Kind schnarcht – was tun?

Nicht nur Erwachsene schnarchen. Schon kleine Kinder können sägen wie Weltmeister. Was dahintersteckt – und wann es gefährlich wird

von Marian Schäfer, aktualisiert am 07.02.2017

Viele Kinder schnarchen – nur selten ist das gefährlich

Getty Images/iStockphoto

Dass Eltern schnarchender Kinder zu Edwin Ackermann in die Praxis kommen, ist eher Regel als Ausnahme. "Das kommt beinahe täglich vor", sagt der Kinderarzt aus Tönisvorst, der auch Sprecher im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ist. "Viele Eltern sehen im Schnarchen eine Störung der Atmung und befürchten, dass dadurch die Entwicklung der Kinder negativ beeinflusst werden könnte." Doch wie berechtigt ist diese Sorge?
Hier die wichtigsten Fakten über das Schnarchen bei Kindern:

Kinder schnarchen häufig bei Erkältungen

"Sobald Kinder unter Infekten leiden, die die Schleimhäute sowie die Mandeln im Nasen-Rachen-Bereich anschwellen lassen, tritt Schnarchen sehr häufig auf", sagt Dr. Norbert Teig, Leiter des pädia­trischen Schlaflabors an der Universitäts-Kinderklinik in Bochum. Viele Kinder schnarchen aber auch ­­ohne Infekt regelmäßig, das heißt in vier von sieben Nächten und über mehrere Monate hinweg. Studien zufolge­ betrifft dies 15 bis 20 Prozent der Zwei- bis Sechsjährigen.


Edwin Ackermann ist Kinder- und Jugendarzt in Tönisvorst und Sprecher im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

/ReneLamb

Warum Kinder generell leicht schnarchen

Dass Kinder häufig schnarchen, hat vor allem anatomische Gründe. "Gerade bei Säuglingen sind die Atemwege noch sehr eng, weshalb ihre Atmung oft von Geräuschen begleitet wird", erklärt Kinderarzt Edwin Ackermann. Er spricht von einem harmlosen "Säuglingsschnorcheln" im ersten Lebenshalbjahr. Bekommen Kinder dann die ersten Infekte, schwellen ihre Schleimhäute an, Sekret bildet sich in den Atemwegen – und die Kleinen schnorcheln nicht mehr nur, sondern schnarchen.

In dieser Zeit leisten die Mandeln Schwerst­arbeit: "Mit jedem Infekt werden Immunzellen produziert. Und das passiert vor allem in den Rachen- und Gaumenmandeln, die sich dadurch vergrößern", erklärt Edwin Ackermann.

Diese vergrößerten Mandeln sind die häufigste Ursache ­dafür, dass Kinder schnarchen, obwohl sie gar keinen Infekt mehr haben. Schlafmediziner Norbert Teig sagt: "Unterschätzt sind meiner Meinung nach auch Allergien, ­­etwa gegen Hausstaubmilben. Dadurch schwellen die Schleimhäute an, die Atemwege können sich verengen."


Dr. Norbert Teig leitet die Neonato­logie und das pädiatrische Schlaflabor an der Klinik für Kinder- und Jugend­medizin am Universi­tätsklinikum Bochum

/Jakob Studnar

Atemaussetzer sind gefährlich

Schnarchen bei Infekt gilt als unproblematisch. "Auch das Schnarchen ohne Infekt wird nur dann als kritisch bewertet, wenn ­weitere Probleme auftreten", erklärt Teig. Wenn ­also Atemaussetzer hinzu­kommen, Kinder zu wenig Sauer­stoff be­kommen oder so angestrengt ­atmen, dass sie von den wichtigen Tiefschlafphasen immer wieder in einen eher oberflächlichen Schlaf gleiten. "Insgesamt betrifft dieses kritische Schnarchen vielleicht zwei bis drei Prozent aller Kinder", so Teig.

Diese Probleme können die Hirnentwicklung beeinträchtigen, zu Konzentrationslosigkeit und Hyper­aktivität führen – Symptome, auf die Eltern schnarchender Kinder achten können. "Dagegen ist Tagesmüdigkeit, unter­ der Erwachsene mit Atemaussetzern oft leiden, bei Kindern eher selten."

Manchmal ist eine OP nötig

Stellen Eltern fest, dass ihr Kind häufig schnarcht oder sogar Atem­aussetzer hat, sollten sie davon ein Video oder eine Tonaufnahme mit dem Handy machen und dem Kinder­arzt zeigen. "Daran lässt sich schon viel erkennen", sagt Ackermann. Beurteilt der Kinderarzt das ­Schnarchen als kritisch, überweist er an ­einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Der untersucht den Hals-Nasen-Rachen-Bereich und prüft etwa, ob die Gaumen- oder Rachenmandeln das Kind schnarchen und schlecht ­atmen lassen.

"Ist sein Befund eindeutig und sind die Schilderungen der Eltern (oder ihre Videos) sehr plas­tisch, braucht es keine weiteren Unter­suchungen", sagt Teig. Bleiben Unklarheiten, überweist der HNO-Arzt das Kind an ein Schlaf­­labor. "Dort können Mediziner genau und objektiv messen, etwa die Herzfrequenz, die Sauerstoffsättigung, mögliche Atempausen und die Atemanstrengung", so Teig.

In den meisten Fällen sind tatsächlich vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln die Ursache für kritisches Schnarchen. In der Regel ist dann eine Operation nötig: "Per Laserverfahren werden die Mandeln verkleinert. Entfernt werden sie heutzutage meist nicht mehr."

Steckt eine Allergie hinter dem Schnarchen, bleibt Eltern von Säuglingen und Kleinkindern oft nur, ein möglichst allergenfreies Umfeld zu schaffen, etwa Matratzen und Bettwäsche zu um­hüllen und Räume gut zu lüften und zu reinigen. Eine Hyposensibilisierung wird selten vor dem fünften Lebensjahr gemacht.



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