Abstillen: Wie geht das?

Irgendwann ist der Zeitpunkt fürs Abstillen da. Wie entwöht die Mutter ihr Baby sanft von der Brust? Eine Hebamme gibt Tipps

von Sabine Hoffmann, 07.03.2016

Wer abstillen möchte oder muss, sollte trotzdem weiter viel mit dem Baby kuscheln

Jupiter Images GmbH/BrandXPictures

Wie schön sich das ­anfühlt, so innig und vertraut. Zufrieden saugt das Baby an der Brust, trinkt so viel, bis es satt und zufrieden ist, schläft dann ein oder gluckst fröhlich vor sich hin. Die Stillzeit bedeutet für viele Mütter und Kinder eine ganz ­besondere ­Erfahrung voller trauter Zweisamkeit. Doch irgendwann ist es so weit: Das Baby will mehr als nur Milch, die Mutter wieder etwas mehr Freiheit.

Wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Abstillen?

Abstillen – das heißt Abschied nehmen von diesem für viele so wunderbaren Mutter-Kind-Ritual. Wann der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt gekommen ist, bestimmen im Ideal­fall beide. "Je langsamer die Entwöhnung, umso einfacher ist es für Mutter und Kind", sagt Aleyd von Gartzen vom Deutschen Hebammenverband. Das Netzwerk "Gesund ins Leben" empfiehlt, mindestens die ersten vier Lebensmonate ausschließlich zu stillen. Danach kann schrittweise Beikost eingeführt werden. Stillen bleibt weiterhin eine gute Ergänzung. "Beim natürlichen Abstillen möchte das Baby im Laufe der Zeit immer seltener an die Brust, und die Milchproduktion geht von ­­alleine zurück", erklärt Aleyd von Gartzen. Das Baby zeigt den Eltern selbst, wann es ­feste Nahrung zu sich nehmen kann und will. Sitzt es beim Essen mit am Tisch, versucht es beispielsweise von sich aus, ein Stückchen Brot oder Kartoffel zu greifen und sich in den Mund zu stecken.


Was tun, wenn das Abstillen schneller gehen soll und was ist dann zu beachten?

Eine solch langsame Entwöhnung dauert natürlich etwas länger. Oft lässt aber zum Beispiel die berufliche ­Situation sie nicht zu. Viele Frauen wollen auch einfach nicht so lange stillen. Die Mutter bestimmt dann für ihr Kind, wann der Zeitpunkt zum Abstillen gekommen ist. Gut ist es, wenn sie sich dafür drei Monate Zeit nehmen kann. "Stillen ist nicht nur Ernährung und Gesundheitsprävention pur, sondern bedeutet für das ­Baby auch Glück und Zufriedenheit", sagt von Gartzen. "Wird ­eine Stillmahlzeit nach der ande­ren ­­ersetzt, kann sich das Kind lang­sam an die ­Änderung gewöhnen."


Aleyd von Gartzen ist Hebamme in Hannover und Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband

W&B/Privat

Im Alter von vier bis sieben ­Monaten ist das Baby reif für Beikost. Die Expertin rät, dem ­Kleinen zunächst mittags oder nachmittags vor dem Stillen ein paar Löffel Brei zu geben und es anschließend etwas kürzer anzulegen. Natürlich wird das Kind nicht von einem Tag auf den anderen eine komplette Breimahlzeit verspeisen. Die ­Menge sollte langsam gesteigert werden, bis das Baby­ davon satt wird. Wahrscheinlich wird das bei einer Menge von 200 Gramm der Fall sein. Viele Babys essen aber deutlich weniger, was auch in Ordnung ist. Keinesfalls sollte mit Nachdruck Brei ins Kind hineingelöffelt werden.

Wann braucht das Baby zusätzlich Flüssigkeit?

Nach etwa vier Wochen kann dann die nächste Stillmahlzeit ­ersetzt werden. Wenn drei Breimahlzeiten eingeführt worden sind, braucht das Baby zum Essen zusätzlich Flüssigkeit. Am besten eignen sich Wasser oder ungesüßte Tees. Da die meisten Mütter das Stillen am Morgen oder am Abend als sehr angenehm empfinden, sollten diese Einheiten zuletzt ersetzt werden. Bis zum ­Ende des ersten Lebensjahres sollte das ­Baby noch mindestens ein Mal täglich Muttermilch oder ein Ersatz­produkt wie Pre-Milchnahrung bekommen. Manche Kinder ­akzeptieren die Flasche übrigens besser von jemand anderem als der Mutter, etwa vom Vater.

Was hemmt die Milchbildung am besten?

Je seltener das Baby an der Brust trinkt, desto weniger Milch ­bildet der Körper der Mutter. Unterstützend wirken Salbei- oder Pfeffer­minztee, die die Milchbildung hemmen sollen. Spannt die Brust, fühlt sie sich prall an und ist druckempfindlich, sollte die Milch ausgestrichen werden, damit kein Milchstau entsteht. Vielen Frauen hilft es, die Brust zu kühlen. Vorsicht: Abpumpen eignet sich nicht, da es die Milchbildung anregt.

Am besten gelingt die sanfte Entwöhnung, wenn die Mutter sich auf ihr Gefühl verlässt. "Ein Standardprogramm fürs Abstillen gibt es nicht", sagt Aleyd von Gartzen. Bei der einen geht es schneller, bei der anderen dauert es eben etwas länger.

Kann man innerhalb von einem Tag abstillen? Was ist zu beachten?

Ein schnelles Abstillen ist nur in seltenen Fällen notwendig, zum Beispiel wegen einer Operation oder hoch dosierter ­Medikamente, die in die Muttermilch übergehen und dem Kind schaden können. Um den Rückgang der Milch zu beschleunigen, kann der Frauenarzt ein Medikament verschreiben, dass das Milchbildungshormon Prolaktin hemmt.

Manche Frauen leiden allerdings an unangenehmen Nebenwirkungen, wie etwa Kreislaufstörungen, Übelkeit oder ­Erbrechen. Mit kleinen Hausmitteln lässt sich das Abstillen unterstützen: Um die Durchblutung und somit die Milchbildung zu hemmen, kann man ein Tuch fest um die Brust wickeln. Wenn zu viel Milch vorhanden ist, lässt sich ­diese nach einem warmen Bad am leichtesten ausstreichen. Anschließend tut es gut, die Brust mit einem Quarkwickel oder Coolpack zu kühlen.



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