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Ist das Stottern noch normal?

Sprechenlernen ist eine schwierige Sache. Kein Wunder, wenn sich Kinder da manchmal verhaspeln. Eltern können dennoch meist gelassen bleiben


Ist es Verhaspeln oder Stottern? Eltern werden da schnell nervös

Mama. Papa. Wauwau. Wie stolz reagieren Eltern, wenn sich aus dem unverständlichen Babygeplappere ihrer Kleinen die ersten richtigen Worte vernehmen lassen. Faszinierend, wenn Tag für Tag neue dazukommen und der Wortschatz langsam wächst. Www... wollen wir spielen? Doch dann, auf einmal, stolpert der Nachwuchs über Buchstaben oder bringt Sätze nicht zu Ende. Verstört fragen sich Mütter und Väter, ob ihr Kind jetzt stottert.

„Das ist kein Stottern“, beruhigt Georg Thum. Viele Eltern kommen mit dieser Angst zu dem Sprachtherapeuten in die Stotterberatungsstelle der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Dabei ist diese Phase entwicklungsbedingt. „Während der Ein-Wort-Phase baut sich der Wortschatz langsam auf. Ab dem 18. Lebensmonat beginnt der Wortschatzspurt. Täglich kommen neue Begriffe hinzu. Das Gehirn muss sich neu strukturieren“, erklärt der Experte. Ein gewaltiger Aufwand also, den die Kleinen zu leisten haben.


Stockendes Sprechen Teil der Entwicklung

„Wir sollten uns vielmehr wundern, dass Sprache in der Phase überhaupt noch flüssig funktioniert“, sagt Thum. Als Entwicklungsunflüssigkeiten bezeichnen Experten das stockende Sprechen. Der Begriff Entwicklungsstottern, der lange Zeit für das Phänomen gebräuchlich war, führt in die Irre, denn mit Stottern haben die Unflüssigkeiten nichts zu tun.

Zwischen drei und sechs Jahre alt sind Kinder in der Regel, wenn die Sprache stockt. Das können Wortwiederholungen sein, Pausen, aber auch Umschreibungen. Schließlich besteht Sprache aus vielen Ebenen, die erst einmal beherrscht werden müssen. „Die Kleinen brauchen jetzt mehr Zeit, um sich für ein Wort oder eine Satzkonstruktion zu entscheiden“, erklärt die Logopädin Dr. Patricia Sandrieser aus Koblenz. Durch die Pausen signalisieren die Kinder dem Gegenüber: „Bitte etwas Geduld, ich bin noch nicht fertig.“

Auch Erwachsene zeigen diese Unflüssigkeiten, allerdings gehen sie damit eleganter um. „Wir fügen statt einer Pause, weil wir zum Beispiel ein Wort suchen, ein ‚Na, Sie wissen schon’ ein“, sagt Sandrieser. Erst wenn die Kinder älter als sechs sind und der Redefluss auffällig häufig unterbrochen wird, sprechen Experten von Stottern.

Abwarten und zuhören

Absolut falsch wäre es, die Kleinen aufzufordern, erst nachzudenken und dann zu reden, wenn sie abgehackt sprechen. Oder tief Luft zu holen. Das erzeugt nur zusätzlich sprachlichen Druck und kann unerwünschte Folgen haben: Die Unflüssigkeiten treten häufiger auf oder führen eventuell sogar zum Stottern. Die Kleinen brauchen vielmehr ein Gegenüber, das ruhig abwartet und zuhört. Wenn Kinder selbst wahrnehmen, dass sie eine Geschichte stockend erzählt haben, dürfen Mutter oder Vater das durchaus ansprechen und eine Rückmeldung geben, erläutert Experte Thum. Zum Beispiel: „Du hast ja lustige Sachen im Kindergarten erlebt. Es waren ein paar Hüpfwörter dabei, das ist nicht weiter schlimm. Als ich klein war, habe ich auch mal so gesprochen.“ So signalisieren Eltern ihrem Kind, dass sie in erster Linie auf den Inhalt seiner Rede geachtet haben. Die Form, also die Unflüssigkeiten, haben sie zwar auch bemerkt, diese sind aber nebensächlich.

Eltern können Vorbildfunktion nutzen

Manche Sprechanfänger neigen dazu, sehr schnell von ihren Erlebnissen zu erzählen. Es sprudelt nur so aus ihnen heraus, und manches bleibt dabei einfach an den Lippen hängen. Mit einem Trick können Eltern die Geschwindigkeit des Redeflusses drosseln: selbst langsam sprechen. Das bringt zum einen Ruhe in die Gesprächssituation. „Außerdem werden Kinder die Sprechweise ihrer Eltern schnell übernehmen, sie sind ja das große Vorbild“, sagt Sprachtherapeut Georg Thum. Praktischer Nebeneffekt: Die Kleinen verstehen besser, was die Mutter oder der Vater ihnen sagen wollen, wenn diese langsam sprechen.

Wie lange die Phase des unflüssigen Sprechens dauert, ist unterschiedlich. Hält sie länger als ein halbes Jahr an oder leiden die Kinder selbst darunter, sollten sich Eltern an ihren Kinderarzt wenden. „Er überweist das Kind dann an einen Sprachtherapeuten oder Logopäden“, erklärt Patricia Sandrieser.




Bildnachweis: W&B/Sabine Dürichen

Der Entwicklungstest

Test: Ist das Stottern noch normal?

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Barbara Weichs / Baby und Familie; aktualisiert am 07.12.2012, erstellt am 16.12.2010
Bildnachweis: W&B/Sabine Dürichen

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