Kindern wissenschaftliche Themen erklären

Im Kindergartenalter stellt der Nachwuchs viele Fragen. Vor allem bei wissenschaftlichen Themen finden Eltern oft nicht auf Anhieb eine kindgerechte Antwort. Wie erklärt man Kindern Dinge richtig?

von Daniela Frank, aktualisiert am 01.04.2016

Erklärt man Dinge kindgerecht, bleibt der Nachwuchs interessiert und neugierig

Shotshop/Danstar

Mama, warum regnet es? Papa, wieso hat die Milch auf einmal eine Haut? Solche Fragen stellt jedes Kind irgendwann – und erntet oft zunächst ratlose Blicke. Wie erklärt man Kindern Dinge, die im Grunde sehr kompliziert sind? Wir haben Diplomphysikerin Annegret Hänsel gefragt, die Ausstellungsplanerin und Geschäftsführerin des UNIKATUM Kindermuseums Leipzig (www.kindermuseum-unikatum.de) * ist.


Frau Hänsel, wie erklärt man Kindern Wissenschaftliches?

Generell hilft es dem Kind, wenn man eine bildhafte Sprache mit vielen Metaphern benutzt. Wenn Beispiele aus der Erfahrungswelt des Kindes vorkommen, versteht es Zusammenhänge schneller. Lustige Vergleiche können sich Kinder besonders gut merken. Die Erklärung muss nicht lückenlos sein, sondern sollte puzzleartig ein Bild im Vorstellungsvermögen zusammensetzen. Aber natürlich kommt es vor allem darauf an, eine altersgerechte Erklärung anzubieten.

Was heißt denn altersgerecht genau?

Vergleiche und Worte zu wählen, die dem Wissensstand des Kindes entsprechen. Wenn ich meinem Dreijährigen erkläre, dass die Sonne das Wasser in der Pfütze "aufleckt", weil sie so heiß scheint, dann wird er das mit fünf Jahren vergessen haben und ich kann dann schon mal von "verdampfen" sprechen. Gemerkt hat er sich aber, dass das Wasser nicht einfach in der Pfütze bleibt, sondern sich etwas verändert, was mit der Wärme zu tun hat. Die Beobachtung wurde geschult, trotz der zunächst inkorrekten Antwort.

Müssen die Antworten gar nicht wissenschaftlich korrekt sein?

Ganz korrekt zu sein ist aus wissenschaftlicher Sicht ohnehin kaum möglich. Stets gibt es neue Erkenntnisse und was gestern noch richtig war, kann heute unzulänglich sein. Je nach Alter sollten die Antworten aber immer klarer werden. Es kommt darauf an, dem Kind nach und nach bildhaft ein Verständnis des jeweiligen Mechanismus zu vermitteln. Im Kita-Alter kann dies bruchstückhaft bleiben und wird sich für Wissenschaftler abenteuerlich anhören. Im Schulalter sollte es dann immer genauer werden: Metaphern helfen, die "trockenen" Sachverhalte anschaulicher zu machen, sollten aber von den laut Lehrplan korrekten Antworten abgegrenzt werden.

Ohne Metaphern also kein Verständnis?

Das ist oft der Fall. Der Drang, unbedingt korrekt zu antworten, kann blockieren. Eltern sollten erst einmal reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Sie können sich ein paar Bilder einfallen lassen und sehen, welches dem Kind am besten hilft, den jeweiligen Mechanismus zu verstehen. Wenn sie mit dem Kind Erklärungen diskutieren, können sie es dahin führen, die richtige Antwort selbst zu formulieren. So bleibt das Kind neugierig, wird selbst aktiv und lernt, sich klar auszudrücken. Und natürlich, Dinge kritisch zu hinterfragen.

Wichtiger als die richtige Antwort ist also, das Kind zu motivieren?

Genau. Aus meiner Sicht sollten Eltern die Aufgaben des Kindes nicht selbst lösen oder vordergründig dabei helfen. Stattdessen sollten sie dem Kind eine Herangehensweise vermitteln: Wenn man sich an etwas, das gerade noch unverständlich erschien, mit Neugier herantastet, wird es häufig plötzlich sonnenklar! Oft ist das Denken ja blockiert durch Grundhaltungen wie "Das verstehe ich nie." oder "Das braucht man doch gar nicht." oder "Das ist doch langweilig!" Wenn man sich nicht zutraut, eine Lösung zu finden, findet man auch keine. Ich wünsche mir, dass Eltern sich und ihren Kindern Mut und Lust machen, sich und anderen die Welt zu erklären.


 

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