Richtig inhalieren bei Kindern

Bis zu 15 Mal im Jahr leiden Kinder an lästigen Erkältungen und Husten. Inhalieren kann dann helfen. Was Eltern beachten sollten

von Sandra Schmid, aktualisiert am 01.03.2016

Spezielle Mundstücke erleichtern Kindern das Inhalieren

iStock/Juanmonino

Die Nase läuft dauernd und der tiefe, verschleimte Husten hört sich beängstigend an: Erkältete Kinder sind oft arm dran. Was hilft den Kleinen? Viele Eltern möchten es erst einmal mit Hausmitteln probieren – wie dem Inhalieren. Doch wie macht man das richtig? Ist Omas Methode – Kopf über den Topf mit heißem Kamille-Aufguss und Handtuch drüber – wirklich für Kinder geeignet?


Inhalationsgerät oder Kochtopf-Methode?

Um die letzte Frage gleich zu beantworten: Nein, das ist sie nicht. Nicht nur, dass wahrscheinlich nur sehr wenig Inhalationslösung ihr Ziel erreicht, weil das Kind die Hitze nicht aushält oder das Handtuch verrutscht. Die Kochtopf-Methode birgt auch große Gefahren. "Bei dieser Art zu inhalieren kommt es immer wieder zu Verbrühungen", sagt Dr. Claudia Metscher, Kinder-Pneumologin aus München. Außerdem können die heißen Dämpfe nicht nur in die Atemwege, sondern auch in die Augen gelangen und die Schleimhaut dort reizen.

Viel besser eignen sich bei Erkältungen Dampfinhalatoren aus der Apotheke. "Diese produzieren Dampftropfen, die die Kinder inhalieren können", erklärt die Expertin. Über spezielle Mund- oder Nasenstücke gelangen die Tropfen gezielt in die oberen Atemwege. Dampfinhalatoren sind sicherer als die Topf-Variante, denn das heiße Wasser kann nicht so leicht auslaufen. Zugleich bleibt das Inhalat warm und die heilende Wirkung der Dämpfe für die Schleimhäute der oberen Atemwege länger erhalten. Dampfinhalatoren aus Kunststoff mit einem einfachen Mund-Nasen-Aufsatz gibt es in speziellen Kindergrößen. Sie sind schon für wenige Euro erhältlich. Für die Eltern gilt aber: Auch mit diesen modernen, kinderfreundlichen Inhalationsgeräten sollten Kinder nie ohne Aufsicht inhalieren.

Wer für sein Kind einen Inhalator braucht, dessen Wirkung bis in die Bronchien vordringt, muss zu einem Düsen- oder Ultraschallvernebler aus dem Sanitätsfachhandel oder der Apotheke greifen. Deren feine Dampftröpfchen gelangen nämlich bis in die Lungen. Die kompakten Verneblergeräte sind allerdings deutlich teuer. Für Kinder mit Bronchialasthma, allergischem Asthma oder einer chronischen Bronchitis sind die Geräte nach Rücksprache mit dem Arzt allerdings ideal. Achtung: Viele Krankenkassen übernehmen nur einen Teilbetrag oder lediglich die Leihgebühren für die Vernebler. Vorher also am besten abklären.

Ab wann dürfen Kinder inhalieren?

"Grundsätzlich", so Metscher, "können Kinder jeden Alters inhalieren. Selbst auf Frühgeborenenstationen wird das bei entsprechender Indikation praktiziert." Für manche Babys oder Kleinkinder stellt das Inhalieren mit einem Vernebler oft die einzige Möglichkeit dar, Medikamente sicher in die Atemwege und damit in die Lunge zu bringen. Trotzdem gilt: Eltern sollten vorab den Kinderarzt fragen, ob Inhalieren (schon) das richtige für ihr Kind ist, ob es im speziellen Fall wirklich hilfreich ist oder ob etwas dagegen spricht.

Aber wann sollte man sein Kind überhaupt inhalieren lassen? "Sinnvoll ist das bei Erkältungen, die mit starker Verschleimung einhergehen," so die Kinder-Pneumologin. Außerdem hilft Inhalieren bei sehr trockenem Husten, da durch die Dämpfe die Atemwege befeuchtet werden.

Welcher Zusatz ist am besten?

Als Zusatz empfiehlt die Kinderärztin 0,9 prozentige Kochsalzlösung aus der Apotheke, die handwarm vernebelt werden sollte. "Von ätherischen Ölen rate ich ab, weil gerade bei Kindern mit empfindlichen Bronchien diese zusätzlich reizen und den Husten verschlechtern können." Pfefferminz-, Eukalyptusöle oder andere stark riechende ätherische Öle können bei Babys und kleinen Kindern unter Umständen sogar zu Atemnot führen. Auch bei Kamille sind Experten eher skeptisch – denn es können allergische Reaktionen auftreten.

Als Allheilmittel sieht die Expertin das Inhalieren übrigens nicht. Aus der Praxis weiß sie, dass einige Eltern ihre über Wochen und hustenden Kinder nur mit Inhalieren und anderen Hausmitteln versorgen. "Ein langer, hartnäckiger Husten ist kein normaler Zustand und kann die Lungenfunktionen massiv beeinträchtigen. Da reicht es nicht aus, mit Kochsalzlösung zu inhalieren", gibt sie zu bedenken. In solchen Fällen sollte auf jeden Fall mit dem Arzt abgeklärt werden, ob das Kind nicht besser ein hustenreizstillendes oder antientzündliches Medikament erhalten soll.



Lesen Sie auch:

Mädchen mit Salbei

Pflanzliche Mittel bei Erkältungen »

Winterzeit ist Erkältungszeit, gerade bei Kindern. Heilpflanzen können helfen, die Beschwerden zu lindern. Was es dabei zu beachten gibt »

Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Teilen Sie sich die Elternzeit mit Ihrem Partner?

Finden sie es okay, Babybilder in Sozialen Medien zu posten?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages