Kinder profitieren von frühem Kita-Besuch

Im Osten besuchen besonders viele Kinder vor dem dritten Geburtstag eine Betreuungseinrichtung. Das fördert die Entwicklung, zeigt eine Studie. Aber nicht in jedem Fall

von Peggy Elfmann, aktualisiert am 03.02.2016

Gemeinsam spielen: Kommen Kinder früh in die Kita, fördert das die Entwicklung

Getty Images/Jim Craigmyle/First Light

Es gibt noch Unterschiede zwischen Ost und West – zum Teil deutliche. Das zeigt sich zum Beispiel beim Thema Kinderbetreuung. Die bundesweit höchste Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren gab es zum Stichtag 1. März 2015 im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt mit 63,1 Prozent, die geringste wies der Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern mit 13,0 Prozent auf.

Wie das Statistische Bundesamt in der Studie "Kindertagesbetreuung regional 2015" ermittelte, wurden in fast allen ostdeutschen Kreisen mehr als 50 Prozent aller Kinder unter drei Jahren in einer Tageseinrichtung oder in Tagespflege betreut, in Westdeutschland nur rund 28 Prozent. Die Zahlen lassen vermuten, dass sich die Lebensmodelle in Ost und West noch unterschieden: In der DDR war es für Mütter üblich, zügig in den Beruf zurückzukehren. Im Westen bevorzugten es viele, länger zu Hause zu bleiben. Teilweise folgten daraus auch verschiedene Einstellungen zu der Frage, was für das Kind besser ist.

Früher Kita-Besuch kann gut fürs Kind sein

Kinder profitieren, wenn sie früh in die Kita kommen – dies bestätigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die Dr. Regina von Görtz mit durchführte. Sie zeigt aber auch: Die positive Wirkung tritt nicht automatisch ein. Unter anderem ist der Betreuungsschlüssel entscheidend. Und der ist im Osten häufig schlechter als im Westen, wie eine andere Bertelsmann-Studie zeigte. Wovon der Effekt noch abhängt, sagt Dr. Regina von Görtz.

Frau von Görtz, inwieweit beeinflusst ein früher Kita-Besuch die ­Entwicklung von Kindern?

Wir haben die Daten von knapp 5000 Schuleingangsuntersuchungen ausgewertet und gesehen, dass Kinder, die vor dem dritten Geburtstag in eine Kita kommen, ­besser abschneiden als Kinder, die spät in die Kita kommen, also erst mit vier oder fünf Jahren.


Dr. Regina von Görtz ist wissenschaftliche Leiterin beim Projekt „Kein Kind zurücklassen!“ der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh

/krinke-fotografie

Wie unterscheiden sich die Kinder?

Die Kinder mit einem ­frühen Kita-Start schneiden in allen Bereichen besser ab: Sie haben ­eine bessere Sprachkompetenz, Körperkoordination, Hand-Auge-Koordination, weniger Probleme beim Zählen, sind seltener übergewichtig. Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen profitieren besonders.

Hilft der frühe Kita-Besuch automatisch?

Nein, das ist kein Automatismus. Es kommt darauf an, was das für eine Kita ist. Positive Effekte für die Entwicklung des Kindes treten ein, wenn die Gruppen sozial gemischt sind, also nicht nur armutsgefährdete Kinder unter sich sind.

Das lässt sich aber kaum beeinflussen. In manchen Stadtvierteln wohnen nun mal mehr sozial schwache Familien als in anderen.

Deswegen ist es notwendig, Brennpunkt-Kitas besonders zu fördern. Die Mittel sollten nicht nach dem Gießkannenprinzip auf alle Kitas verteilt werden wie es jetzt zumeist geschieht, sondern je nach Bedarf. Kitas in sozialen Brennpunkten brauchen mehr Geld, mehr Personal und bessere Ausstattung. 

Gibt es noch andere Bedingungen?

Unsere Studie ergab auch, dass sich die Mitgliedschaft in einem Sportverein positiv auf die gesamte Entwicklung auswirkt. Kinder aus sozial schwachen Familien sind aber seltener in einem Verein. Kitas sollten sich daher besser im Sozialraum vernetzen, zum Beispiel mit Sportvereinen zusammenarbeiten und gemeinsam Kurse anbieten.



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