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Schwangerschaft: Was darf ich essen?

Beruhigend: Schwangere dürfen fast alles essen. Nur auf bestimmte Lebensmittel sollten sie lieber verzichten


Auch in der Schwangerschaft sollte Essen ein Genuss sein

Sie haben gerade eben von Ihrer Schwangerschaft erfahren? Oft kreisen die Gedanken dann schon bald ums richtige Essen. Klar ist jetzt gesunde Ernährung angesagt. Viel Gemüse und Obst, täglich Milchprodukte und regelmäßig Fisch und Fleisch gehören in den nächsten Monaten auf den Speiseplan.

Aber dann gibt es noch die Dinge, auf die man besser verzichten sollte. Und da fängt es meistens an, schwierig zu werden: „Viele vermeintlich gute Tipps verunsichern mehr, als dass sie nützen“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Maike Groeneveld aus Bonn. Das Problem: In so manchen verlockend aussehenden Lebensmitteln können sich Erreger wie Listeria monocytogenes und Toxoplasma gondii befinden. Den meisten Menschen machen sie nichts aus. „Schwangere und ihr ungeborenes Kind befinden sich aber in einem besonderen körperlichen Zustand und sind anfälliger für bestimmte Infektionen“, erklärt Prof. Dr. Lüppo Ellerbroek, Lebensmittelhygieniker am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken ist insgesamt jedoch sehr gering, wenn man bestimmte Lebensmittel meidet.

Auch das Baby kann sich infizieren

So registrierte das Robert Koch-Institut in den vergangenen Jahren durchschnittlich pro Jahr mehr als 300 Listerien-Infektionen beim Menschen. Gefährlich ist die Erkrankung vor allem für Ungeborene, auf die die Infektion in der Schwangerschaft übergehen kann. In etwa acht Prozent der oben genannten Fälle waren Neugeborene betroffen. Neugeborenen-Listeriose geht mit einer Hirnhautentzündung und Blutvergiftung einher.

Auch an Toxoplasmose kann das Ungeborene schon im Mutterleib erkranken, wenn sich die werdende Mutter während der Schwangerschaft infiziert. Das kann für das Baby lebensbedrohlich werden. Gut zu wissen: Gefährlich ist nur die Erstinfektion in der Schwangerschaft. Wer die Erkrankung vorher schon durchgemacht hat, ist immun. „Bei Menschen um die 30 trifft das auf rund 30 Prozent zu“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Groeneveld. Ob man in der Vergangenheit bereits eine Infektion hatte, lässt sich mit einem Toxoplasmose-Test beim Frauenarzt herausfinden, der allerdings meist selbst bezahlt werden muss.

Sowohl Listerien als auch Toxoplasmoseerreger können durch Lebensmittel übertragen werden. Welche Lebensmittel können also problematisch sein? Was darf man als Schwangere ohne Bedenken essen? Wir haben Experten gefragt.



Milch, Joghurt und Käse liefern wertvolles Kalzium. Auf Rohmilchprodukte sollten Schwangere jedoch verzichten

Milch und Milchprodukte

Rohe Milch und daraus hergestellter Käse – mit Ausnahme von Hartkäse wie Emmentaler – kann Listerien enthalten. Deshalb sollten sie jetzt tabu sein. Woraus der Käse hergestellt wurde, steht auf dem Etikett. „Jeder Rohmilch-Käse muss laut EU-Richtlinie gekennzeichnet sein“, sagt Maike Groeneveld. Schnittkäse aus pasteurisierter Milch – dazu gehören zum Beispiel Gouda, Butterkäse und Edamer – bieten eine sichere Alternative. Aber: Bitte die Rinde entfernen! Dort sammeln sich bevorzugt gefährliche Bakterien an.

Hartkäse ist unbedenklich

Hartkäse aus Rohmilch ist unbedenklich, wenn er durch die langen Reifungsvorgänge stark abgetrocknet ist – zum Beispiel Parmesan. „Auf sehr trockenen Lebensmitteln können sich Listerien nicht mehr vermehren“, erklärt Ellerbroek. Auf vorgefertigten Reibekäse sollten Schwangere allerdings vorsichtshalber verzichten, selbst wenn dieser aus Hartkäse hergestellt wurde. Durch Hygienemängel beim Reiben und Verpacken können Listerien auf den geriebenen Käse gelangen. Eine sichere Alternative ist, den Käse am Stück zu kaufen und direkt vor dem Verzehr frisch zu reiben.

Gemieden werden sollten auch alle Weichkäsesorten wie Camembert und Brie. Auch bei Sauermilchkäse wie Harzer Roller, Handkäse oder Korbkäse und Weichkäse mit Rotschmiere wie Limburger, Munster oder Romadur besteht ein Listeriose-Risiko. Gleiches gilt für eingelegten Käse oder Frischkäse aus offenen Gefäßen in der Kühltheke, zum Beispiel Feta, Schafskäse oder Mozzarella. Groeneveld rät: „Da man bei offener Thekenware nie sicher sein kann, ob diese hygienisch behandelt wurde, sollten Schwangere vorsichtshalber zu industriell hergestelltem und einzeln abgepacktem Käse greifen.“ Dann sind auch Mozzarella und Schafskäse sicher. Nach dem Öffnen sollte die Verpackung innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden.



Fisch liefert gesunde Omega-3-Fettsäuren. Doch nicht jede Zubereitungsart ist für Schwangere geeignet

Fisch und Meeresfrüchte

Roher Fisch kann durch die Verarbeitung und Lagerung mit Listerien, Salmonellen oder Viren belastet sein. Deshalb raten die Experten Schwangeren, besser auf Gerichte wie Sushi, Fisch-Carpaccio oder Sashimi zu verzichten. Auch rohe Meeresfrüchte wie Austern sollten nicht auf ihrem Speiseplan stehen.

Fisch sollte ausreichend erhitzt worden sein

Nicht durchgegarte Fischprodukte wie Räucherlachs oder Graved Lachs können ebenfalls Listerien enthalten. „Speziell vakuumverpackte Produkte bieten den Bakterien auch bei Kühlung gute Wachstumsbedingungen“, so Ellerbroek. Besser und sicherer: ausreichend erhitzter Fisch, Brat- und Kochfischwaren, die in Konserven angeboten werden – etwa Brathering oder Hering in Tomatensoße. Durch das Erhitzen sterben die schädlichen Erreger ab. Industriell hergestellte, pasteurisierte Fischmarinaden wie Bismarckheringe, Rollmöpse oder Hering in Gelee, die im Handel in der Kühltheke angeboten werden, sollten weit vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gekauft und innerhalb von zwei Tagen nach dem Kauf verbraucht werden.

Aufpassen heißt es auch bei Fischen mit einer erhöhten Quecksilberbelastung. Nehmen Sie diese nur sehr selten zu sich. Zu den betroffenen Arten gehören Thunfisch und seine Erzeugnisse sowie Schwertfisch und Steinbeißer.



Fleisch liefert wertvolles Eisen und Eiweiß. Mit fetter Wurst sollten Schwangere jedoch sparsam umgehen

Fleisch und Wurstwaren

Listerien und Toxoplasmen stecken vor allem auch in rohem Fleisch. Essen Sie daher möglichst nur Durchgebratenes oder -gegartes. Auch Rohfleischerzeugnisse wie Mett, Hackepeter, Tatar und Rohwürste wie Salami, Teewurst und Mettwurst können die Erreger enthalten und sollten tabu sein. Rohe Pökelfleischerzeugnisse wie Lachs- und Parmaschinken oder Räucherspeck gehören ebenfalls zu jenen Lebensmitteln, die Sie besser meiden sollten – es sei denn, Sie erhitzen sie, zum Beispiel in einer Sauce. Wurstsorten, die unter Erhitzen hergestellt wurden, wie Fleischwurst, Mortadella, gekochter Schinken und Leberwurst, sind dagegen erlaubt, wenn diese frisch sind.

Wichtig: „Wurstwaren sollten gut gekühlt aufbewahrt und bald verzehrt werden“, rät Ellerbroek. Achten Sie auf gute Hygiene in Küche und Kühlschrank. Verzichten Sie im ersten Schwangerschaftsdrittel besser auf Leber. Bereits kleine Mengen Kalbs- oder Schweineleber enthalten mehr Vitamin A als empfohlen und können das Ungeborene schädigen. Leberwurst oder -pastete enthält pro Portion nur 1,5 Milligramm Vitamin A. Maximal drei Milligramm pro Tag – also 60 Gramm Leberwurst – können Sie ohne Bedenken genießen.



Obst und Gemüse: Auf frische Ware achten und vor dem Verzehr gründlich waschen

Obst und Gemüse

Gründlich reinigen und möglichst frisch zubereiten, heißt die Devise, wenn Sie Salat, rohes Gemüse und Obst essen. „Von abgepackten Misch- oder Krautsalaten oder Obststücken aus der Kühltheke würde ich die Finger lassen“, sagt Groeneveld. Beim Verarbeiten und während der Lagerung können auch hier Listerien eindringen. Am besten, Sie bereiten Gemüse und Obst selbst aus den ganzen Früchten zu. Sprossen und Keimlinge sollten Sie immer erhitzen.

Waldpilze nur in kleinen Mengen

Waldpilze können einen erhöhten Gehalt an Schadstoffen aufweisen. Die Ernährungsexpertin: „Gelegentlich in kleinen Mengen sind Waldpilze unproblematisch. Eine schadstoffärmere Variante sind Zuchtpilze.“

Manche Kräuter und Gewürze wie Petersilie, Liebstöckel, Zimt und Süßholz sollen die Gebärmutter stimulieren können, sodass theoretisch eine Frühgeburt möglich ist. Diese Wirkung entfalten sie allerdings nur, wenn man sie in großen Mengen zu sich nimmt. Geringe Mengen, wie man sie üblicherweise zum Würzen eines Gerichts verwendet, sind unproblematisch. Gleiches gilt für zwei, drei Tassen Tee mit Süßholzwurzel – generell sollten Schwangere bei Kräutertees aber auf viel Abwechslung achten. Süßholz ist auch Bestandteil von Lakritze, weswegen Schwangere davon nur bis zu 50 Gramm am Tag genießen sollten.



Für Schwangere tabu: Alkohol und Nachspeisen mit rohem Ei

Alkohol und Desserts

Alkohol in der Schwangerschaft ist tabu. Gilt das auch für die Kirschlikörpraline zwischendurch? Im Prinzip schon. Aber: „Eine Praline von 10 bis 20 Gramm enthält maximal ein Gramm Alkohol“, erklärt Groeneveld. „Bei dieser geringen Menge ist eine schädliche Wirkung praktisch ausgeschlossen. Dennoch sollten Schwangere vorsichtshalber alkoholfreie Pralinen bevorzugen.“

Problematisch sind Speisen mit rohen Eiern. Sie können Salmonellen enthalten. Eine Salmonelleninfektion hätte zwar keine Auswirkungen auf das ungeborene Baby, ist aber für die werdende Mutter sehr unangenehm. Daher heißt es bei Tiramisu und Mousse au Chocolat: „Wurden sie mit rohen Eiern hergestellt, sollten Schwangere darauf verzichten“, so die Ernährungsberaterin. Besser: für die Desserts Rezepte ohne Rohei verwenden oder industriell hergestellte Süßspeisen nehmen, für die kein Rohei verwendet wird. Gleiches gilt für Mayonnaise, Eiscreme oder Salatdressings.


Weitere Informationen zur Ernährung in der Schwangerschaft finden Sie auf www.was-wir-essen.de* oder im entsprechenden Informationsblatt des aid infodienst zum Download: Schützen Sie sich vor Lebensmittelinfektionen in der Schwangerschaft*.

 

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Bildnachweis: Thinkstock/istock, Panthermedia/Carmen Schneider, Thinkstock/Hemera, Thinkstock/Photo.com, Thinkstock/iStockphoto, Thinkstock/Comstock Images

Peggy Elfmann / Baby und Familie; aktualisiert am 07.08.2014,
Bildnachweis: Thinkstock/istock, Panthermedia/Carmen Schneider, Thinkstock/Hemera, Thinkstock/Photo.com, Thinkstock/iStockphoto, Thinkstock/Comstock Images

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