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Glosse: Da hat Mama keine Chance – Mädchen lieben Rosa!

Nie kommt mir diese Farbe ins Haus, dachte sich unsere Autorin Peggy Elfmann. Bis sie eine Tochter bekam


Einmal eine Prinzessin oder Fee sein, das wünschen sich die meisten kleinen Mädchen. Und die sind eben rosa – mit Glitzer!

„Es wird ein Mädchen“, verkündete ich vor drei Jahren. Und warnte meine Freunde: „Schenkt mir bloß keine rosa Strampler. So etwas wird meine Tochter nie tragen!“ Meine Freundin Sandra fragte, ob ich nicht ein bisschen übertreibe. Nein! Meine Welt war blau – und sollte es auch bleiben. Das einzige rosa Stück war ­eine Karte über meinem Schreibtisch, auf der stand: „Du bist keine Prinzessin, nur weil dein Papi das sagt.“ Ich wollte emanzipiert sein, meiner Tochter keine Geschlechterrolle aufzwingen. Der ers­te Body, den ich für Elin kaufte, war hellblau, der zweite dunkelblau. Unser Kinderwagen war blau. So sollte es weitergehen.

Wie immer: Alles kommt anders

Drei Jahre später, Sandra besucht uns in der neuen Wohnung. Meine Tochter trägt ein rosa T-Shirt, eine pinkfarbene Hose und präsentiert ihr Zimmer. Meine Freundin starrt abwechselnd mein Kind und die pinkfarbenen Wände an: „Wie ist das denn passiert?“  
„Echt ärgerlich“, schieße ich los und meckere über die Vormieter, die dieses Zimmer einfach so gelassen haben, den Vermieter, der sich weigert, das Überstreichen zu bezahlen, und meinen Mann, der keine Zeit dafür hat. Meine Tochter sagt: „Das war die Mama.“


Okay, ich gebe es zu: Ich Rosa-Hasserin habe die Wände gestrichen. Aus weißer Raufaser – so schön neutral, schwärmte ich noch beim Einzug – wurde ein Kleine-Mädchen-Traumland. Bloß ohne Glitzer. Dafür ist das T-Shirt ­­meiner Tochter voll davon. „Und das da hat auch die Mama gekauft?“, deutet meine Freundin auf Elins T-Shirt. „Ja, Mama hat auch Glitzerperlen aufgenäht“, strahlt meine Tochter. Mein letztes Geheimnis plaudert sie zum Glück nicht aus: Elins Schrank ist voll von Rosa-Pink-Lila, dazwischen einsames Weiß und Blau.

Männer regen sich nie über Rosa auf

Es soll immer wieder vorkommen, dass Menschen glauben, man könnte die Farbvorlieben eines Kindes beeinflussen. Das müssen Menschen ohne Kinder sein. Diese Frauen – Männer regen sich über Rosa nie auf! – betonen immer wieder, dass Mütter selbst schuld seien, wenn ihre Töchter nur noch als ­­Feen und Prinzessinnen verkleidet aus dem Haus gingen. Mit jeder ­neuen Emanzipations­schrift, die ich lese, wächst mein schlechtes Gewissen. Ich muss endlich handeln.

Versuch Nummer eins und zwei scheitern

Am nächsten Morgen, kurz nach sieben, stehen Elin und ich vor ihrem Kleiderschrank. „Willst du den blauen Pulli anziehen?“, frage ich sie. Kopfschütteln. Oder den grünen? Wieder Kopfschütteln. „Aber der ist doch so schön“, flöte ich. „Nein, das da“, sagt sie bestimmt, greift nach einem pink-rosa Etwas und zieht sich (alleine!) an. Da kann ich unmöglich eingreifen, wenn die Kleine so selbstständig ist ...

An Tag zwei bin ich besser vorbereitet. Noch bevor meine Tochter aus ihrem rosa Bettchen klettern kann, liegen ihre Sachen parat: weiße Unterhose, blau-weiß gestreiftes Shirt, Jeans. Bloß keine Püppchen-Sachen! Als Elin das sieht, schüttelt sie den Kopf. „Will das nicht anziehen“, sagt sie, marschiert zum Schrank und nimmt ihr pink-rotes Kätzchen-Kleid. Und eine rosa Unterhose mit Bambi drauf. Zieht sich alleine an, ohne Murren.

Letzter Ausweg: Nächtliches Ausmisten

So leicht lasse ich mich nicht entmutigen. Ich schmiede einen Plan. In der Nacht zu Tag drei schleiche ich in das Zimmer meiner Tochter. Mit einer Taschenlampe bewaffnet, nehme ich T-Shirts, Kleider, Hosen und Pullis aus dem Prinzessinnen-Farbspektrum aus dem Schrank und stopfe alles in eine große Tüte. Nur weg damit! Tschüss, Rosa! Auf Nimmerwiedersehen, du süßliche Prinzessin, du doofes Miezekätzchen! „Liebe Alice Schwarzer, Sie wären so stolz auf mich! Ich habe meine Tochter vor der Rosa-Barbie-Welt gerettet“, murmele ich mich später in den Schlaf.

Ich muss früh aufstehen, mein Mann bringt die Kleine in die Kita. Als ich sie nachmittags abholen will, finde ich keine Elin. Im Gruppenraum nicht, im Garten nicht und auch in der Puppenecke nicht. Ich renne panisch zur Erzieherin: „Wo ist meine Tochter? Ist etwas passiert?“ Mein Herz rast, in Gedanken gebe ich schon eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf: „Dreijähriges Mädchen mit pinkfarbener Hose, rosa Pulli und – ganz wichtig – einer rosa Blümchen-Klemme im Haar ist verschwunden. Sie ist wahrscheinlich mit ihrem rosa Laufrad unterwegs und trägt einen rosa Rucksack und eine kleine Puppe namens Püppi mit sich.“ „Hallo, hallo, hören Sie mich?“, fragt Elins Erzieherin und zeigt auf ein Kind im Sandkasten: Es trägt eine braune Cordhose und ein olivfarbenes Shirt. Meine Tochter.


Schluss mit dem ewigen Streit um Klamotten!

  • Zeit sparen am Morgen: abends schon die ­Kleidung für den nächs­ten Tag herauslegen.


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  • Die Entscheidung leichter machen: Lassen Sie Ihr Kind aus zwei Alter­nativen wählen und selbst kombinieren.


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  • Konfliktstoff verstecken: Manches Kind will die Daunenjacke im Sommer, die Sandalen im Winter tragen. Klar, dass das nicht geht. Verstauen Sie solche Stücke außer Reichweite.


    3/4

  • Auf Zeit setzen: Ihr Sohn steht auf Spiderman, die Tochter auf den Prinzessinnenlook? Trösten Sie sich: Irgendwann findet jeder Junge, jedes Mädchen seine Kindheitshelden doof.


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Peggy Elfmann / Baby und Familie; 29.09.2011, aktualisiert am 02.05.2012
Bildnachweis: Getty Images/Photographer's Choice

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