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Laufen lernen: Schritt für Schritt gehen Babys voran

Die ersten Schritte kennzeichnen einen wichtigen Entwicklungsschritt im Leben eines Kindes. Am Anfang noch etwas unsicher, werden die Gehversuche immer patenter


Wenn die ersten Schritte mal getan sind, laufen die Kleinen bald wie die Weltmeister

Auf Videokameras festgehalten. Im Fotoalbum verewigt. Im Gedächtnis der Eltern gespeichert. Die ersten Schritte des Kindes vergessen Mama und Papa nicht so schnell. Denn in Wirklichkeit sind die ersten Tapser der Kleinen viel mehr als nur unbeholfene Gehversuche. Sie stellen einen großen Schritt in Richtung Unabhängigkeit dar. Wie Eltern ihr Kind auf dem Weg des Laufenlernens begleiten können und was es jetzt zu beachten gilt, lesen Sie hier.

Wann lernen Kinder laufen?

Einen fixen Zeitpunkt gibt es – wie so oft – auch bei diesem Entwicklungsprozess nicht. Die meisten Kinder ziehen sich in einem Alter zwischen acht und zehn Monaten an allem Möglichen (Stuhl, Schrank, Mama, etc.) hoch und können – wenn auch noch wackelig – auf ihren zwei kleinen Füßen stehen. Von da ab geht es dann relativ schnell: Zwischen dem zehnten und zwölften Monaten machen die Kleinen dann ihre ersten Schritte. So etwa acht Wochen nach den anfänglich zittrigen Gehversuchen können die meisten Kinder schon richtig gut gehen. Mit 16 Monaten sind etwa 90 Prozent aller Kleinkinder in der Lage zu laufen.


Der auf Bewegungsentwicklung spezialisierte Psychologe Dr. Heinz Krombholz vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München ist allerdings der Meinung, dass Eltern nicht zu viel auf allgemeine Entwicklungstabellen und Vorgaben geben sollen. „Das sind ja nur Durchschnittswerte. Viele Eltern lassen sich dadurch verunsichern“, meint der Experte. Bei der motorischen Entwicklung gäbe es eine große zeitliche Bandbreite. „Die einen laufen mit zehn Monaten, andere fangen eben erst mit 16 Monaten an. Da muss man sich noch keine Sorgen machen.“ Wichtig sei es, die Gesamtentwicklung des Kindes zu betrachten. Manche Kinder sprechen beispielsweise schon sehr früh und lassen sich dafür mit der motorischen Entwicklung mehr Zeit.

Welche körperlichen Voraussetzungen müssen vorhanden sein?

Eine bestimmte physische Reife ist unabdingbar, damit das Kind die ersten Schritte in Angriff nehmen kann. Die Knochen, die Muskeln, aber auch das Nervensystem müssen entsprechend entwickelt sein. „Damit sich die Kleinen hochziehen und festhalten, müssen sie auch Greifen können. Dann richtet sich das Kind von ganz alleine auf, wenn es nicht gehindert wird,“ weiß Krombholz.

Wie schwierig der Prozess des Laufens ist und welches Wunder der Entwicklung der zweibeinige Gang darstellt, macht Krombholz an einem Beispiel klar: Roboter zum Laufen zu bringen. Ingenieure beißen sich zuweilen die Zähne aus, ein technisches Gerät auf zwei Beinen laufen zu lassen. Und so geschmeidig wie beim Menschen sieht es nie aus. „Es ist eine wahnsinnig komplexe Angelegenheit,“ so Psychologe Krombholz. Gleichgewicht muss gehalten werden, die Koordination stimmen und jede Störung durch einen Ausgleich beantwortet werden. Wie kompliziert das ist, merken wir Erwachsene, wenn wir gehen, stolpern und das dann (hoffentlich) ausbalancieren.

Wie können Eltern unterstützend helfen?

Übung macht den Meister. Das gilt auch beim Laufen lernen. Eltern sollten den Kindern das Vertrauen entgegenbringen, dass sie sehr gut wissen, wann sie zu was bereit sind. Krombholz: „Eltern können die motorische Entwicklung positiv beeinflussen, es ist aber nicht notwendig, dass Eltern ihr Kind zum Gehen animieren.“ Am Beispiel verdeutlicht: Kinder lieber krabbeln lassen als die ganze Zeit im Stuhl sitzen lassen.

Auch das Tragen der Kleinen beeinflusst die Motorik zuweilen positiv. Sitzen die Babys auf dem Arm der Mama, müssen sie sich festhalten, das Köpfchen halten, ausbalancieren. „Wichtig ist es“, so Krombholz, „dem Kind zu ermöglichen, Bewegungsmöglichkeiten selbst zu entwickeln. Eltern können dabei nur anregend wirken.“ Das Gehen „beibringen“ – indem man die Laufanfänger immer wieder auf die Füße zu stellt oder in so genannte Lauflernhilfen stellt – sei vollkommen unnötig.


Wann hat Ihr Kind angefangen zu laufen?

53.78%
34.17%
12.04%
Zwischen 12 und 18 Monaten
Noch vor dem erstem Geburtstag
Noch später

Insgesamt abgegebene Stimmen: 357

Was sollten Eltern auf alle Fälle beachten?

Wenn die Lauf-Eleven endlich beginnen, einen Schritt vor den anderen zu setzen, gilt es: Die Wohnung dafür wappnen und mögliche Gefahrenquellen beseitigen. Alles, was in greifbarer Nähe der Kinder ist und den Eltern als gefährlich oder zu wertvoll erscheint, sollte tunlichst in Sicherheit gebracht werden. „Vor allem schwere Sachen, die der Nachwuchs herunterziehen könnte, müssen weggeräumt werden,“ sagt Krombholz. Aber auch Steckdose, Herd und andere Geräte müssen Eltern rechtzeitig kindersicher machen.

Von Vorteil ist es auch, wenn man die Kleinen möglichst oft barrierefreie Laufen lässt – also im Garten, auf Wiesen, vielleicht sogar am Strand? Schuhe brauchen die Kinder zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das beste Lauf-Gefühl bekommt man barfuß.

Gibt es „gehfaule“ Kinder?

Der zwölfte Monat vergeht, der vierzehnte, der fünfzehnte und der Kleine will und will einfach nicht gehen. Er oder sie sitzt zufrieden auf dem Boden und selbst die eifrigsten Motivationsstrategien der Eltern schlagen fehl. Gehversuche? Fehlanzeige. Da machen sich Eltern natürlich ihre Gedanken und fragen sich: Ist mein Kind einfach nur faul? Krombholz glaubt nicht daran: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass es von Grund auf faule Kinder gibt. Aber natürlich sind einige aktiver als andere. Das ist eine Temperamentsfrage“.

Dem Temperament auf die Beine helfen kann man allerdings, wenn Sie den vermeintlich behäbigen Vielsitzer immer wieder mit anderen Kindern zusammenbringen, die bereits laufen können. Wie in vielen anderen Situationen wird Ihr Nachwuchs versuchen, die anderen zu imitieren, um ebenfalls bald mit ihnen rumlaufen zu können.

Die Alarmglocken läuten sollten allerdings, wenn ihr Kind mit zwei Jahren noch keinerlei Anstalten macht zu gehen. Ein Besuch beim Kinderarzt ist dann auf jeden Fall ratsam.




Bildnachweis: istock/lisegagne

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; erstellt am 29.06.2011
Bildnachweis: istock/lisegagne

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