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Kinder an Brei gewöhnen: So klappt es

Milch alleine macht Babys irgendwann nicht mehr satt. Mit unserem Fünf-Punkte-Programm gelingt der Wechsel zur festen Nahrung problemlos


Bitte nicht füttern: Viele Kinder möchten lieber alleine essen

Wenn das Kleine seinen ersten Brei bekommt, beginnt für viele Eltern die stressigste Zeit im ersten Lebensjahr. Zumindest empfinden sie es so. Denn nur wenige Kinder löffeln von Anfang an problemlos ihr Gemüse. Viel zu viel Neues gibt es zu lernen. Unsere Tipps helfen Müttern und Vätern, gelassen zu bleiben.

1. Den richtigen Zeitpunkt abpassen

Im Prinzip signalisieren Babys selbst, wann sie bereit zum Essen sind: Sie zeigen Interesse für die Dinge, die Mama und Papa zu sich nehmen, greifen nach den Lebensmitteln und wollen sich diese in den Mund stecken. Wichtige Voraussetzungen sind zudem, dass das Kleine seinen Kopf halten und bald sitzen kann. „Wer auf die Entwicklung seines Kindes achtet, wird diese Signale bemerken“, sagt Ute Alexy, Ökotrophologin am Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund. Ab dem Alter von vier bis sechs Monaten ist es bei den meisten Babys so weit. Länger sollten Eltern auch nicht abwarten, denn in dieser Zeit fällt es den Kleinen leichter, essen zu lernen. Außerdem weisen einige Studien darauf hin, dass dieses Zeitfenster ideal ist, um das Immunsystem der Kleinen mit potenziellen Allergieauslösern aus den Lebensmitteln zu konfrontieren und somit Allergien vorzubeugen.


2. An den Löffel gewöhnen

Babys sind von Natur aus neugierig. „Machen Sie sich das zunutze und lassen Sie Ihr Kind, schon einige Wochen bevor es losgeht, mit einem Plastiklöffel spielen“, rät Ute Fillinger, Referentin für Kindergesundheit bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln. Die Kleinen können ihn gut greifen und werden ihn begeistert mit dem Mund erkunden. Die Expertin empfiehlt Eltern auch, ihrem Kind die tägliche Vitamin-D-Tablette in Wasser aufgelöst mit einem Löffel zu geben: So sammelt es schon erste Erfahrungen damit, wie es sich anfühlt, etwas vom Löffel aufzunehmen und hinunterzuschlucken. Auch ein Schluck Tee oder Wasser, den die Kleinen hin und wieder vom Löffel bekommen, gewöhnt sie daran. Am besten eignen sich dafür schmale, abgeflachte Löffel.

3. Gut vorbereitet sein

So mal schnell zwischendurch lässt sich kein Baby füttern – schon gar nicht, wenn die Art des Essens auch noch neu ist. Planen Sie daher, gerade für die Anfangsphase, viel Zeit ein. Da die Kleinen die neue Esstechnik erst lernen müssen, geht oft Brei daneben. „Ziehen Sie sich und Ihr Kind deshalb vorher entsprechend an, dann haben Sie den Kopf frei fürs Füttern und denken nicht ständig an Flecken, die vielleicht nicht mehr aus der Kleidung rausgehen“, sagt Fillinger. Bewährt hat es sich, wenn Mama oder Papa das Baby zum Füttern so in den Arm nimmt, dass sein Köpfchen und Hals aufrecht sind und es Augenkontakt zu den Eltern hat. Meist machen Babys automatisch den Mund auf, sobald sich der Löffel nähert. Falls nicht, funktioniert oft folgender Trick: „Geben Sie etwas Brei auf die Lippen des Kindes, um es auf den Geschmack zu bringen“, sagt Fillinger. Viele Babys möchten den Brei auch mit ihren Fingern erkunden. Lassen Sie das ruhig zu, schließlich ist diese Art von Essen eine neue Erfahrung. Sinnvoll ist außerdem, einen zweiten Löffel bereitzuhalten. Denn manche Kinder schnappen sich den Fütterlöffel und geben ihn nicht wieder her.

4. Mit Gemüse starten

Als Einstiegsbrei empfiehlt das FKE den Gemüse-Brei, der später zum Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei erweitert wird. „Denn Milch alleine liefert auf Dauer nicht genug Eisen“, erklärt Alexy. Der Eisenspeicher, der bei Babys Geburt gefüllt ist, leert sich daher immer mehr. Gemüse, das süß schmeckt, wie zum Beispiel Karotte oder Pastinake, kommt bei den meisten Babys gut an. Eltern probieren am besten aus, was ihrem Nachwuchs schmeckt. Lediglich auf sehr nitratreiches Gemüse wie Spinat und Fenchel sollten sie am Anfang verzichten. „Das eignet sich erst, wenn der Brei auch mit Kartoffeln und Fleisch verdünnt wird“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

Sobald das Baby eine ordentliche Portion von seinem Gemüsebrei isst, dürfen auch schon die Kartoffeln und etwas später das Fleisch dazugegeben werden. Wer Gläschen füttert, sollte möglichst jeden Tag eines mit Fleisch nehmen, da sie nur einen geringen Fleischanteil enthalten. Zur Orientierung: Vier bis sechs Monate alte Babys brauchen pro Tag 20 Gramm Fleisch, zehn bis zwölf Monate alte 30 Gramm pro Tag. „Achten Sie außerdem auf den Fettgehalt des Breis. Er sollte acht bis zehn Milligramm betragen“, erklärt Alexy. Zum Ergänzen eignet sich hochwertiges Pflanzenöl, zum Beispiel kalt gepresstes Rapsöl (ein Teelöffel entspricht etwa vier Gramm).

Möchte ein Baby von Mamas und Papas Teller probieren, spricht nichts dagegen, solange es sich um Mini-Portionen handelt. Studien zeigen, dass Kinder, die schon früh verschiedene Geschmacksrichtungen kennengelernt haben, auch später eher neue Lebensmittel probieren. „Sobald der Nachwuchs im Hochstuhl sitzen kann, dürfen Sie ihm auch ein paar gekochte Nudeln auf seinen Teller geben und selbst essen lassen“, sagt Alexy. So gewöhnt er sich spielerisch an die neue Konsistenz des Essens. Sobald ein Kind morgens, abends und mittags Brei isst, braucht es dazu auch etwas zu trinken. Es spricht jedoch nichts dagegen, schon mit Beginn der Breizeit Wasser anzubieten.

5. Geduldig bleiben

Am Anfang ist es ganz normal, dass das Baby den Brei ausspuckt. „Es musste bisher nur saugen, das Essen vom Löffel klappt daher oft nicht auf Anhieb“, erklärt Fillinger. Hat ein Kind jedoch deutliche Schwierigkeiten beim Breiessen, sollten Eltern eine Pause einlegen und es eine Woche später wieder versuchen. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis das Kleine bereit ist. Einige Babys lassen sich aber auch lieber vom Papa füttern, schließlich haben sie bislang immer bei Mama Milch getrunken – und sind nicht so schnell bereit, sich umzugewöhnen.

Da die Kleinen, wenn sie richtig Hunger haben, sehr ungeduldig werden, kann auch das der Grund sein, wenn sie den Brei verweigern: Es dauert ihnen zu lange, bis sie etwas im Magen haben. „Auf keinen Fall sollten Eltern ihr Kind jedoch zum Essen zwingen“, sagt Ute Fillinger. Sind die Kleinen satt, signalisieren sie das sehr deutlich: Der Mund bleibt geschlossen, und sie drehen den Kopf zur Seite. Akzeptieren Sie das, auch wenn die Portion noch nicht aufgegessen ist. Kinder steigern die Breimenge meist langsam und haben – wie die Großen auch – nicht jeden Tag gleich viel Hunger.



Barbara Weichs / Baby und Familie; 13.04.2011
Bildnachweis: Strandperle Medien Services e.K./Juice Images

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