Tipps: So isst Ihr Kind mehr Gemüse

Man könnte meinen, Obst und Gemüse sind ungenießbar. So sehr verschmähen manche Kinder alles Bunte auf dem Teller. Wie Eltern kleine Essensverweigerer überzeugen
von Tina Haase, aktualisiert am 07.08.2017

Darf das Kind mit auf den Markt, probiert es sicher gerne mal vom frischen Gemüse

Thinkstock/Stockbyte

Auf dem Teller muss was Ekelerregendes liegen. Lauter feuerrote, kugelrunde Dinger. Da rümpft das Kind die Nase, verschränkt die Arme und sagt trotzig: "Das ess ich nicht." Ein Schubs gegen den Teller, die Tomaten kullern über den Tisch. Vitamin-Mission missglückt!

Eltern kennen solche Szenen. Kinder haben anscheinend den Eindruck, dass alles, was die Großen als gesund anpreisen, unmöglich gut schmecken kann. "Genau deswegen sollten ­Eltern Essen nicht ständig zum Thema machen", sagt Ernährungsberaterin Anika Bokelmann vom Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. Sonst liefern sie dem Nachwuchs nämlich die beste Vorlage für Machtspiele.

Anika Bokelmann ist Ernährungsberaterin am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover

/Marcel Domeier

Bei Ablehnung gelassen bleiben

Dieser merkt, dass den Eltern gesundes Essen wichtig ist. Verschmähen es die Kinder, bekommen sie die ganze Aufmerksamkeit. Im Nullkommanichts ist dieses "Ich esse aber keine Tomaten" eine blöde Angewohnheit. Mutter oder Vater reagieren also besser gar nicht auf solche Marotten.

Dann bleiben die Tomaten halt auf dem Teller. Oder man isst sie dem Kind einfach mal vor der ­Nase, schwups, weg: "Willst du die Tomaten nicht? Mmmh, lecker, dann esse ich sie." Dem Kind fehlt nun etwas, was sein Vorbild offensichtlich gern isst. Vielleicht ein Anreiz fürs nächste Mal.

Dr. Annette Lingenauber ist Kinder- und Jugendärztin und praktiziert in Hamburg

W&B/Privat

Selbst entscheiden macht Laune

Und wie kriegt man Kinder nun dazu, Obst und Gemüse zu essen? "Meist mögen Kinder lieber Rohkost als gekochtes Ge­müse. Und sie lieben es, sich selbst auf dem Markt etwas auszusuchen", so die Expertin. Auch das Zubereiten macht den Kindern Spaß und weckt Interesse. Die Kleinen können zum Beispiel Erdbeerpüree in den Joghurt rühren, die Größeren helfen beim Gemüseputzen und -schneiden und beim Kochen.

"Obst und Gemüse gehört ganz selbstverständlich zu jeder Mahlzeit dazu", sagt die Ernährungsberaterin. Greifen die Eltern zu, pro­bieren meist auch die Kinder. Rühren Mutter oder Vater nichts von der gesunden Kost an, werden auch die Kleinen nicht zulangen. "Probieren zählt", sagt die Expertin. "Denn erst, wenn sie 21-mal etwas gekos­tet haben, können sie entscheiden, ob sie es mögen oder nicht." Natürlich kann es sein, dass der eine keine Tomaten mag und der an­dere keine Ananas. Zudem durchlaufen Kinder verschiedene Phasen. Mal verschmähen sie Karotten, aber Gurken sind okay. Mal ist die Banane in und die Birne out. "Das ist völlig normal. Wichtig ist es, immer wieder verschiedene Sorten Obst und Gemüse anzubieten. Ohne Druck", sagt Kinder- und Jugendärztin Dr. Annette Lingenauber aus Hamburg.

Bunt essen wird zum Spiel

Viele Kinder haben vier Favoriten, hat Anika Bokelmann beobachtet: Gurke, Birne, Apfel und Banane. "Eine super ­Mischung. Denn da sind alle Farben dabei. Und das bedeutet, dass verschiedene gesundheitsfördernde Stoffe darin stecken", erklärt die Ernährungsberaterin. Bunt essen ist ­also ein kindgerechter Trick, den sich Eltern ungefähr so zunutze machen können: "Dein Teller sieht aber langweilig aus, da fehlen noch ein paar Farben."

Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, lautet die Empfehlung. ­Manche Eltern bekommen sofort ein schlechtes Gewissen, wenn sie das hören, weil sie glauben, dass ihr Kind nicht so viel isst. Das stimmt aber meist gar nicht, sind sich die beiden Expertinnen einig. "Eine Portion ist das, was in die Hand des Kindes passt", sagt Anika Bokelmann. Und was ist das zum Beispiel bei Ein- bis Dreijährigen? "Zwei Cocktail­tomaten oder eine Erdbeere oder ­eine dicke Scheibe ­Gurke oder ein Apfelschnitz oder drei ­Wein­trauben. Das insgesamt ­wäre schon die empfohlene Tagesration. Aber auch Tomaten­soße, Möhren­suppe, Bohneneintopf oder Gemüse auf der ­Pizza zählen mit bei der Rechnung.

Versorgung mit Nährstoffen meist kein Problem

Kinderärztin Lingenauber gibt entsprechend Entwarnung bezüglich der benötigten Nährstoffe: "Die meisten Kinder sind gut versorgt." Zu Mangelerscheinungen komme es nur sehr selten. Aufmerksam sollten Eltern werden, wenn das Kind nicht richtig wächst, häufig Verstopfungen hat, ständig blass oder müde ist. In diesen Fällen bitte den Kinderarzt aufsuchen.

Und was ist mit hartnäckigen Obst- und Gemüsemuffeln? "Hier dürfen Eltern ein wenig mogeln", sagt Anika Bokelmann. Da wird die Tomatensoße zur Feuerwehrsauce, in den Kuchen wandern Äpfel und Karotten und aus pürierten Früchten wird Eis. "Ich kenne kein Kind, das all diese Sachen verschmäht", so die Expertin.

Rezepte: Vitamine für Anfänger

  • Gemüsespieß: Es eignen sich zum Beispiel Gurkenstücke, Cocktailtomaten und bunte Paprikastreifen. Gemüse schneiden und in Schüsseln bereitstellen. Nun dürfen die Kinder mit einem Holzstäbchen die Stücke aufspießen. Wer hat den buntesten Spieß? Und welcher ist zuerst aufgegessen?
  • Zauberapfel: Kerngehäuse mit einem Apfellochstecher heraus­holen. Dann mit der Messerspitze im Zickzack rund um den Apfel schneiden. Das Kind bekommt die Frucht nun im Ganzen. Es kann sich selbst einen halben Apfel zaubern, ­­indem es die obere Hälfte abnimmt.
  • Sommer-Smoothie (für 4 Personen): Frisch und fruchtig: Dieser Drink ist genau die richtige Zwischenmahlzeit für den Sommer. Eine Ba­nane, drei Aprikosen, ­eine halbe Gurke und fünf Blätter frische Minze pürieren. Nach Belieben noch ein wenig Wasser dazugeben und umrühren. Fertig ist der ge­sunde Drink, der Kleinen und Großen schmeckt.
  • Erdbeereis (für 4 Personen): 300 Gramm TK-Erdbeeren oder andere ­Früchte pürieren. Drei Ess­löffel Zucker und 300 Milli­liter Joghurt dazugeben. Gut durchmixen, bis ­eine cremige Masse entsteht, danach tiefkühlen. Später Eis in Schüsseln verteilen und genießen.

Lesen Sie auch:

Kochen mit Kids

Welche Nährstoffe brauchen Kinder? »

Kinder wachsen noch. Dazu brauchen sie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Welche das zum Beispiel sind, wo sie vorkommen »

Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Wann ist Ihr Kind gelaufen?

War die Geburt für Sie traumatisch?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages