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Schwangerschaft: Was darf ich essen?

Beruhigend: Schwangere dürfen fast alles essen. Nur auf bestimmte Lebensmittel sollten sie lieber verzichten


Auch in der Schwangerschaft sollte Essen ein Genuss sein

Sie haben gerade eben von der Schwangerschaft erfahren? Oft kreisen die Gedanken dann schon bald ums richtige Essen. Klar ist jetzt gesunde Ernährung angesagt. Viel Obst und Gemüse, regelmäßig Fisch und Fleisch sowie fettarme Milch und Milchprodukte gehören in den nächsten Monaten auf den Speiseplan.

Aber dann gibt es noch die Dinge, auf die man besser verzichten sollte. Und da fängt es meistens an, schwierig zu werden: „Viele vermeintlich gute Tipps verunsichern mehr, als dass sie nützen“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Maike Groeneveld aus Bonn. Das Problem: In so manchen verlockend aussehenden Lebensmitteln können sich Erreger wie Listeria monocytogenes und Toxoplasma gondii tummeln. Gesunden machen sie meist nichts aus. „Schwangere befinden sich aber in einem besonderen körperlichen Zustand und sind anfälliger für Infektionen“, erklärt Dr. Lüppo Ellerbroek, Lebensmittelhygieniker am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken ist insgesamt jedoch sehr gering.

Gefährliche Infektionen möglich

So registrierte das Robert-Koch-Institut im Jahr 2012 insgesamt 27 Fälle von Listerien-Infektionen bei Schwangeren in Deutschland. Gefährlich ist die Erkrankung vor allem für das Baby, auf das die Infektion übergehen kann. 2012 waren 25 Neugeborene betroffen. Neugeborenen-Listeriose geht mit einer Hirnhautentzündung und Blutvergiftung einher. „30 bis 40 Prozent der Kinder sterben daran“, so der Experte. Von den 27 oben genannten Fällen kamen 7 Kinder als Frühgeburt auf die Welt, es gab zwei Totgeburten und eine Fehlgeburt.

Auch an Toxoplasmose erkranken deutschlandweit nur etwa 20 Schwangere pro Jahr, doch auch hier kannn die Infektion für das Baby lebensbedrohlich werden. Gut zu wissen: Gefährlich ist nur die Erstinfektion in der Schwangerschaft. Wer die Erkrankung vorher schon durchgemacht hat, ist immun. Das trifft etwa auf jeden Zweiten zu. Ob man in der Vergangenheit bereits eine Infektion hatte, lässt sich mit einem Toxoplasmose-Test beim Frauenarzt herausfinden, der allerdings meist selbst bezahlt werden muss.

Welche Lebensmittel können also problematisch sein? Was darf man als Schwangere bedenkenlos essen? Wir haben Experten gefragt.



Milch, Joghurt und Käse liefern wertvolles Kalzium. Auf Rohmilchprodukte sollten Schwangere jedoch verzichten

Milch und Milchprodukte

Rohe Milch und daraus hergestellte Schnitt- und Weichkäse wie Brie, Romadur, Roquefort oder Camembert können Listerien enthalten. Deshalb sollten sie jetzt tabu sein. Woraus der Käse hergestellt wurde, steht auf dem Etikett. „Jeder Rohmilch-Käse muss laut EU-Richtlinie gekennzeichnet sein“, sagt Maike Groeneveld. Käse aus pasteurisierter Milch – dazu gehören zum Beispiel Gouda, Butterkäse und Edamer – bieten eine sichere Alternative. Aber: Bitte die Rinde entfernen! Dort sammeln sich bevorzugt gefährliche Bakterien an.

Hartkäse ist unbedenklich

Parmesan, Appenzeller oder Emmentaler sind Hartkäse, die zwar aus Rohmilch hergestellt wurden, aber dennoch unbedenklich sind. „Durch die langen Reifungsvorgänge sind die Listerien abgestorben“, erklärt Ellerbroek.

Auch bei Sauermilchkäse wie Harzer Roller, Handkäse oder Korbkäse besteht ein Listeriose-Risiko. Ebenso sollten Sie Weichkäse mit Rotschmiere (Limburger, Munster, Romadur) meiden. Gleiches gilt für eingelegten Käse oder Frischkäse aus offenen Gefäßen in der Kühltheke (z.B. Feta, Schafskäse oder Mozzarella). Groeneveld rät: „Da man bei offener Thekenware nie sicher sein kann, ob diese hygienisch behandelt wurde, sollten Schwangere vorsichtshalber zu industriell hergestelltem und abgepacktem Käse greifen.“ Dann sind auch Feta oder Schafskäse erlaubt.



Fisch liefert gesunde Omega-3-Fettsäuren. Doch nicht jede Zubereitungsart ist für Schwangere geeignet

Fisch und Meeresfrüchte

Roher Fisch kann durch die Verarbeitung und Lagerung mit Listerien oder Toxoplasmen belastet sein. Deshalb raten die Experten Schwangeren, besser auf Gerichte wie Sushi, Fisch-Carpaccio oder Sashimi zu verzichten. Auch rohe Meeresfrüchte wie Austern sollten nicht auf ihrem Speiseplan stehen.

Fisch sollte ausreichend erhitzt worden sein

Nicht durchgegarte Fischprodukte wie Räucherlachs oder Graved Lachs können ebenfalls Listerien enthalten. „Speziell vakuumverpackte Produkte bieten den Bakterien auch bei Kühlung gute Wachstumsbedingungen“, so Ellerbroek. Besser und sicherer: ausreichend erhitzter Fisch, Brat- und Kochfischwaren – etwa Brathering, Hering in Gelee oder Tomatensoße, Rollmops – oder heiß Geräuchertes wie Bückling, Räucheraal und -forellen. Durch das Erhitzen sterben die schädlichen Erreger ab.

Aufpassen heißt es auch bei Fischen mit einer erhöhten Quecksilberbelastung. Nehmen Sie diese nur sehr selten zu sich. Zu den betroffenen Arten gehören Thunfisch und seine Erzeugnisse sowie Schwertfisch und Steinbeißer.



Fleisch liefert wertvolles Eisen und Eiweiß. Mit fetter Wurst sollten Schwangere jedoch sparsam umgehen

Fleisch und Wurstwaren

Listerien und Toxoplasmen stecken vor allem auch in rohem Fleisch. Essen Sie daher möglichst nur Durchgebratenes oder -gegartes. Auch Rohfleischerzeugnisse wie Mett, Hackepeter oder Tatar können die Erreger enthalten und sollten tabu sein. In rohem Fleisch befinden sich manchmal zudem Salmonellen. Eine Salmonellose kann mit schweren Durchfällen einhergehen und eine Frühgeburt auslösen.

Gereifte Rohwurst ist erlaubt

Salami, Cervelatwurst oder Cabanossi sind zwar Rohwürste, Sie können sie aber essen. „Schnittfeste Rohwurst reift lange Zeit. Durch das Nitritpökelsalz und das Trocknen werden die Erreger zerstört“, erklärt Groeneveld. Anders bei streichfähiger Rohwurst (zum Beispiel Zwiebelmett- oder Teewurst). Sie reift nicht lange genug, daher besteht ein Listerioserisiko. Rohe Pökelfleischerzeugnisse wie Lachs- und Parmaschinken oder Räucherspeck gehören zu jenen Lebensmitteln, die Sie besser meiden sollten. Wurstsorten, die unter Erhitzung hergestellt wurden, wie Fleischwurst, Mortadella, gekochter Schinken und Leberwurst, sind dagegen erlaubt.

Wichtig: „Wurstwaren sollten gut gekühlt aufbewahrt und bald verzehrt werden“, rät Ellerbroek. Achten Sie auf gute Hygiene in Küche und Kühlschrank. Verzichten Sie im ersten Schwangerschaftsdrittel besser auf Leber. Bereits kleine Mengen Kalbs- oder Schweineleber enthalten mehr Vitamin A als empfohlen und können das Ungeborene schädigen. Leberwurst oder -pastete enthält pro Portion nur 1,5 Milligramm Vitamin A. Maximal drei Milligramm pro Tag – also 60 Gramm Leberwurst – können Sie bedenkenlos genießen.



Obst und Gemüse: Auf frische Ware achten und vor dem Verzehr gründlich waschen

Obst und Gemüse

Möglichst frisch zubereiten und gründlich reinigen, heißt die Devise, wenn Sie Salat, rohes Obst und Gemüse essen. „Von abgepackten Misch- oder Krautsalaten oder Obststücken von der Kühltheke würde ich die Finger lassen“, sagt Groeneveld. Beim Verarbeiten und während der Lagerung können auch hier Listerien eindringen. Am besten: Sie bereiten Obst und Gemüse selbst aus den ganzen Früchten zu. Sprossen und Keimlinge sollten Sie immer erhitzen.

Waldpilze nur in kleinen Mengen

Waldpilze können einen erhöhten Gehalt an Schadstoffen aufweisen. Die Ernährungsexpertin: „Gelegentlich in kleinen Mengen sind Waldpilze unproblematisch. Eine schadstoffärmere Variante sind Zuchtpilze.“

Manche Kräuter und Gewürze wie Petersilie, Liebstöckel, Zimt und Süßholz sollen die Gebärmutter stimulieren können, sodass theoretisch eine Frühgeburt möglich ist. Diese Wirkung entfalten sie allerdings nur, wenn man sie in großen Mengen isst. Zum Würzen eines Gerichts sind sie unproblematisch. Gleiches gilt für zwei, drei Tassen Tee mit Süßholzwurzel.



Für Schwangere tabu: Alkohol und Nachspeisen mit rohem Ei

Alkohol und Desserts

Alkohol in der Schwangerschaft ist tabu. Gilt das auch für die Kirschlikörpraline zwischendurch? Im Prinzip schon. Aber: „Eine Praline von 10 bis 20 Gramm enthält maximal ein Gramm Alkohol“, erklärt Groeneveld. „Bei dieser geringen Menge ist eine schädliche Wirkung praktisch ausgeschlossen, solange Schwangere sehr selten und nur wenig von den Pralinen naschen.“

Problematisch sind Speisen mit rohen Eiern. Sie können Salmonellen enthalten. Daher heißt es bei Tiramisu und Mousse au Chocolat: „Wurden sie mit rohen Eiern hergestellt, sollten Schwangere darauf verzichten“, so die Expertin. Besser: für die Desserts Rezepte ohne Rohei verwenden oder industriell hergestellte Süßspeisen nehmen, für die kein Rohei verwendet wird. Gleiches gilt für Mayonnaise, Eiscreme oder Salatdressings.




Bildnachweis: Thinkstock/istock, Panthermedia/Carmen Schneider, Thinkstock/Hemera, Thinkstock/Photo.com, Thinkstock/iStockphoto, Thinkstock/Comstock Images

Peggy Elfmann / Baby und Familie; aktualisiert am 09.07.2014, erstellt am 14.07.2010
Bildnachweis: Thinkstock/istock, Panthermedia/Carmen Schneider, Thinkstock/Hemera, Thinkstock/Photo.com, Thinkstock/iStockphoto, Thinkstock/Comstock Images

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