Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren? Halten Sie sich während der Schwangerschaft lieber nicht an diesen Satz. Denn niemand kann sagen, ab welcher Menge Alkohol Schäden bei Ihrem Kind auftreten können.
Darf eine werdende Mutter überhaupt nichts trinken? Prof. Hermann Löser von der Universität Münster: „Es lässt sich keine für den Embryo sichere, unbedenkliche Menge angeben. Also kein Grenzwert, den man einhalten könnte, unterhalb dessen kein Schaden beim Kind zu befürchten ist.“ Löser ist Kinderarzt und Spezialist auf dem Gebiet der Alkoholschäden.
Früher nahm man an, dass eine Alkoholschädigung des Kindes nur bei „Alkoholikerinnen“ auftritt. Heute weiß man es besser. Langzeituntersuchungen haben gezeigt, dass auch bei dem gesellschaftlich völlig akzeptierten „geselligen Trinken“ in manchen Fällen Alkoholschäden beim Kind entstehen.
Statistisch können schon nach regelmäßigem Konsum von täglich 15 Gramm reinem Alkohol – das entspricht einem großes Glas Bier oder einem Glas Wein – Alkoholeffekte beim Kind erfasst werden. Gerade zu Beginn der Schwangerschaft gilt der gelegentliche, aber exzessive Alkoholgenuss als bedenklich. „Zwar ist gelegentlich ein Gläschen kein Grund zur Panik“, resümiert Prof. Löser. „Aber wer ganz sicher gehen will, sollte alkoholische Getränke in der Schwangerschaft ganz meiden.“
Die Dunkelziffer bei Alkoholschäden ist hoch
Etwa 2200 Kinder – eines von 250 – werden jährlich allein in Deutschland mit fetalem Alkoholsyndrom geboren. Auf bis zu 15000 pro Jahr wird offiziell die Zahl der Kinder geschätzt, die ohne körperliche Fehlbildung, aber mit geistigen Defiziten durch Alkoholschäden zur Welt kommen. Die Dunkelziffer ist hoch, denn viele Fehlentwicklungen verlaufen relativ diskret. Manche dieser Kinder bekommen später, im Kindergarten oder in der Schule, das Etikett „hyperaktiv“ und „aufmerksamkeitsgestört“ übergestülpt. „Leichte Alkoholschäden beim Kind werden oft nicht als solche erkannt“, weiß Prof. Löser. „Die Veränderungen können so gering sein, dass ein Laie anfangs einen Unterschied zum gesunden Kind nicht bemerkt. Wir sprechen dann von fetalen Alkoholeffekten, im Gegensatz zum voll ausgeprägten FAS.“
Der Schädigungsgrad beim Kind hängt im Wesentlichen vom Ausmaß des Alkoholmissbrauchs bei der Mutter ab. Der reicht vom Gelegenheitstrinken bis hin zu schwerer Alkoholabhängigkeit. Dementsprechend unterscheidet man bei den kindlichen Alkoholschäden leichte, mittlere und hohe Schweregrade (Grad I bis III). Die Übergänge sind fließend. Bei vielen Kindern ist die körperliche und geistige Entwicklung in gleichem Umfang verzögert. Bei anderen überwiegen Hirnleistungsschwächen oder Verhaltensstörungen, aber körperlich ist ihnen nichts anzumerken.
BabyUndFamilie.de; 05.08.2005, aktualisiert am 28.06.2010
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