Baby-Signale: So verstehen Sie, was Ihr Kleines braucht

Warum schreit mein Kind bloß? Eltern tun sich häufig schwer, die Bedürfnisse ihres Babys auf Anhieb zu erkennen. Dabei senden Säuglinge in vielen Fällen eindeutige Signale aus

von Daniela Frank, aktualisiert am 21.03.2016

Was fehlt dem Kleinen? Wenn das Baby schreit, sind die Eltern oft ratlos

Thinkstock/iStockphoto

"Eltern sollten immer genau hinschauen und wachsam auf die Signale ihres Kleinen achten", sagt Ruth Wollwerth de Chuquisengo. Als Psychologin berät sie Eltern von Schreibabys in der eigens dafür eingerichteten Sprechstunde am Kinderzentrum München. Schreibabys sind Kinder, die sich schwer tun, in ihren Schlaf-Wach-Rhythmus zu finden und ihrem Bedürfnis nach Ruhe nachzugeben. Ihr Schreien ist für die Eltern besonders schwer zu deuten. Andere Babys senden dagegen bestimmte Signale aus, um ihren Eltern mitzuteilen, was ihnen fehlt:


Hunger

Ist ein Baby hungrig, wird es zuerst unruhig und quengelt. Später fängt es an zu schreien. "Eltern sollten dann aber noch andere Dinge berücksichtigen, bevor sie schlussfolgern, dass ihr Kind Hunger hat", sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Zum Beispiel, wann das Kind das letzte Mal gefüttert wurde." Anfangs brauchen Säuglinge alle eineinhalb bis vier Stunden Nahrung. Außerdem hilft es, Gesicht und Körper des Kleinen zu betrachten: Hat es Hunger, ist sein Körper eher angespannt. Hält man ihm einen Finger an die Lippen, beginnt es sofort, heftig und gierig daran zu saugen. Streicht man direkt neben dem Mund über seine Wange, bewegt es suchend den Kopf und öffnet seinen Mund.

Müde

Wenn das Baby müde ist, dreht es sich weg. Dazu reibt es sich eventuell die Augen oder Ohren. Vielleicht versucht es auch, an seinen Fingern zu saugen, um sich zu beruhigen. Es wird quengelig und fängt erst nach einer Weile an zu weinen. Sein Körper ist schlaff, die Augen fallen halb zu. Steckt man ihm einen Finger in den Mund, saugt es sanft und beruhigend daran. "Anfangs werden Säuglinge nach eineinhalb bis zwei Stunden Wachsein wieder müde", sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Halten die Eltern das Kleine länger wach, kann es das überreizen."

Überreizung

Ist dem Kleinen alles zuviel, quengelt es zunächst und wendet den Kopf ab – zum Beispiel beim Spielen. Es möchte nicht mehr beschäftigt werden, sondern braucht Ruhe. Bekommt es sie nicht, kann es heftig und schrill anfangen zu schreien. Häufig drücken sich überreizte Babys auch ins Hohlkreuz durch, der Körper ist stark angespannt. "In diesem Fall brauchen die Säuglinge die Unterstützung der Eltern, um sich zu beruhigen", sagt Wollwerth de Chuquisengo. Am besten nimmt Mutter oder Vater dazu das Kind in den Arm und schirmt es von der Außenwelt ab.

Schmerzen

Hat das Baby Schmerzen, schreit es plötzlich und schrill. Sein Körper ist stark angespannt. Wenn die Schmerzquelle erkennbar ist, können die Eltern sie beseitigen. Ist unklar, warum das Kind heftig weint, vermuten Eltern oft, dass es Bauchweh hat. "Das ist aber bei Weitem nicht immer so", sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Denn heftiges Weinen kann auch bedeuten, dass das Baby überreizt ist." Wenn das Bäuchlein tatsächlich gebläht ist, können sanfte Massagen oder entblähende Mittel helfen. "Laien können aber eigentlich kaum erspüren, ob sich Luft im Bauch befindet oder der Körper des Kindes bloß angespannt ist", sagt Wollwerth de Chuquisengo. Deshalb rät sie: Schreit das Baby über längere Zeit viel, ohne dass die Eltern wissen warum, sollten sie sich Hilfe vom Arzt holen.

Volle Windel

Wenn das Baby weint, kann auch eine volle Windel ein Grund dafür sein. Ob es gewickelt werden muss, können Eltern dann zum Beispiel durch das Ausschlussverfahren vermuten: Wenn das Kleine weder hungrig noch müde sein kann, könnte das Problem in der Windel liegen. Als nächstes gilt: Nachschauen. Das sollten die Eltern ohnehin regelmäßig tun, denn nicht jedes Baby empfindet eine volle Windel als störend. "Es gibt Kinder, denen macht das gar nichts aus", sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Andere sind da wiederum sehr empfindlich."

Zu heiß oder zu kalt

Auch, wenn dem Kleinen zu heiß oder zu kalt ist, schreit es. Eltern können seine Temperatur am besten überprüfen, indem sie ihm eine Hand in den Nacken legen: Wenn sich die Haut dort warm und verschwitzt anfühlt, ist dem Baby zu heiß, fühlt sie sich übermäßig kühl an, ist ihm zu kalt. "Eltern sollten am besten immer mal wieder nachschauen, ob ihr Kleines schwitzt oder friert", rät Wollwerth de Chuquisengo. Achtung: Die Hände und Füße des Säuglings anzufassen reicht nicht aus, um seine Körpertemperatur zu kontrollieren. Sie sind meist eher kalt.

Aufmerksamkeit

Will das Baby Aufmerksamkeit, quengelt es. Ob die Eltern mit ihrer Vermutung richtig lagen, merken sie, sobald sie sich ihm zuwenden: Dann beruhigt sich das Kleine rasch, konzentriert sich auf sein Gegenüber und sucht Blickkontakt. So signalisiert es, dass es aufnahmebereit ist und beschäftigt werden möchte. Jetzt ist für Mutter und Vater die beste Zeit, um mit ihrem Kind zu spielen.


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