Erster Schultag: So gelingt der Start

Im Herbst ist es wieder so weit: Der erste Schultag steht bevor. Wie Eltern ihre Kinder am Tag der Einschulung und in der Schulzeit unterstützen können
von Barbara Weichs, aktualisiert am 10.07.2015

Stolze Erstklässler: Jetzt beginnt die Schulzeit

F1online/Westend61

Nur noch wenige Wochen, dann ist es wieder so weit: Von Mitte August bis Mitte September werden in Deutschland die Erstklässler eingeschult. Zum ersten Mal können sie Hefte in ihren Schul­ranzen packen und die gefüllte Schultüte im Arm halten. Jetzt gehören sie zu den Großen. "Der Schul­anfang ist ein großer Einschnitt. Für die Kinder, da sie nun ein Stück weiter in die Selbstständigkeit wachsen, aber auch für die Eltern, weil sie Verantwortung ein Stück weit an die Schule abgeben müssen", sagt Klaus Seifried, Schulpsychologe in Berlin. Klar, dass das gefeiert werden muss!


Nathalie Krahé ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Coach und Trainerin in Frankfurt am Main

W&B/Privat

Mit dabei am ersten Schultag: Mama und Papa

Und das am besten fröhlich und ­entspannt. "Nehmen Sie Ihr Kind und seine Vorlieben als Maßstab", sagt Nathalie Krahé, Diplom-Psychologin in Frankfurt am Main. Schließlich ist es sein Tag, alle Aufmerksamkeit sollte auf ihm liegen. Die größte ­Freude machen Eltern ihrem Kind sowieso, wenn sich beide den Tag freihalten. Klappt das, wunderbar! Es signalisiert dem Kind: Du bist uns wichtig, wir begleiten dich an deinem besonderen Tag. "Leben Vater und Mutter getrennt, wäre es für das Kind natürlich ideal, wenn trotzdem beide dabei wären", sagt Klaus Seifried.

Was nach der Einschulung passiert

Entspannend: Sie müssen aus der Einschulung nicht die Party des Jahres machen. Vielmehr plädieren beide Experten dafür, ruhig nach dem ­Motto "Weniger ist mehr" zu handeln. Der Tag an sich bietet schon genügend Aufregung. Nicht nur, dass sich die Anspannung der Eltern auf das Kind überträgt, es stehen auch ­jede Menge organisierter Aktionen an: Oft findet vor der Willkommensfeier in der Schule bereits ein Gottesdienst statt, in dem die Kinder gesegnet werden. Dann geht es zum ersten Mal mit Lehrer und Mitschülern ins Klassenzimmer und anschließend eventuell noch in den Hort, um sich auch dort begrüßen zu lassen.

Da kommen viele Eindrücke zusammen, die die Kinder erst einmal verarbeiten müssen. "Das gelingt den Kleinen leichter, wenn der Tag auch Ruhe­inseln vorsieht", rät Nathalie Krahé. Es reicht völlig, sich nur ein oder zwei Dinge zusätzlich vorzunehmen. Zum Beispiel zur Feier des Tages mittags in ein Restaurant zu gehen. Wenn Ihr Kind die ­Pizza beim kleinen Italiener um die Ecke liebt – nichts wie hin. Richtig gemütlich sitzt man dort aber nicht, finden Sie. Egal, heute soll Ihr Kind sich wohlfühlen. Ihr Nachwuchs kommt zusammen mit einem Kindergartenfreund in die Schule? "Vielleicht haben die beiden ja Lust, dass man sich im selben Restaurant zum Mittagessen trifft", sagt Klaus Seifried.


Klaus Seifried ist Schul­psycho­lo­gie­di­rektor am schulpsychologischen und inklusionspädagogischen Beratungs­zentrum in Berlin

W&B/Privat

Das Kind eigene Schulerfahrungen sammeln lassen

Und wenn das Kind am Nachmittag am liebsten mit seinem besten Freund noch eine Runde kicken gehen möchte, anstatt Kuchen zu essen – erlauben Sie es. Dann genießen Sie Kaffee und Kuchen eben in Ruhe mit den ­­anderen ­Gästen.

Überhaupt die Gäste: Zu viele sollten es nicht sein, sonst dreht sich nur alles darum, sie mit ihren Bedürfnissen zufriedenzustellen. Versteht sich das Kind gut mit seinen Großeltern oder hat es eine Lieblings­tante, spricht nichts dagegen, diese einzuladen.

Allen Erwachsenen gibt Psychologin Nathalie Krahé einen wichtigen Tipp: "Halten Sie sich zurück mit Anekdoten aus Ihrer Schulzeit." Egal ob diese positiv oder negativ sind. Das Kind sollte unvoreingenommen eigene Erfahrungen machen können. "Sagen Sie Ihrem Kind lieber, dass Sie schon gespannt sind, wie diese neue Zeit des Lernens für es sein wird", sagt Krahé.

Was kommt in die Schultüte?

Und was gibt man in die Schultüte? Neben ein paar Süßigkeiten füllt man sie am besten ­mit kleinen Überraschungen, die für die Schule nützlich sind, wie ­­etwa witzige Radiergummis. Vielleicht auch mit einem Sprungseil, mit dem sich in der Pause spielen lässt, oder einem Buch für Erstleser als kleiner Ansporn dafür, es bald selbst lesen zu können.

Was Schulkinder noch brauchen

Damit Abc-Schützen ihre neuen Aufgaben bewäl­tigen können, sind ein paar Dinge unentbehrlich. Darauf sollten Eltern bei der Anschaffung achten:

Schulranzen: Leicht, robust, gut zu tragen und ein ­Design, das dem Kind gefällt – so sieht der ideale Schulranzen aus. Matthias Zeuner-Hanning, Umwelt­berater der Verbraucherzentrale Bayern e.V. in München, empfiehlt außerdem, ein Modell zu wählen, das der DIN 58124 entspricht. Sie garantiert eine bestimmte Wasser­dichte, Stabilität, Sicherheit und ergo­­nomische Ausstattung wie Polsterungen. "Min­des­tens 20 Prozent der Gesamtfläche von Vorder- und Seitenteilen sind dann mit orangerot oder gelb leuchtendem Material ausgestattet, mindes­­tens zehn Prozent mit Lichtreflektoren", sagt der ­Experte. So ist das Kind gut sichtbar, wenn es morgens noch dunkel ist. Leer sollte der Ranzen nicht mehr als zwölf Prozent des Körpergewichts des Kindes wiegen.

Schreibtisch: Erstklässler machen ihre Hausauf­gaben gerne am ­Esstisch. Doch das ändert sich nach und nach, und dann verbringen ­Kinder zunehmend Zeit an ihrem Schreibtisch. Sinnvoll ist daher ein Modell, das in der Höhe verstellbar ist und mitwächst. Auch Computer und Monitor sollten später darauf Platz haben. Matthias Zeuner-Hanning rät, auf die Schadstoffbelastung des Tisches zu achten. Die Plakette "Blauer Engel" und das goldene "M" garantieren, dass das Möbelstück gesundheitlich unbedenklich ist.

Lampe: Eine gute Lichtquelle darf am Schreibtisch nicht fehlen. "Am besten sind Leuchten, die sich in verschiedene Richtungen verstellen lassen und ­­deren Licht so breit strahlt, dass die ganze Tisch­fläche gleichmäßig hell beleuchtet ist", erklärt der ­Experte. ­Eltern sollten ihrem Nachwuchs beibringen, neben der Schreibtischlampe auch immer das Zimmerlicht anzuschalten. Denn: Leuchtet nur die kleine ­Lampe, müssen die Augen die Helligkeitsunterschiede ausgleichen und werden dadurch schneller müde. 

Stuhl: Sind Höhe und Sitztiefe des Schreibtisch­stuhls verstellbar, wächst auch er mit. "Eine in der Höhe variable und gepolsterte Rückenlehne unterstützt außer­dem bei geradem und vorgeneigtem Sitzen den Beckenrand, gibt aber keine starre Sitzhaltung vor", erklärt Zeuner-Hanning. Damit der Stuhl nicht kippt, braucht er mindestens fünf Rollen.



Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Wie lange haben Sie Ihr Kind gestillt?

Haben sie andere Freunde, seit Sie Eltern sind?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages