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Warum Kinder von Freundschaften profitieren

Spielgefährten sprechen unterschiedliche Seiten in der Seele eines Kindes an. Ob Busenfreundin oder Krawallkumpel – sie alle sind für die kindliche Entwicklung wichtig


Zusammen durch dick und dünn: Kinder brauchen Freunde

Für Eltern ist es manchmal ungewohnt, wenn Kinder plötzlich beginnen, über den familiären Tellerrand hinwegzuschauen und freundschaftliche Bande mit anderen Kindern knüpfen. Dabei haben bereits Kindergartenfreunde einen großen Einfluss auf die psychosoziale Entwicklung der Kinder. „Gemeinsam mit Freunden können Kinder ihre Fähigkeiten zeigen und ausbauen, indem sie Neues ausprobieren und voneinander lernen,“ sagt Dr. Marion Pothmann, leitende Psychologin in der Klinik Hochried in Murnau, einem Zentrum für Kinder, Jugendliche und Familien. „Sie geben sich gegenseitig oft sehr direkte und korrigierende Rückmeldung über ihr Verhalten. Wenn sich Kinder von anderen Kindern gemocht fühlen, stärkt das ihren Selbstwert.“

Erste Freundschaften entwickeln sich bei Kindern bereits mit etwa drei Jahren, also in der Kindergartenzeit. Wobei in dieser Zeit Freundschaften in erster Linie praktischen Zielen unterworfen sind. Professorin Renate Valtin, Erziehungswissenschaftlerin und Psychologin aus Berlin, hat vor einigen Jahren das Kinderfreundschaftsbild im Rahmen einer Studie zur Entwicklung sozialkognitiver Fähigkeiten untersucht: „Pragmatisch-utilitaristische Gesichtspunkte sind für jüngere Kinder das wichtigste Motiv für eine Freundschaft. Alle Fünfjährigen und fast alle Sechsjährigen sagen, einen Freund brauche man zum Spielen.“ In diesem Alter müssen Freunde dem Kind also in erster Linie „nützlich“ sein.

Der beste Freund

„Beste Freunde sind diejenigen, mit denen das Kind die gleichen Interessen teilt und die meiste Zeit verbringt,“ sagt Pothmann. Dabei hat die Bezeichnung „bester Freund“ bei Kindern noch eine andere Bedeutung als für Erwachsene. Wer an dem einen Tag der beste Freund ist, muss das am nächsten Tag nicht mehr zwingend sein. „Zu schnellen Wechseln kann es bei Kindern kommen, sobald sich Interessen und Gelegenheiten ändern,“ so Pothmann. Valtin drückt es noch drastischer aus: „Freunde sind für Kinder offenbar alle Menschen oder auch Tiere, die zu ihnen nett sind. Bei diesem Kriterium ist es nicht verwunderlich, wenn Freunde rasch wechseln.“

Grundschüler ab acht Jahren dagegen suchen sich schon gezielt einen Seelengefährten. Spätestens dann ist der beste Freund einer, auf den man sich verlassen kann und der einem im Notfall hilft.

Der Rowdy

Kinder stellen früh fest: Mit einem Freund bin ich stärker. Dabei machen sie auch Erfahrungen mit den Kindern, die Eltern nicht so gerne als Spielkameraden sehen: die Krawallkinder. Sie sind lauter und frecher. Sie pöbeln, intrigieren, lügen. Als Elternteil fragt man sich dann natürlich: Warum ist das eigene Kind nur mit diesem kleinen Scheusal befreundet?

Ganz einfach: „Weil es unglaublich faszinierend ist, mit Kindern zu tun zu haben, die ein anderes Milieu verkörpern“, sagt Professor Norbert Neuß, Professor für Erziehungswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie helfen dem Kind dabei, zur eigenen Identität zu finden – und sich ein bisschen vom Elternhaus zu lösen: eine wichtige Entwicklungsaufgabe für die Kleinen.

Der Pädagoge rät Eltern deshalb zur Gelassenheit. Meist erledigt sich nämlich die Faszination für Fieslinge von selbst. „Kinder haben ein gutes Gefühl, welche Freunde wirklich zu ihnen passen“, sagt Neuß. Die Freundschaften zu unterbinden, davon hält Neuß gar nichts – das würde das Thema nur noch viel spannender machen.

Der große Kumpel

Einen älteren Kumpanen zu haben, kann ein Kind voranbringen. „Kinder tragen den Wunsch in sich, sich weiter zu entwickeln. Ältere Kinder sind da tolle Vorbilder! Sie können schon mehr, machen spannende Dinge,“ so Pothmann. „Kinder schauen sich etwas von den älteren Freunden ab und kommen in ihrer Entwicklung dadurch besser voran.“ Gleichzeitig können große Altersunterschiede auch ein Hinweis darauf sein, dass sich das Kind in der Gleichaltrigengruppe nicht wohlfühlt. Vielleicht kann es mit den Aktivitäten der anderen nicht mithalten. Vielleicht ist ein kleineres Kind in seiner Entwicklung seinem Alter voraus – und spielt deshalb lieber mit Größeren. In beiden Fällen sind Freunde, die sich um ein paar Jahre unterscheiden, eine schlaue Seelen-Strategie. Eltern sollten nur in einem Fall intervenieren: wenn der Ältere den Jüngeren unterdrückt.

Der unsichtbare Freund

Er kann alles, darf alles, ist überall dabei – und wenn etwas schiefgeht, ist er schuld. Dumm nur, dass ihn niemand sehen kann. „Unsichtbare Freunde sind ein sehr häufiges Phänomen“, so Professor Neuß. Etwa 30 Prozent aller Kinder haben solche Phantasiegefährten. „Unsichtbare Freunde sind eine anspruchsvolle Phantasieleistung“, sagt Neuß. Und sie übernehmen wichtige Aufgaben: sind Mutmacher, Tröster, Wunscherfüller. „Durch genaues Hinsehen können Erwachsene sehr viel über ihr Kind und seine Bedürfnisse erfahren“, so der Experte. Beobachten Sie also ruhig Ihr Kind in seinem Handeln mit dem unsichtbaren Freund. Solange das Kind sich gut entwickelt, brauchen sich Eltern nicht die geringsten Sorgen zu machen. Meist verschwinden die Phantasiefreunde im Grundschulalter ohnehin wieder.




Bildnachweis: Digital Vision/ RYF

S. Schmid / A.-B. Köhle / www.baby-und-familie.de; 23.04.2010, aktualisiert am 12.09.2012
Bildnachweis: Digital Vision/ RYF

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