Wir denken lediglich anders darüber. Bei Kindern liegen Fantasie und Wirklichkeit noch so nah beieinander, dass für sie Geister etwas durchaus Reales sind. Viele Kinder besitzen ja auch einen unsichtbaren Spielkameraden.
Auf keinen Fall. Wenn man ihnen sagt „du spinnst“, dann läuft man Gefahr, dass sie nichts mehr erzählen. Ich rate deshalb: Hören Sie hin, wenn Ihr Kind von Monstern erzählt, fragen Sie nach. Verscheuchen Sie die Geister gemeinsam mit einem Ritual, pfeifen Sie, trommeln Sie. Aber bitte kommen Sie nicht auf die Idee, Ihr Kind sei besessen oder habe den Bezug zur Realität verloren. Es ist ganz normal. Mit fünf oder sechs Jahren können Kinder dann Realität und Fantasie von ganz alleine auseinanderhalten.
Dr. Walter von Lucadou ist Physiker und Psychologe. Er leitet die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg
Auf jeden Fall geht es nicht zu wie in Filmen – mit schwebenden Dingen oder schleimigen Monstern. Es ist eher so, als würde Betroffenen ein Streich gespielt. Gestalten gehen vorüber oder verschwinden in die Wand. Manchmal erzählen mir Anrufer von Zimmern, in denen Bücher aus dem Regal geworfen wurden. Für manches gibt es natürliche Erklärungen. So sprach bei einem Mann eine Stimme aus einem Teekessel – er wohnte in der Nähe eines starken Mittelwellensenders und hörte auf diese Weise Radio. Ich war aber auch bei Menschen, bei denen die Wohnung unerklärlicherweise verwüstet wurde.
Ja, es gibt merkwürdige physikalische Phänomene oder ungewöhnliche menschliche Erfahrungen, die nicht zu erklären sind. Heute weiß man aber, dass oft psychische Belastungen den Spuk bewirken. Berichtet uns jemand von übersinnlichen Ereignissen, so ist das für uns ein Hinweis, dass diese Menschen seelische Probleme haben könnten. Sie werden vielleicht gemobbt, ihre Beziehung funktioniert nicht, oder sie befinden sich in einer spirituellen Krise. Wir haben in der parapsychologischen Beratungsstelle ein Netzwerk von Therapeuten, die diese Menschen betreuen. Wenn wir die Ursache der seelischen Probleme lösen, hört übrigens auch der Spuk auf.
Sagen wir mal so: Seelische Probleme zeigen sich bei Menschen in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Manche reagieren mit Krankheiten, etwa mit Magenschmerzen oder Kopfweh. Andere drücken ihre Probleme eher über paranormale Phänome aus. Oft berichten übrigens Teenager in der Pubertät – ohnehin eine Zeit emotionaler Belastungen – von unnormalen Erscheinungen.
Das Phänomen heißt „Angstlust“. Sie dient der emotionalen Entspannung. Darum lesen wir so gerne Gruselgeschichten oder Krimis. Kinder lernen auf diese Weise, mit emotionalen Spannungen umzugehen. Natürlich brauchen Kinder diese Erfahrungen in der richtigen Dosis. Horrorliteratur ist nichts für sie. Passend sind Bücher wie „Das kleine Gespenst“ oder „Wo die wilden Kerle wohnen“.
Annett Zündorf / Baby und Familie;
18.06.2012
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