Der Blick aufs Etikett des Medizinfläschchens macht Eltern erst mal skeptisch: „Enthält 40 Vol.-% Ethanol.“ Alkohol für das Kind? Ob das nicht mehr schadet als gesund macht? Experten beruhigen: Bei richtigem Gebrauch sind alkoholhaltige Arzneien für Kinder in der Regel unbedenklich. Entscheidend ist, wie viel Alkohol pro Einzeldosis das Medikament enthält und auf welches Körpergewicht er sich verteilt. Deshalb sollten sich Eltern immer an die Dosierungsvorgaben für das Arzneimittel halten.
Ein Beispiel: Ein Dreijähriger nimmt dreimal täglich zwölf Tropfen eines Hustenmittels. Bei 47 Volumenprozent Alkoholgehalt (das ist schon sehr hoch gewählt) enthalten zwölf Tropfen rund 0,23 Gramm reinen Alkohol. Bereits bei den Kleinsten sind in der Leber Enzyme aktiv, die diesen Alkohol rasch wieder entsorgen. Innerhalb einer Stunde kann der kindliche Organismus etwa 0,25 Gramm Alkohol pro Kilogramm Gewicht abbauen. Ein dreijähriges Kind, das 15 Kilogramm wiegt, verarbeitet die Alkoholdosis also in wenigen Minuten. Interessant zum Vergleich: Auch Apfelsaft oder Brot enthält etwa 0,4 Gramm Alkohol pro 100 Gramm.
So niedrige Alkoholkonzentrationen über so kurze Zeit halten Fachleute für unbedenklich. Es besteht keine Gefahr, dass die Entwicklung des Kindes beeinträchtigt oder eine Suchtgefahr gefördert wird. Enthält eine Einzeldosis allerdings mehr als drei Gramm Alkohol, sollten Kinder das Mittel nicht einnehmen, sagt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände.
Alkohol ist ein wichtiges Lösungsmittel. Mit seiner Hilfe lassen sich die wertvollen Inhaltsstoffe der Heilpflanzen gewinnen. Deshalb können Hersteller auch nicht ohne Weiteres auf ihn in ihren Säften, Tinkturen, Elixieren und Tropfen verzichten. Außerdem stabilisiert und konserviert er die Lösung. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Apotheker beraten. Er weiß auch, ob es unter Umständen ein alkoholfreies Alternativpräparat gibt.
Ralf Schlenger / Baby und Familie;
20.08.2010, aktualisiert am 20.09.2011
Bildnachweis: Emotive Images GmbH/a-life
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