Mein Baby & ich: Merle verbreitet Chaos

Merle macht lauter verbotene Dinge. Und Mama Julia Schulters muss ihre Wohnung sichern. Wenn das nur nicht so unpraktisch wäre 

von Julia Schulters, aktualisiert am 01.03.2016

Telefon ins Klo: Merle hat ihre ganz eigene Ordnung

W&B/Stephan Höck

Also, nur mal angenommen, unsere Tochter würde in einem unbeaufsichtigten Augenblick unsere Mietwohnung samt dem dazugehörigen 120 Jahre alten Jugendstil-Mehrparteienhaus in Brand setzen: Würde eigentlich die Versicherung so etwas zahlen? Ich sollte schnellstmöglich das Kleingedruckte unserer Haftpflicht-Police überprüfen. Man weiß ja nie.

Gefährlich glühende Herdplatten

Seitdem Merles motorische Fähigkeiten ihren Verstand überholt haben, möchte ich für nichts mehr garantieren. Wer unsere Tochter auch nur für Minuten aus den Augen lässt, riskiert im besten Fall vier rot glühende Herdplatten – und im ungünstigsten vier rot glühende Herdplatten mit einem brennbaren Karton "Meine ersten Puzzle" obendrauf. ­Merle lutscht minutenlang genüsslich am Staubsaugerrohr, wirft mit Vorliebe Münzen und Haustürschlüssel ins Klo und massiert beim Frühstücken Butter in ihr Haar oder in die weißen Lederbezüge unserer Barhocker.


Verschleimtes Fusselsieb

"Machen wir erziehungstechnisch irgendetwas falsch?", fragte mein Liebster, während er neulich das Innere unserer Waschmaschine von einem beachtlichen Häufchen fein gemahlener Mandeln befreite, die Merle großzügig in die Trommel gestreut hatte. "Weiß nicht", nuschelte ich zerknirscht. "So geht das nicht weiter", zischte Felix genervt in Anbetracht unseres verschleimten Fusselsiebs. Noch am gleichen Abend gab ich eine Bestellung im Internet auf: ein Zehnerpack Schubladenschutz längenverstellbar, zwei Allzweckverschlüsse für Klo und Kühlschrank.

Operation "kindersichere Wohnung"

Wir realisierten das Projekt "kindersichere Wohnung", während ­Merle unschuldig in ihrem Bett schlummerte. Und ja: Wir hatten bereits befürchtet, dass sie auf den neuen Sicherheitsstandard in unserem Haushalt mit Frustration und Hysterie reagieren würde. Und so war es: Während ich pädagogisch wertvolle Holzklötze auf dem Küchenboden stapelte und mit Engelszungen ein Bauernhofbilderbuch anpries, hing Merle mit ihrem Gesamtgewicht wutschnaubend an der Schublade – und brüllte.

Fazit nach zwei Wochen Hochsicherheitstrakt:

1. Ich mag nicht bei jedem Klogang die Klobrille von Deckel und Schüssel abmontieren.

2. Mir reicht es schon, bei jeder Inbetriebnahme eines Elektrogeräts den hochkomplexen Verschluss an der Steckdose zu entsichern, ich will nicht auch noch beim Schubladenöffnen technisch tätig werden.

3. Ich habe keine Lust mehr auf schlechte Babylaune. Kurzum: Ich kapituliere. Und sollte beizeiten vielleicht noch eine Glasbruch- und Geräteversicherung abschließen. Apropos: Zahlt die eigentlich auch, wenn das Festnetztelefon im Klo ertrunken ist?



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Bildnachweis: W&B/Stephan Höck
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