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So nimmt Ihr Kind ab

Diäten sind nichts für Kinder! Doch was, wenn das Kleine zuviel auf die Waage bringt? Der richtige Umgang mit dem Essen hilft. Eine Ernährungsexpertin sagt, wie das geht


Gesunde Ernährung macht Spaß! Lassen Sie Ihr Kind beim Kochen helfen

Immer mehr Kinder tragen zu viele Pfunde mit sich herum. Ursachen sind vor allem mangelnde Bewegung und eine ungesunde Ernährung: Die Kleinen essen zu viel, zu fett und zu süß. Doch wie können Eltern ihre übergewichtigen Kinder auf dem Weg zu mehr Leichtigkeit unterstützen?

Agnes Streber, Ernährungswissenschaftlerin, Familientherapeutin und Entwicklerin des KinderLeicht-Abnehmprogramms, erklärt, wie die Gewichtsveränderung klappt und was Eltern wissen sollten.


Frau Streber, Studien besagen immer wieder, dass Kinder aus bildungsärmeren Schichten öfters übergewichtig seien. Stimmt das?

Ja, diese Kinder sind tatsächlich häufiger adipös. Doch Kinder, die zu viel wiegen, gibt es in jeder Bildungsschicht.

Warum sind Kinder schon zu dick?

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung spielen natürlich eine große Rolle. Aber wir haben auch festgestellt, dass der Body-Mass-Index des Kindes oftmals mit dem der Eltern zusammenhängt: Nehmen die Mutter oder der Vater ab, verliert auch das Kind an Gewicht. Nimmt die Mutter zu, tut es auch das Kind. Nimmt allerdings der Vater zu, ist dies beim Kind nicht der Fall. Wir vermuten, dass Kinder sich mit ihrem Essverhalten häufig an dem der Mutter orientieren, da Mutter und Kind in der Regel mehr Zeit miteinander verbringen – auch bei den Mahlzeiten. Hinzu kommen die psychischen Hintergründe. Wenn wir das Übergewicht als Symptom sehen, liegen dem eine Reihe von psychischen Ursachen zugrunde.

Hilft es, den Nachwuchs aufzufordern, weniger zu essen?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Eltern sollten ihrem Kind keine Vorwürfe machen! Ständige Ermahnungen bei Tisch, weniger zu essen, rufen lediglich den Widerstand des Kleinen hervor. Es nimmt sich immer mehr und kommt so in einen regelrechten Teufelskreis. Es gilt vielmehr Veränderungsmodelle zu entwicklen, wie zum Beispiel das Kind mal fragen, wie ist denn heute dein Hunger: groß, mittel, klein? Und was wäre die richtige Portionsmenge.

Wie kann ich mein Kind auf dem Weg zu mehr Leichtigkeit wirklich unterstützen?

Die Eltern sind immer Vorbild. Sie sollten sich zum Beispiel fragen: Welche Esskultur lebe ich selber? Wie wird in der Familie ausgewogene Ernährung gestaltet und genossen? Ändern Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten. Kaufen Sie Gesundes ein und lassen Sie das Kind daraus wählen. Wichtig ist, dass alle Familienmitglieder bei der Veränderung der Lebens- und Essgewohnheiten mit einbezogen werden. Langfristiges Abnehmen bedeutet eine Zunahme an Lebensgenuss.

Also in Zukunft Apfelschnitze statt Schokolade?

Natürlich darf das Kind ab und zu auch mal ein Stückchen Schokolade oder ein paar Gummibärchen naschen. Doch Eltern sollten dabei klare Grenzen setzen nach dem Motto: "Ja, du darfst davon etwas nehmen, aber nur so viel."


Wie mache ich meinem Kind gesundes Essen schmackhaft?

Kinder sind von Geburt an Genießer und neuigerig auf die verschiedenen Speisen. Kochen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind. Trauen Sie ihm etwas zu! Den meisten Kindern macht es riesigen Spaß, gemeinsam mit Mama oder Papa zu kochen. So bekommen sie ein Gefühl fürs Lebensmittel, probieren öfter Neues aus und die Sinne werden trainiert. Wichtig ist, dass die Lebensmittel qualitativ hochwertig und naturbelassen sind. Denn wenn es schmeckt, erhöht sich der Genuss und wir sind achtsamer bezüglich unseres Sättigungsgefühls.

Auch wenn zu Hause Gesundes auf den Tisch kommt: Spätestens am Schulkiosk lauern fettes Gebäck, Pizza und Schokoriegel auf den Nachwuchs. Für Kinder nicht einfach, da standhaft zu bleiben.

Das ist in der Tat ein Problem. Fragen Sie Ihr Kind deshalb immer wieder, wie das Pausenbrot sein muss, damit es ihm wirklich schmeckt und es nichts vom Kiosk will. Falls es gar nicht anders geht, schließen Sie einen Kompromiss mit Ihrem Sprössling: Zweimal pro Woche darf es sich etwas beim Kiosk kaufen. Allerdings gibt es dann statt einer Fruchtsaftschorle nur Wasser zu trinken. Und man muss einfach auch sagen, dass die ständigen Verführungen mit dem Essen Kinder überfordert. Die Esskultur in Schulen muss dringend überdacht werden.

Manche Familien essen lieber vor dem Fernseher als gemeinsam am Familientisch ...

Zum Essen sollte man sich an den Tisch setzen und nicht vor den Fernseher. Essen ist Genuss und das geht nicht nebenbei. Und: Besprechen Sie bei Tisch bitte keine Problemthemen. Denn das nimmt den Genuss und die Kinder verbinden die schlechte Stimmung automatisch mit den Speisen.

Welche Rolle spielt Bewegung?

Sport ist natürlich auch für Kinder wichtig. Aber Kinder bewegen sich sowieso sehr gerne. Es macht ihnen Spaß, mit Freunden herumzutollen. Gut ist es, wenn das Kind einmal pro Woche eine Sportart ausübt, die ihm wirklich Freude macht. Und bitte ohne Leistungsdruck! Mehr Bewegung lässt sich auch prima in den Alltag einbauen. Das Kind kann beispielsweise zur Schule laufen oder den Mülleimer ausleeren. Die Wochenden sind dann für gemeinsame Familienaktivitäten wie eine Fahrrad-Tour reserviert.



Vanessa von Blumenstein / www.baby-und-familie.de; 05.03.2010, aktualisiert am 12.03.2012
Bildnachweis: W&B/Christine Schneider

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