich hab keine Lust mehr!" Gerade kleine ­Kinder tun sich schwer, längere Zeit bei der ­Sache zu bleiben. Da helfen kurze Spiele zwischendurch. Zum Beispiel: Zutaten unter einem Geschirrtuch verstecken – und das Kind ertasten lassen, wo Tomate, Sellerie oder Birne liegen. "Kinder reagieren aber auch frustriert, wenn man sie zu viel bevormundet oder sie spüren, dass die Eltern selbst nicht mit Spaß dabei sind", sagt Chris­tel Dhom. "Kochen Sie also nur mit den Kleinen, wenn Sie wirklich Lust darauf haben – und ohne Zeitdruck."

Gut ausgestattet

Ideal ist es, Ihrem Kind einen kleinen Arbeitsplatz einzurichten. Ein ­eigener Tisch mit einem standfesten Stuhl oder Hocker, eine rutschfeste Unterlage. Vor allem beim Schneiden sollten die Kleinen sitzen. ­Räumen Sie in einem Unterschrank ein Regal frei, und stellen Sie dort griffbereit Plastik­­schüsseln, Kochlöffel und Co. hinein. Eine lustig ­bedruckte Kinderschürze ist das Sahnehäubchen für Nachwuchsköche!

Chili, Ingwer, Knoblauch?

Heute Thai-Curry, morgen Gyros: Wir wünschen uns Abwechslung auf dem Teller und lieben es würzig. Aber ist das auch gut und gesund für unsere Kinder? "Man kann sie nach dem ersten Lebensjahr ruhig langsam an solche Geschmäcker heranführen", sagt Nadia Röwe. "Aber weil Kinder Gewürze intensiver wahrnehmen als Erwachsene, brauchen sie nur wenig davon." Am besten ­würzen die Eltern auf dem eigenen Teller nach. Vor allem mit Schärfe in Chili oder Cayennepfeffer vorsichtig sein und langsam herantas­ten, das kann sonst schmerzhaft werden! Bei intensiv schmeckenden Zutaten wie Nelken, Kardamom, Kümmel oder Kerbel verziehen viele Kinder erst mal das Gesicht. Da reicht eine Mini-Prise.



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