Zunächst vorab: Fremdeln ist das nicht – schließlich kennt das Kind den Vater ja und hat eine Bindung zu ihm aufgebaut. „Experten nennen dies Präferenzverhalten“, erklärt Psychologe Suess. Das bedeutet: Im Moment will das Kind eben lieber bei der Mutter sein. Mit Angst vor dem Vater hat das in der Regel nichts zu tun. Eltern sollten das Kind aber nicht zwingen, auf den Arm von Papa zu gehen. „Das Kind langsam daran zu gewöhnen, dass die Mutter auch mal nicht kann oder weg ist, ist jedoch völlig in Ordnung“, so Suess.
Das passiert sogar ganz oft. „Und zwar, wenn Kinder gerade in einem wichtigen Entwicklungsschritt stecken, eine Krankheit durchgemacht haben oder gerade krank sind“, sagt Gerhard Suess. Dann haben sie plötzlich wieder ein großes Sicherheitsbedürfnis. Meist vergeht die Phase von selbst. Wenn nicht – oder wenn das Kind dauerhaft einen unsicheren Eindruck macht –, sollten Eltern sich an eine Erziehungsberatungsstelle wenden.
Erst mal sollten Eltern nachdenken, ob das Kleine tatsächlich nicht gefremdelt hat. Denn Kinder reagieren unterschiedlich auf andere Menschen. Mutige, neugierige Babys fremdeln nur wenig. Und manche zeigen erst mit zwei, drei Jahren ihre Furcht. Hat ein Kind überhaupt keine Angst vor Fremden, wirkt es sogar eher distanzlos und setzt sich zum Beispiel bei jedem auf den Schoß oder geht mit jedem Fremden an der Hand, sollten Eltern aufmerksam werden und eine Erziehungsberatungsstelle aufsuchen. „In dem Fall könnte zum Beispiel eine Bindungsstörung dahinterstecken“, erklärt Experte Suess.
Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie;
13.12.2010, aktualisiert am 07.12.2012
Bildnachweis: W&B/Onoky/RYF
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