Ist Tragen in Tuch oder Tragehilfe gut fürs Kind?

Das Baby ganz nah am Körper tragen – das fühlt sich gut an. Aber ist es auch angenehm und gesund fürs Kind? Oder können Tragetuch und Tragehilfe dem Kleinen schaden? Das sollten Sie wissen
von Daniela Frank, aktualisiert am 16.02.2017

Ganz nah bei der Mama sein – das finden viele Kinder angenehm

Corbis/Picture Net

Die Affen tun es, die Koalabären auch und die Kängurus sowieso: Sie tragen ihren Nachwuchs am Körper. Ist das für unsere Babys auch das beste? "Beim Tragen bekommt das Kind andere Impulse als im Kinderwagen", sagt Kinderphysiotherapeutin und Trageberaterin Birgit Kienzle-Müller aus Bad Friedrichshall. Es nimmt die Bewegungen der tragenden Person wahr. Besonders angespannte Kinder, zum Beispiel Kinder die häufig schreien, können teilweise besser entspannen, wenn sie getragen werden.

Als weitere Vorteile nennt die Expertin:

  • Der intensive Körperkontakt beruhigt das Kind und stärkt die Bindung zu den Eltern.
  • Getragene Kinder schreien weniger
  • Durch die spezielle Haltung des Kindes beim Tragen wird die Nachreifung der Hüftgelenke unterstützt.
  • Der Tragende hat beide Hände frei und kann sich besser über Stufen und Treppen bewegen.
  • Das Tuch sorgt für eine aufgerichtete Haltung beim Tragenden. "Anfangs reicht bei manchen die Kondition für längeres Tragen noch nicht aus", sagt Kienzle-Müller. "Löst das Tragen Rückenschmerzen aus, sollten die Eltern den Sitz und die Eignung der Tragehilfe überprüfen."

Wer bereits unter Rückenproblemen leidet, sollte sicherheitshalber lieber auf das Tragen verzichten oder seinen Arzt um Rat fragen.

Vorsicht vor falscher Haltung oder Stauchung

Das Kind profitiert nur vom Tragen, wenn es die richtige Haltung einnimmt. Hängt es in der Tragehilfe oder ist sein Rücken überstreckt – wie zum Beispiel beim Tragen mit dem Gesicht nach vorne – ist das kontraproduktiv und kann sogar schaden. Außerdem wichtig: Der Tragende sollte sich nicht ruckartig bewegen. "Alle stauchenden Bewegungen sind schlecht für das Kind", sagt Kienzle-Müller. "Walken ist mit Tragetuch zum Beispiel kein Problem, joggen schon." Mehr über das richtige Tragen im Tragetuch erfahren Sie im Artikel Tragetuch und Tragehilfe: Was beachten?

Birgit Kienzle-Müller ist Kinderphysiotherapeutin und Trageberaterin in Bad Friedrichshall

privat

Ab etwa einem Jahr kann das Kind stärkere Bewegungen schon besser ausgleichen. "Dann kann man es zum Beispiel auch in einer Kraxe auf dem Rücken tragen", sagt Kienzle-Müller. Die Gefahr dabei: Der Tragende sieht nicht, wenn das Kind einschläft und sein Körper erschlafft. Dann kann es Stöße wieder weniger gut abfangen.

"Außerdem habe ich einen Fall erlebt, bei dem ein Kind beim Skifahren erfroren ist, weil der Tragende nicht gemerkt hat, dass ihm in der Kraxe kalt war", sagt Kienzle-Müller. Die Expertin rät deshalb von bewegungsintensivem oder Wintersport mit Tragehilfe ab.

Auf Atmung und Körpertemperatur achten

Genau wie bei bei allen Schlafpositionen sollten Eltern beim Tragen Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod im Blick behalten. "Gerade in der Wiege-Position besteht diese Gefahr", sagt Kienzle-Müller. "Deshalb wird diese Tragehaltung nicht mehr empfohlen." Zu den Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod gehört unter anderem Überhitzung des Kindes.

Auch, wenn der Tragende etwas fülliger ist, kann dies das Atmen des Kindes unter Umständen erschweren. Und: Das Kind darf weder auskühlen noch überhitzen. Am besten können die Eltern das überprüfen, indem sie den Nacken und oberen Rücken ihres Kleinen anfassen. Ist er sehr warm und feucht, ist dem Kind zu heiß, ist er sehr kühl, friert es.


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