Ständig Husten – wann ist das gefährlich?

Husten gehört für manche Kinder fast zum Normalzustand. Manche leiden regelmäßig an Bronchitis und Atemnot, Eltern denken dann schnell an Asthma. Was jetzt hilft

von Marian Schäfer, aktualisiert am 15.02.2016

Heftiger Husten: Mit Pfeifatmung oder Atemnot sollten Kinder zum Arzt

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Die Zahlen sind immens: ­Etwa zehn Prozent der Kinder unter 15 Jahren leiden an ­Asthma. Sie ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter und bricht laut Lungeninformationsdienst des Helmholtz-Zentrums München in gut 70 Prozent der Fälle vor dem fünften Lebensjahr aus. Verständlich, dass sich Eltern häufig wegen hustender, pfeifend-quietschender Kinder sorgen.

Professor Walter Dorsch kann oft beruhigen. Er ist Kinderarzt mit Schwerpunkt Allergo­logie und Pneumologie in München. "Kleine­ Kinder", sagt er, "leiden im Jahr durchschnittlich unter zwölf ­Infekten der oberen Atemwege. Davon gehen sechs mit einer Bronchitis, also einer Entzündung der ­unteren Atemwege, einher­." Jede könne zwischen zehn Tage und vier Wochen andauern und asthmaähnliche Symptome hervorrufen. Dorsch unterscheidet zwischen akuter und obstruktiver Bronchitis sowie Asthma bronchiale­. Was dahintersteckt und was dagegen hilft:


Prof. Dr. med. Walter Dorsch ist Kinderarzt mit Schwerpunkt Pneumologie und Allergologie in München

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Akute Bronchitis

Die Lunge besteht aus zwei Flügeln, die an die Luftröhre anschließen und deren innerer Aufbau einem umgedrehten Baum gleicht: Es gibt einen dicken Stamm, dünne Äste­ und kleinste Verästelungen, an deren Ende "Blätter" hängen. Bei der Lunge spricht man von Bronchien, die sich vielfach verzweigen und die Atemluft zu Millionen von kleinen Bläschen transportieren. Diese sorgen für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid.

"Eine Vielzahl von Viren kann zu einer Entzündung der Bronchial­schleimhaut führen. Selten sind Bakterien verantwortlich", ­erklärt Walter Dorsch. Es sei eine meist harmlose Infektion, die allerdings mit einem oft unangenehmen, weil heftigen und anfangs trockenen Husten einhergehe. "Sind keine­ Bakterien beteiligt, gegen die ein Antibiotikum hilft, kann man meist nur abwarten und den Kindern das Abhusten erleichtern."


Stefan Keidel ist Apotheker in Heidelberg

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In Absprache mit dem Arzt empfiehlt­ Apotheker­ Stefan ­Keidel bei Kindern unter einem Jahr ­dafür Efeu-Extrakte. "Ab einem Jahr gibt es auch ­­Kombipräparate, etwa mit Thymian", sagt der Heidelberger Apotheker. Diese gelten auch als entzündungshemmend und entkrampfend. "Ab dem zweiten Geburtstag stehen viele chemische Arzneien zur Verfügung, die gegen sehr zähen Schleim helfen." ­Immer hilfreich: feuchte Luft. "Einfach ­einen nassen Lappen über die Heizung hängen", sagt Keidel. Zudem können Kinder ab etwa­ einem Jahr bereits Kochsalz inhalieren. Kindgerechte Vernebler gibt es in Apotheken oft auf Rezept. "Haben Familien häufig mit Atemwegs­infekten zu kämpfen, lohnen sich auch eigene Geräte", so Keidel.


Obstruktive Bronchitis oder Infektasthma

Bei einer akuten Bronchitis steht der Husten im Vordergrund, während bei der obstruktiven Bronchitis auch die Atmung betroffen ist. Weil das Bronchialsystem von Säuglingen und Kleinkindern oft sehr empfindlich ist, leiden sie häufig unter einer Verengung ("­Obs­truktion") der Atemwege. Die Bronchienschleimhaut schwillt an, zäher Schleim bildet sich, die Muskeln verkrampfen. Die Symp­tome ähneln denen eines ­Asthma bronchiale: Husten, pfeifende und quietschende Atem­geräusche, erschwerte Ausatmung bis zur Atemnot. "Oft wird deshalb auch von Infektasthma gesprochen", sagt Walter Dorsch. Er schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der Säuglinge und kleinen Kinder mindestens einmal, häufig­ mehrmals darunter leiden. "Ist ein Kind dafür sehr anfällig, bleibt eigentlich nur zu versuchen, die Zahl der Infekte zu verringern, etwa mit ansteigend-warmen Fußbädern­", sagt der Kinderarzt.


Bei einer Bronchitis schwillt die Schleimhaut der Bronchien an. Diese produzieren mehr Schleim. Beides verengt die Atemwege

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Die Symptome werden ähnlich behandelt wie die des ­Asthma bronchiale: je nach Alter des Kindes sowie Stärke und Häufigkeit der Beschwerden mit verschiedenen atemwegserweiternden und entzündungshemmenden Wirkstoffen. Meist werden sie als Inhalation gegeben, manche als Spray oder Tabletten. "Häufig wird erst mal mit Salbutamol behandelt, das die Bronchien erweitert", sagt Apotheker Keidel.

"Es gibt die Tendenz", meint Dorsch, "anfällige ­Kinder recht schnell mit niedrig dosiertem Kortison dauerzubehandeln." Er kritisiert, dass dabei über lange Zeit etwas behandelt werde, das nicht da sei – und rät eher zur Bedarfstherapie. Sobald erste Anzeichen eines Infekts auftauchen (­wie Schnupfen), sollte ein anfälliges Kind Kochsalzlösung inhalieren – und der Kinderarzt, wenn nötig, über die weitere Behandlung entscheiden. "Oft verschwindet die Neigung zum Infekt­asthma bis zum Schulalter", sagt Walter Dorsch.

Asthma bronchiale

Anders als beim Infektasthma sind die Atemwege beim ­Asthma bronchiale dauerhaft entzündet und ­reagieren überempfindlich auf unterschiedliche Reize. "Das ­können Infekte genauso sein wie kalte oder schlechte Luft oder Allergene", ­erklärt Walter Dorsch. "Bei manchen Kindern verkrampfen die Bronchien auch bei Anstrengung." Gerade im Säuglings- und Kleinkindalter fällt auch Ärzten die Diagnose oft schwer. Objektive Messmethoden, etwa ein ­Lungenfunktionstest, sind bei ­Kindern nicht immer möglich.

"Wir müssen bei ihnen gut hinhören und den Eltern gut zuhören", sagt Walter Dorsch. War das Kind, bevor es die Symp­tome ­gezeigt hat, erkältet? Wie hörte sich das Atemgeräusch nach dem Sport an, wie der Husten in der Nacht? Gibt es Allergiker oder gar Asthmatiker in der Familie?

Bis zum Schulalter lösen vor allem Infekte das Asthma aus. Da bleibt kaum mehr als Symptombehandlung mit entzündungshemmenden und bronchienerweiternden Medikamenten und eine Mobilisierung des Immunsystems übrig. Ab dem Schulalter aber sind bei Kindern großteils Allergien dafür verantwortlich. Entsprechende Tests bringen Klarheit. "Bei Größeren könnte dann eine Hyposensibilisierung sinnvoll sein", so Walter Dorsch. Davor gilt es, die Allergene möglichst zu vermeiden, bei einer Hausstaubmilbenallergie also die Wohnung richtig einzurichten oder bei einer Baumpollenallergie den Urlaub gut zu planen.


Von der Allergie zum Asthma

Reagieren Kinder auf Pollen oder Hausstaubmilben allergisch, sollten Eltern das ernst nehmen. "Es kann passieren, dass sich das Spektrum der Allergie unbehandelt im Verlauf ausweitet und etwa aus einem Heuschnupfen ein Heuasthma wird", erklärt Walter­ Dorsch. Ärzte­ nennen das "Etagen­wechsel". Ab dem Schulalter könne über eine Hyposensibilisierung nachgedacht werden. In jedem Fall sollten Eltern ver­suchen, die Allergene zu vermeiden.



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Bildnachweis: W&B/Astrid Zacharias, W&B/Privat, Mauritius Images GmbH/B. BOISSONNET / BSIP
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