BfR-Studie: Kein Glyphosat in Muttermilch

Pflanzenschutzmittel in Muttermilch nachweisbar: Diese Nachricht hatte 2015 viele Frauen besorgt gemacht. Nun gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung Entwarnung

von idw / Daniela Frank, aktualisiert am 31.03.2016

Entwarnung durch das BfR: Babys bekommen kein Glyphosat über Muttermilch

Jupiter Images GmbH/Bananastock LTD

Eine vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Auftrag gegebene Studie hat ergeben, dass in Muttermilch keine Rückstände des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat nachweisbar sind. Das BfR beauftragte Forschungslabore, zwei unabhängige Analyseverfahren mit hoher Sensitivität zu entwickeln und damit 114 Muttermilchproben aus Niedersachsen und Bayern zu untersuchen. "Das Ergebnis zeigt, wie wichtig seriös durchgeführte wissenschaftliche Studien sind, um in der emotional geführten Debatte um Pflanzenschutzmittelrückstände Verbraucherinnen und Verbraucher nicht unnötig zu verunsichern", sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel.

Auslöser: Berichte über 16 Muttermilchproben

Im Juni 2015 berichteten Medien über Befunde von Glyphosat in 16 Muttermilchproben und bezeichneten diese Messergebnisse als "sehr besorgniserregend". Daraufhin hatten Mütter beim BfR angefragt, um sich über das angebliche Risiko durch Glyphosatrückstände in Muttermilch zu informieren.

Das BfR äußerte wisssenschaftliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Ergebnisse und gab eine eigene Studie in Auftrag. Denn wegen der physikalisch-chemischen Eigenschaften von Glyphosat war kein relevanter Übergang des Wirkstoffes in Muttermilch zu erwarten und, wie bei Kuhmilch, wissenschaftlich auch bisher nicht belegt. "Mit der Nahrung können Glyphosatrückstände aus Lebensmitteln in den Körper gelangen", sagt Dr. Roland Solecki vom BfR. "Ein geringer Teil davon wird über den Darm aufgenommen und über den Urin wieder ausgeschieden." Der Stoff wird nicht im Körper gespeichert und auch nicht über die Muttermilch abgegeben. "Außerdem haben Studien gezeigt, dass er in den aus der Landwirtschaft resultierenden Konzentrationen nicht fruchtschädigend ist", sagt Solecki.

Das BfR und die Nationale Stillkommission weisen darauf hin, dass Muttermilch nach wie vor die natürliche und damit beste Nahrung für Säuglinge ist. Mütter sollten sich nicht verunsichern lassen und wie bisher stillen.


Institut ließ Befund von unabhängigen Laboren überprüfen

Das BfR beauftragte für seine Studie zwei unabhängige, akkreditierte Labore. Um gegebenenfalls positive Resultate klären zu können, wurden zwei auf unterschiedlichen Messprinzipien basierende chemische Analyseverfahren für die Bestimmung von Rückständen von Glyphosat in Muttermilch entwickelt und validiert.

Ergebnis: In keiner der untersuchten Muttermilchproben gab es Rückstände von Glyphosat oberhalb der Nachweisgrenze. Aufgrund dieser Ergebnisse sieht sich das BfR in seiner Auffassung bestätigt, dass kein relevanter Übergang dieses Wirkstoffes in die Muttermilch stattfindet. Die Ergebnisse der Studie wurden in einer wissenschaftlichen Publikation zusammengefasst, die im Januar im Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlicht wurde.

Muttermilch kam von freiwilligen Spenderinnen

Für seine Untersuchungen hat das BfR auf Muttermilchproben zurückgegriffen, die das Niedersächsische Landesgesundheitsamt sowie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gesammelt hat. Die teilnehmenden Mütter haben aus eigenem Antrieb teilgenommen. Daher bilden die Teilnehmerinnen keine repräsentative Stichprobe der Gesamtheit aller stillenden Mütter in Deutschland.

Das BfR bewertete kürzlich zahlreiche neue Studien zu den Auswirkungen von Glyphosat, aus denen sich auch eine Akute Referenzdosis ergab. Weil es für die einmalige Aufnahmemenge von Glyphosat über Lebensmittel bislang keinen gesundheitlich abgeleiteten Grenzwert gibt, wird nun der EU-Kommission vorgeschlagen, diesen einzuführen. "Das würde die Verwendung von Glyphosat noch besser regulieren und Lebensmittel für den Verbraucher noch sicherer machen", sagt Solecki.



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